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Krefeld
Droht Wildtieren auch im Zoo das Aus?

Die zehn gefährlichsten Tiere im Krefelder Zoo
Die zehn gefährlichsten Tiere im Krefelder Zoo FOTO: Krefelder Zoo
Krefeld. Eine politische Mehrheit will Zirkusse mit Wildtieren auf Stadtflächen verbieten. Doch es stellten sich weitere Fragen. Von Joachim Niessen

Leidenschaftlich kämpfte so mancher Politiker in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Beteiligungen und Liegenschaften für den Tierschutz in Krefeld. Es ging um zwei fast inhaltsgleiche Anträge von SPD und Grünen, "Verträge mit Zirkusbetreibern dahingehend zu ändern, dass Wildtiere künftig ausgeschlossen sind". Ratsherr Hans Butzen ergänzte: "Es gibt einen aktuellen städtischen Vertrag mit einem Zirkus, der eine Laufzeit bis 2019 hat. Dieser Vertrag ist einzuhalten, daran kommen wir nicht vorbei. Aber es sollten ab sofort keine weiteren Verträge abgeschlossen werden, wenn Zirkusse auch Wildtiere mit sich führen oder im Programm einsetzen."

Unterstützung gab's von Grünen-Ratsfrau Barbara Behr, die allerdings erklärte, dass dies nicht unbedingt eine rechtliche, sondern vielmehr eine politische Diskussion sei: "Es hat sich hier der gesellschaftliche Konsens verändert." Diese Debatte, die inhaltlich fast harmonisch unter den Ratsvertretern begann, könnte sich für Krefeld jedoch schnell zum Pyrrhussieg entwickeln.

Das Schmetterlingshaus im Krefelder Zoo FOTO: Thomas Lammertz

"Tierschützer, die diese Vorschläge mit Sicherheit unterstützen, werden vielleicht in einem nächsten Schritt die Situation der Wildtiere im Zoo unter die Lupe nehmen und dort Fragen nach artgerechter Haltung stellen", warnte FDP-Fraktionsvorsitzender Joachim C. Heitmann. Der Liberale war über Jahre Aufsichtsratschef der Zoo GmbH und fühlt sich auch heute mit dem "Kronjuwel" eng verbunden.

In einem weiteren Punkt sieht der Jurist möglicherweise den "Tatbestand der Ungleichbehandlung" gegeben. So dürfe der eine Zirkus mit Wildtieren noch bis 2019 in Krefeld auftreten, anderen werde bis zu diesem Zeitpunkt diese Möglichkeit verwehrt. Parallel erinnerte Heitmann an die Prüfungen der Zirkusse durch das örtliche Veterinäramt: "Hier wird jeder Zirkus unter die Lupe genommen. Wozu haben wir ein Veterinäramt, wenn wir uns auf dessen Untersuchungen nicht verlassen können oder wollen." Eindringlich warnte der FDP-Politiker, in diesem Zusammenhang die Augen vor möglichen Diskussionen rund um Wildtiere im Zoo zu verschließen: "Am Ende stellt sich die Frage, ob wir da nicht auch plötzlich Gehege schließen müssen." Das größte Problem sei hier die Langeweile der Tiere.

Erhebliche Bedenken über die Richtung der Diskussion kamen bei CDU-Ratsherr Philibert Reuters auf, der befürchtete, dass "hier ein Fass aufgemacht" werde, das man am Ende nicht mehr zu bekomme: "Wir sehen als CDU die Wildtierhaltung im Zoo als artgerecht an. Wir müssen aufpassen, sonst haben wir im Zoo nur noch ein Schmetterlingshaus." Auch bei der SPD wollte man von parallelen Problemen von Zirkus und Zoo nicht mehr so unbedingt etwas wissen: "Ich weiß nicht, ob man Zoo und Zirkus überhaupt vergleichen kann", meinte Ratsherr Butzen. Schließlich schütze die Haltung der Tiere im Zoo auch gefährdete Arten. Abschließend betonte Heitmann, dass der Zoo schließlich "permanent seine Tierhaltung den Verlautbarungen der Unteren Landschaftsbehörde anpasse. Trotzdem wird diese Diskussion unter Tierschützern weiter geführt werden."

Krefeld: Gorilla-Baby Tambo wird ein Jahr alt FOTO: dpa, rwe htf

Zoosprecherin Petra Schwinn plädierte am Mittwoch auf Nachfrage unserer Zeitung generell für eine Versachlichung der Diskussion: "Der Zoo hat vor allem auch einen Forschungs-, Bildungs- und Artenschutzauftrag." Ebenfalls gebe es beim Zoo keine regelmäßigen Transporte der Tiere.

Die Verwaltung wurde von der Politik beauftragt, in einer der nächsten Sitzungen eine rechtliche Prüfung der Situation um die Vergabe von Flächen an (Wildtier-)Zirkusse zu erarbeiten.

Kopfsprung ins Wasser: Pinguine genießen die Hitze FOTO: Zoo Krefeld/ Vera Gorissen
Quelle: RP
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