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Korschenbroich-Lüttenglehn
Tierschützer finden illegale Legebatterie

Versuchte Tierrettung in Lüttenglehn
Versuchte Tierrettung in Lüttenglehn FOTO: Knappe,Joerg
Korschenbroich . Am Donnerstag haben Tierschützer versucht, Hühner aus ihren Legebatterien auf einem Hof im Korschenbroicher Lüttenglehn zu befreien. 138 Tiere sollen dort nicht artgerecht gehalten werden. Die Betreiberin will davon nichts wissen. Von Ruth Wiedner

Zusammengefercht in Legebatterien fristen seit Monaten 138 Hennen ihr Dasein auf einem landwirtschaftlichen Hof in Lüttenglehn. Tierschützer wollten gestern Vormittag die Hühner aus ihren Käfigen befreien. Stefan Bröckling (45) vom Tiernotruf konnte allerdings nur ein Huhn aus seiner Gefangenschaft retten.

Doch jede Hilfe kam zu spät: Der Mönchengladbacher Tierarzt Dr. Burkard Sudhoff konnte wenig später nichts mehr für das Tier tun, außer es von seinem Leid zu erlösen. Die zuständige Kreisveterinärin Dr. Claudia Zerlik war von der Polizei angefordert worden. Sie untersagte noch gestern die Käfighaltung von Legehennen in Lüttenglehn.

Vom Vorwurf der illegalen Tierhaltung wollte Betreiberin Wilma Dyckers gestern aber nichts wissen. "Ich tue nichts Verbotenes. Meine Hennen haben ein volles Federkleid, ihnen geht es gut", sagte die 80-Jährige. Die Türe zur Legebatterie wollte Wilma Dyckers allerdings auf Bitten von Tierschützern und Journalisten nicht öffnen. Auf mehrfaches Nachfragen reagierte sie ungehalten und verwies die Aktivisten energisch von ihrem Grundstück.

Die Polizei hatte Kenntnis von der geplanten Aktion der Tierschützer erhalten. Sie forderte die Aktivisten ebenfalls auf, das Privatgelände zu verlassen. Zuvor hatte sie alle Personalien aufgenommen. Der Hofbesitzer Norbert Dyckers stellte zwischenzeitlich Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs. Der Landwirt, in der Region als vorbildlicher Schweinezüchter bekannt, stand gestern aber nicht für eine Stellungnahme zur "illegalen Hühnerhaltung" zur Verfügung.

Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt reagierte am Nachmittag mit einem Verbot der Legebatterie. "Wir haben eine auf dem Betriebsgelände nach der aktuellen Tierschutz- und Nutztierhaltungs-Verordnung nicht zulässige Unterbringung von 138 Legehennen in Käfigen vorgefunden", bestätigte Kreispressesprecher Reinhold Jung. Der Betreiberin wurde zur Auflage gemacht, die Hühnerhaltung umgehend auf Boden- oder Freilandhaltung umzustellen. "Insgesamt sind die Tiere in einem ordentlichen Zustand", berichtet Tierärztin Dr. Claudia Zerlik.

Für die vom Kreisveterinäramt überwachte Umstellung der Hühnerhaltung hat der Betrieb jetzt maximal zwei Wochen Zeit. Dabei zeige er sich kooperativ, erklärte Jung. Dennoch müsse der Landwirt mit einem Bußgeldverfahren rechnen. Zur Höhe konnte Jung gestern noch nichts sagen: "Wir warten das Anhörungsverfahren ab und werden dann entscheiden." Caudia Zerlik ist die Schweinezucht in Lüttenglehn bekannt, laut Jung, habe die Tierärztin die Hühnerhaltung gestern aber zum ersten Mal überprüft.

Tierschützer Stefan Bröckling (45) ist das alles nicht genug. Er hatte gehofft, im Einverständnis mit der Landwirtin, die Legehennen mitnehmen zu können und auf Tierschutzhöfen in der Region zu verteilen. "Das ist uns leider nicht gelungen", sagt Bröckling. Wichtig war ihm aber, Öffentlichkeit zu schaffen und den "skandalösen Zustand" abzustellen. "Was wir dort an kleinen, verdreckten Käfigen vorgefunden haben, ist nach dem Tierschutzgesetz mindestens seit 2010 verboten."

Auch die jetzt angekündigte Umstellung der Hühnerhaltung von Legebatterie auf Boden- oder Freilandhaltung stimmte Bröckling nicht wirklich froh. "Die Legehennen wurden über Monate in 30 mal 30 Zentimeter großen Käfigen eingesperrt und ausgebeutet. Sie sind krank, schlapp und fast bewegungsunfähig." Bröckling war Hinweisen auf die unlautere Tierhaltung gefolgt. Ein Testkauf am 7. Dezember war der Aktion vorausgegangen.

 

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