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Korschenbroich
Stadtrat will Bürger-Service reduzieren

Korschenbroich: Stadtrat will Bürger-Service reduzieren
Im Alten Bahnhof ist die Kleinenbroicher Bürgerbüro-Filiale untergebracht: Heute entscheidet der Stadtrat über die Schließung dieser Nebenstelle. FOTO: Ruth Wiedner-Runo
Korschenbroich. Während die Stadt Grevenbroich ihr Angebot erweitern will, setzt Korschenbroich den Rotstift an - zum Ärger der Bürger. Von Ruth Wiedner-Runo

Wer seinen neuen Wohnsitz anmelden, einen neuen Personalausweis beantragen oder seine Geburtsurkunde beglaubigt haben möchte, kann das in Korschenbroich bislang an drei Stellen: im Bürgerbüro, also im Rathaus in Korschenbroich direkt, oder in den beiden Außenstellen in Kleinenbroich und Glehn. Und genau diese beiden Rathaus-Filialen will die Stadt zum Ärger vieler Korschenbroicher mit sofortiger Wirkung schließen. Der Grund: Die Stadt will dauerhaft pro Jahr rund 32.000 Euro einsparen.

Für Joachim Hilgers (61) ist der Schritt nicht nachvollziehbar. Er wohnt in Kleinenbroich und nutzte am Dienstag - unwissend - als einer der letzten Besucher den Service-Punkt. Hilgers war im Alten Bahnhof, um in der Verwaltungsaußenstelle sein Anliegen vorzutragen: "Ich brauche einen neuen Ausweis."

Eine Schließung der Verwaltungsnebenstelle ist für Hilgers ein "klarer Rückschritt": "Dieses Angebot ist für viele Senioren und für Menschen ohne Auto einfach unverzichtbar." Diese Ansicht vertritt auch Neubürgerin Daniela Ivanova. Sie lebt mit ihrer Familie seit sechs Monaten in Kleinenbroich. Für die 34-Jährige, Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern (9 und 10 Jahre), ist die Verwaltungsnebenstelle im Alten Bahnhof an der Ladestraße perfekt. Sie schätzt den "kurzen Weg", auch wenn die Filiale bislang nur an einem Vormittag in der Woche geöffnet hat. "Darauf kann sich jeder einstellen", ist sie überzeugt. Und mit Blick auf die immer älter werdende Bevölkerung fordert sie auch für andere: "Die beiden Außenstellen in Kleinenbroich und Glehn müssen bleiben."

Während in der Nachbarstadt Grevenbroich die Verwaltung dem Rat einen Vorschlag für neue, längere Öffnungszeiten macht, wollen die Verantwortlichen im Korschenbroicher Rathaus den zusätzlichen Bürger-Service einstellen.

Die entsprechenden Weichen dafür wurden bereits am Dienstagabend im Hauptausschuss gestellt. Lediglich drei CDU-Mitglieder votierten gegen den Beschluss. Zuvor hatte CDU-Fraktionschef Thomas Siegers angekündigt, dass sich die Unions-Vertreter aus Glehn und Kleinenbroich gegen die Schließung aussprechen würden. Die Glehner Ratsfrau Renate Erhart machte davon Gebrauch und erinnerte an die kommunale Neugliederung im Jahre 1975 und an eine Zusage von damals: "Mit der Aufgabe der Selbstständigkeit wurde den Bürgern dauerhaft eine ständige Verwaltungsnebenstelle vor Ort versprochen."

Die CDU/SPD-Ratsmehrheit hat sich in der Vergangenheit immer wieder für den Erhalt der beiden Bürgerbüro-Filialen stark gemacht. Jetzt will aber auch sie den Rotstift ansetzen, um dauerhaft 32.000 Euro pro Jahr einzusparen.

Zuletzt hatten Aktive, FDP und Grüne im Rahmen der Haushaltsberatungen 2016 gemeinsam die Schließung gefordert. Ihr Vorstoß wurde im vergangenen November von Wolfgang Houben (Grüne) mit den anfallenden Kosten und einer zu geringen Auslastung begründet: "So können wir als Stärkungspakt-Kommune einen fünfstelligen Betrag einzusparen." Rückhalt gab's von der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA), die der Stadt Korschenbroich eine Schließung empfahl. Eine aktuelle Statistik belegt jetzt, dass in Kleinenbroich und in Glehn pro Stunde 2,2 beziehungsweise 2,7 Anliegen bearbeitet werden, während im Bürgerbüro die Fallzahl mit 6,5 angegeben wird.

Der Rat will heute, 18 Uhr, in seiner Sitzung entscheiden. Hält er an seiner Schließungsabsicht fest, werden die Service-Filialen mit sofortiger Wirkung aufgelöst.

Quelle: NGZ
 
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