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17-Jähriger in Krefeld niedergestochen
Eiscafé-Besucher kamen Opfer nach Messerattacke zur Hilfe

17-Jähriger mit Messerstichen in Krefeld-Traar verletzt
17-Jähriger mit Messerstichen in Krefeld-Traar verletzt FOTO: Christoph Reichwein
Krefeld. Das Eiscafé San Marco in Krefeld-Traar wurde zum Ort für eine dramatische Rettung: Der 17-Jährige, der sich nach einer Messerattacke lebensgefährlich verletzt dorthin gerettet hat, wurde von Gästen im Café versorgt - er hatte Riesenglück. Von Jens Voss

Es müssen dramatische Minuten gewesen sein, die sich am Sonntagabend kurz nach 20 Uhr vor dem Eiscafé San Marco in Traar abgespielt haben. Als der Juniorchef Mario Bevacqua (31) Montag davon erzählte, war noch zu spüren, wie ihn das Geschehen aufgewühlt hat - ihn und seine Gäste, die plötzlich einen blutüberströmten 17-jährigen Jungen vor Augen hatten, der lebensgefährlich mit Messerstichen verletzt war.

Der Täter hat sich Montag gestellt, nachdem die Polizei mit Hochdruck und per Hubschrauber nach ihm gefahndet hat. Es ist ein 18-jähriger Mann. Die Umstände der Tat sind laut Polizei noch unklar; es soll ein Streit unter Freunden gewesen sein. Die Rettung des Opfers war eine Tat von zufällig anwesenden Menschen, und mindestens einer hatte offenbar wirklich Ahnung von Erster Hilfe.

"Dort hatte er eine Stichwunde": Café-Inhaber Mario Bevacqua zeigt, wo der 17-Jährige, der am Sonntagabend in Traar Opfer eine Messerattacke geworden war, eine Verletzung aufwies. Gäste in dem Café haben dem Jungen wahrscheinlich das Leben gerettet. FOTO: Lammertz Thomas

"Gäste haben sofort gesehen, dass etwas Schlimmes passiert ist"

Kurz nach 20 Uhr hielt am Sonntag ein rotes Auto vor dem Café, berichtet Bevacqua. Ein junger Mann stieg aus, blutüberströmt, "ich dachte erst, er wäre vom Fahrrad gefallen", sagt Bevacqua, "doch zwei Gäste haben wohl sofort gesehen, dass etwas Schlimmes passiert ist". Es waren ein Mann und eine Frau, die sofort die Initiative ergriffen und sich um den Schwerverletzten kümmern - "die Frau hat geholfen und beruhigend auf ihn eingeredet, der Mann war sehr sicher in dem, was er tat", berichtet Bevacqua. So sorgte er dafür, dass sich der junge Mann nicht hinlegt, sondern nur hinsetzt und sich schräg anlehnt, "damit kein Blut in die Lungen läuft", wie Bevacqua sagt.

Wie kam es zu der Tat, wie kam das Opfer zum Café? Die - von der Polizei noch nicht bestätigte - Version, die man sich Montag erzählte, besagt, dass das Opfer vom 18-jährigen Täter zu dessen Wohnung in Traar bestellt wurde; dort soll er im Streit auf den Jungen eingestochen haben. Der 17-Jährige soll später den Streit damit begründet haben, dass er sich zehn Tage nicht bei seinem Freund gemeldet habe. Ob es so war, ist unklar, wie genau es zur fast tödlichen Attacke kam, ermittelt die Polizei noch.

Nach dem Angriff konnte der 17-Jährige fliehen, schleppte sich zur nächstgelegenen Straße und hielt dort ein Auto an. Da hatte er zum ersten mal Riesenglück: Tatsächlich stoppte ein junges Paar mit einem Baby auf dem Rücksitz seinen Wagen, nahm den Verletzten mit und hielt bei der erstbesten Gelegenheit, wo Menschen waren: am Café San Marco. Wer das Paar ist, weiß Mario Bevacqua nicht - es ging alles schnell. "Hut ab, was die geleistet haben", sagt Bevacqua, "es ist nicht selbstverständlich anzuhalten, wenn am Straßenrand plötzlich jemand auftaucht, der blutüberströmt ist, erst recht nicht, wenn man ein Baby dabei hat."

Ähnliches sagt der Café-Betreiber über die beiden Helfer, die sich rührend und entschlossen um den Schwerverletzten gekümmert haben. "Ich habe sofort unseren Verbandskasten geholt", berichtet Bevacqua. Schnell ist nun auch ihm klar, dass es sich hier nicht um einen normalen Unfall handelt. "Er hat mehrfach sein T-Shirt angehoben und seine Wunden gezeigt", sagt Bevacqua; überhaupt: Das Opfer war die ganze Zeit bei Bewusstsein, der Junge hat nicht geschrien oder gejammert, "nur am Schluss habe ich ein paar Tränen gesehen; er war sehr tapfer", erinnert sich Bevacqua.

Bei den Verletzungen handelte es sich um zwei, vielleicht drei Stiche, ganz sicher ist Bevacqua sich nicht, weil der Oberkörper blutverschmiert war; Bevacqua meint, eher drei Stiche gezählt zu haben: einen an der Seite, einen am Bauch und einen an der Lunge.

Während der Verletzte vor der Tür auf dem Stuhl versorgt wurde, riefen andere Gäste die Polizei. Die kam auch relativ schnell; kurz danach traf auch ein Rettungswagen ein und übernahm die Versorgung des Opfers. Nach 20, 25 Minuten war der Spuk vorbei, zumindest, was die Versorgung des Verletzten anging, denn die Fahndung nach dem Täter lief weiter auf Hochtouren.

"Der Mann, der Erste Hilfe geleistet hat, war für mich ein Held"

In all dem Durcheinander hat Bevacqua es nicht geschafft, die Namen der Helfer zu registrieren. Er hätte dem Mann und der Frau gerne Gutscheine geschenkt, "nicht um mich einzuschleimen oder so, ich war einfach beeindruckt und begeistert, was die beiden gemacht haben, wie sie geholfen haben, Hut ab; der Mann, der Erste Hilfe geleistet hat, war für mich ein Held."

Der sträubte sich, wollte keine Belohnung, "ich musste ihn zwingen", sagt Bevacqua und lächelt. Auch die anderen Helfer sind ihrer Wege gegangen; das Paar etwa, das wunderbarerweise den Wagen stoppte, obwohl, der, der da plötzlich am Straßenrand auftauchte, den beiden wirklich nicht geheuer sein konnte.

Die Polizei teilte Montagnachmittag nur mit, dass die Fahndung nach dem Flüchtigen zurückgenommen werde, weil der 18-jährige Tatverdächtige sich der Polizei gestellt habe. Er wird vernommen. "Zu Tathergang und -motiv kann zum jetzigen Zeitpunkt nichts Ergänzendes mitgeteilt werden", heißt es. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wird der Beschuldigte auf Antrag der Staatsanwaltschaft Krefeld dem Haftrichter vorgeführt.

Quelle: RP