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Krefeld
Arbeitsmarkt: Krefeldern fehlt Bildung

Krefeld: Arbeitsmarkt: Krefeldern fehlt Bildung
Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Krefeld, Dirk Strangfeld (M.), mit Ralf Sibben von der Unternehmerschaft Niederrhein und Vorsitzender des Verwaltungsausschusses der Agentur für Arbeit (links) und Thomas Ziegler, DGB-Region Düsseldorf-Bergisch Land. FOTO: MB
Krefeld. Der Krefelder Arbeitsmarkt ist schwierig: Die Arbeitslosenquote ist hoch. Angebot und Bedarf passen nicht überein. Der Fachkräftemangel schlägt überproportional durch, und am Ausbildungsmarkt ist auch keine Trendwende in Sicht. Während sich junge Leute in Düsseldorf ihren Ausbildungsplatz aussuchen können, fehlen Stellen in Krefeld für die Komplettversorgung. Von Norbert Stirken

An eine Prognose wagte sich gestern bei der Agentur für Arbeit niemand heran. Weder Dirk Strangfeld (Geschäftsführer Agentur für Arbeit) noch Ralf Sibben (Unternehmerschaft Niederrhein) oder Thomas Ziegler (Deutscher Gewerkschaftsbund) trauen sich, einen Zeitpunkt zu benennen, wann Krefelder Arbeitgeber so massiv auf den Fachkräftemangel reagieren wollen, dass für jeden Schulabgänger mindestens ein Ausbildungsplatz in der Stadt zur Verfügung steht.

Vor allem die Industrie halte sich in der Seidenstadt noch sehr zurück, Anstrengungen seien vornehmlich im Handwerk zu entdecken, erklärte der Gewerkschafter. In Düsseldorf seien die Zeichen der Zeit schon länger erkannt worden. Auf einen Ausbildungswilligen kommen 1,3 freie Ausbildungsstellen. In Krefeld ist das Verhältnis genau umgedreht: Auf einen Schulabgänger kommen 0,7 Ausbildungsplätze.

Ob der Arbeitsmarkt in Krefeld mit einer Quote von 10,1 Prozent Arbeitslosen einmal trotz positiver Entwicklung mit dem in anderen Kommunen mithalten kann, scheint fraglich. Irgendwie beißt sich die Katze in der Seidenstadt stets in den eigenen Schwanz. Letztlich fehlt es immer wieder an Qualifikation, Bildung, Weiterbildung, Niveau.

So waren für den gesamten Agenturbezirk (Stadt Krefeld und Kreis Viersen) zwar sieben Prozent mehr freie Stellen gemeldet als im Vorjahr, dennoch passten Angebot und bedarf vor allem in Krefeld nicht so recht zusammen. Zwei Drittel der Stellen erforderten ein Fachkräfteniveau, das viele der Arbeitslosen - vor allem Langzeitarbeitslose -nicht aufweisen. 50 Prozent der Gemeldeten bewegen sich beruflich auf dem sogenannten Helferniveau. Früher hieß das weniger galant Hilfsarbeiter oder Handlanger. Besonders auffällig in Krefeld ist die lange Verweildauer in der Langzeitarbeitslosigkeit.

"Wir können uns in Zukunft nicht mehr erlauben, irgendwelche Jugendliche als nicht ausbildungsfähig abzuschreiben", sagte Ziegler vom DGB. Die Agentur für Arbeit müsse in eine neue Rolle schlüpfen. Qualifizieren, qualifizieren und noch einmal qualifizieren lautet das neue Anforderungsprofil an die Arbeitsmarktexperten. Schulen, Ausbildungsbetriebe, Gewerkschaften, Politik und andere gesellschaftliche Gruppen müssten sich der Herausforderung ebenfalls stellen. Allein im Agenturbezirk Krefeld scheiden in den kommenden zehn Jahren knapp 20.000 Fachkräfte aus, weil sie die Altersrente antreten. Noch drastischer macht sich der Verlust an Erfahrung und Sachkompetenz in den kommenden 25 Jahren bemerkbar. Bis dahin scheiden 60.000 Menschen aus dem Arbeitsprozess aus - in der Hauptsache Fachkräfte, aber auch viele Spezialisten und Experten. Die Aufnahme von Flüchtlingen bringt keine Entlastung auf dem Krefelder Arbeitsmarkt. "Die Menschen sind mitnichten in der Lage, dem Fachkräftemangel abzuhelfen", sagte Strangfeld. Dazu seien Jahre der Integration und Qualifizierung nötig.

Ungeachtet der aufgeführten Schwierigkeiten ist der Chef der Krefelder Arbeitsagentur mit der Entwicklung des Arbeitsmarktes in Krefeld und dem Kreis Viersen im abgelaufenen Jahr zufrieden. Die Zahl der Arbeitslosen ist gesunken, die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse und der Stellen gestiegen. Zum Stichtag standen für die Stadt Krefeld 91.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse zu Buche. 2000 zusätzliche allein dadurch, dass ein Fleischzerlegungsbetrieb seine Lohnbuchhaltung in die Seidenstadt verlegt hat.

Die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt machen vor allem zwei Zahlen deutlich. So mussten sich von Januar bis Dezember 50.619 Männer und Frauen arbeitslos melden, demgegenüber konnten aber auch 51.227 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden. Die Arbeitslosenquote im Bezirk sank innerhalb eines Jahres von 8,1 auf 7,8 Prozent. Für Krefeld fiel die Verbesserung noch geringen aus. Statt 10,2 Prozent sind es aktuelle 10,1 Prozent. Die Gründe für den Verlust des Arbeitsplatzes waren vielfältig: Kündigung, Ablauf von Zeitverträgen, Nichtübernahme nach Ausbildung und einiges mehr.

Aktuell werden im Agenturbezirk 6876 Menschen von der Arbeitsagentur betreut (116 mehr als im Dezember 2016), 14.929 Arbeitslose (759 weniger als im Vorjahr) sind in Betreuung der Jobcenter Krefeld und Kreis Viersen. Damit liegt die Arbeitslosenquote im Bezirk jetzt bei 7,8 Prozent (November: 7,8 %) und damit gegenüber dem Dezember des Vorjahres um besagte 0,3 Prozentpunkte niedriger.

Quelle: RP
 
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