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Krefeld
Jazzherbst gipfelt in glanzvollem Finale

Krefeld: Jazzherbst gipfelt in glanzvollem Finale
Der aus Kuba stammende Pianist David Virelles im Glasfoyer des Theaters: Der 32-Jährige beeindruckte das Publikum nicht nur mit instrumentalem Können, sondern vor allem mit ungezählten gelungenen Einfällen. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. David Virelles und die Band Mbókò streiften durch die afro-kubanische Musik - schlicht und genial. Von Mojo Mendiola

Mit einem Höhepunkt besonderer Güte beschlossen Jazzklub und Stadttheater ihre kleine Konzertserie zur Feier ihrer zehnjährigen Kooperation. Der aus Kuba stammende, in New York lebende Pianist David Virelles kam mit drei Begleitern ins Glasfoyer und streifte mit ihnen durch den afrikanischen Anteil seines afro-kubanischen Musikerbes.

Mbókò hieß deshalb seine Band - ein Wort, das eine der im westlichen Afrika gesprochenen Bantu-Sprachen bezeichnet. Wichtigster Mitstreiter war Róman Díaz, der mit Conga- und Bata-Trommeln und diversen kleinen Percussion-Instrumenten ausgestattet war. Außerdem setzte er seine Stimme ein, mal rufend, mal singend, mal suggestiv sprechend. Während er mit Rasseln geheimnisvolle Spannung erzeugte, kündete er von dem Weltschöpfungsmythos seiner afrikanischen Vorfahren oder von der uralten Geschichte, wie die Trommeln in die Welt kamen. Virelles steuerte dann kleine Kommentare vom Flügel bei.

Natürlich lag die Führung überwiegend bei Virelles, der vor wenigen Tagen 32 Jahre alt wurde. Häufig dissonant, aber keineswegs disharmonisch, spürte er am Piano den melodischen und rhythmischen Patterns nach, die mit den Sklavenschiffen in seine karibische Heimat gekommen waren, zerlegte sie in der Art des Bebop und erinnerte deshalb mitunter an Thelonious Monk und Andrew Hill. Mal improvisierte er verspielt über einem gelungenen Einfall, mal stürzte er sich mit Temperament in einen ungestüm dahinbrausenden Fluss, den Díaz ausgelöst hatte, nachdem er sich zuvor trommelnd mit Vicente Archer am Bass verständigt hatte.

Es war kein Konzert von Einzeltiteln, sondern eine Suite von 65 Minuten Dauer, in denen sich jeder Musiker und nicht zuletzt Schlagzeuger Gerald Cleaver als Geschichtenerzähler betätigte. Ihr großes instrumentales Können spielten sie dabei nie voll aus, blieben immer dem inhaltlichen Ausdruck verpflichtet und erreichten maximale Spannung. Häufige Einzel- und Unisono-Repetitionen festigten das dichte Gewebe ihres Zusammenklangs - Archer und Cleaver waren übrigens erst kurzfristig eingewechselt worden. Und statt jener Art von Drive, die man Swing nennt, waren ihre meist gemäßigten Rhythmen von einem Schwung, der an den Schritt von Passgängern erinnerte.

Eine besondere Überraschung bot die Zugabe: eine unerhörte Fusion aus Ragtime und Wiener Schrammelmusik, die es auf ihrem Weg über Virelles' Klaviatur tatsächlich bis zur Rumba brachte - unglaublich und schlicht genial.

Quelle: RP
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