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Krefeld
Die Tricks der Westernreiter

Krefeld: Die Tricks der Westernreiter
Beim Westernreiten sind der Cowboyhut, ein langärmeliges Hemd oder eine Bluse, Jeans und Stiefel grundsätzlich Pflicht. Ein Revolver ist allerdings nicht notwendig. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Auf dem Katharinenhof in Fischeln trug der Western-Reitverband Rheinland jetzt ein großes Turnier aus. 75 Westernreiter aus NRW waren am Start. Von Günter Wagner

Wer zum ersten Mal zu einem Western-Reitturnier kommt, der muss feststellen, dass wild durch die Gegend reitende und um sich ballernde Cowboys eine lediglich Sache fürs Kino sind - hier geht's diszipliniert zu. Immerhin optisch erinnern die 75 Teilnehmer am fünften Turnier des Western-Reitverbandes Rheinland (WRR), das jetzt auf dem Katharinenhof in Fischeln von Karl Heinz und Brigitte Dreßen ausgetragen wurde, durchaus an John Wayne & Co. Denn anders als bei Spring- und Dressurturnieren, wo weiße Reithose und ein schwarzes oder rotes Jackett zur Etikette gehört, sind beim Westernreiten der Cowboyhut, ein langärmeliges Hemd oder eine Bluse, Jeans und Stiefel grundsätzlich Pflicht - und sozusagen eine Hommage an die Ursprünge dieser Art des Reitens.

"Ursprünglich kommt das Westernreiten aus dem Wilden Westen Amerikas", erläutert Gutsbesitzerin Brigitte Dreßen. Cowboys brauchten seinerzeit Pferde, die Nervenstärke, Trittsicherheit im Gelände sowie Schnelligkeit und gutes Sprintvermögen an den Tag legten, um mit einem davon stürmenden Rind Schritt zu halten. "Wesentliches Merkmal des Westernreitstils ist der Impuls-Befehl: Ein kurzes Signal muss reichen, um dem Pferd einen Befehl zu erteilen. Das fertig ausgebildete Westernpferd muss mit einem Minimum an Hilfen seitens des Reiters auskommen und trotzdem jederzeit der Kontrolle des Reiters unterliegen. Das Westernreiten basiert konsequent auf Elementen und Übungen, die das Pferd in seinen natürlichen Bewegungen bereits grundsätzlich kennt und beherrscht", ergänzt ihr Mann Karl Heinz, der bei den vielen Teilnehmern und Zuschauern kaum zur Ruhe kommt und jede Frage des Besuchers ausführlich erklärt.

Ein Merkmal, das jedem, der schon einmal geritten ist, auffällt, ist die einhändige Zügelführung des Reiters. Somit hat der Cowboy eine Hand frei, um damit das Lasso zu schwingen und ein Rind einzufangen. Rinder suchte man auf der Anlage vergebens. Das praktische Einfangen bleibt den echten Cowboys vorbehalten. "Der losgelassene Gleichgewichtssitz des Reiters, der Kreuz und Schenkel nur bei Bedarf einsetzt und sich ansonsten nur tragen lässt, ist typisch für das Westernreiten", erläutert Brigitte Dreßen. In vier Leistungsklassen wurde in den Disziplinen Trail, Reining, Western Horsemanship und Western Pleasure geritten (siehe neben stehender Text).

Und wie der Name Pleasure schon sagt: Es soll ein Vergnügen sein. Im Wettbewerb des Handicapreitens war den Reitern jenes Vergnügen förmlich anzusehen. Das Gesicht von Luca-Marie Feyen von der Gerd-Jansen-Schule, die seit ihrer Geburt spastisch gelähmt ist, wurde von Minute zu Minute strahlender. Auf dem Pferd Bacardi wurde sie von ihrer Cousine Annalena (15) auf ihrem Parcours gehalten. Seit etwa drei Monaten absolviert die Neunjährige das therapeutische Reiten. "Das therapeutische Reiten hat ihr in der kurzen Zeit so viel gebracht. Für Luca-Marie ist es jedes Mal ein Erfolgserlebnis und ein kleiner weiterer Schritt auf einem weiten Weg, den wir noch gehen müssen", sagt ihre Mutter. Die Platzierung wurde da zur Nebensächlichkeit. Und Brigitte Dreßen lächelte dabei, hatte sie doch die Bestätigung, dass die Arbeit mit den Pferden und die familiäre Atmosphäre auf ihrem Katharinenhof genau das Richtige, besonders für die Handicapreiter, ist.

Quelle: RP
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