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Krefeld
Kinder auf dem Dach: Stadt bekommt Risiko-Hochhaus nicht in den Griff

Krefeld: Kinder auf dem Dach: Stadt bekommt Risiko-Hochhaus nicht in den Griff
Stand gestern Nachmittag, 15.30 Uhr: Der Zaun, der das Hochhaus sichern soll, ist eingedrückt. FOTO: Henning Rasche
Krefeld. Das ehemalige Studentenwohnheim an der Alten Gladbacher Straße ist Anziehungspunkt für Kinder und Jugendliche. Anwohner befürchten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ein Kind vom Dach fällt. Von Henning Rasche und Jens Voss

Das verfallende ehemalige Studentenwohnheim an der Alten Gladbacher Straße ist zu einem Risiko geworden, das alle Verantwortlichen kennen, aber nicht in den Griff bekommen. Die Polizei wird regelmäßig zu dem Gebäude gerufen, weil dort Kinder oder Jugendliche auf das Dach gelangen; die Stadt hat nach eigener Aussage über Jahre immer wieder umgefallene Bauzäune instandsetzen lassen, zum Teil auf Kosten der jeweiligen Besitzer - doch auch gestern war es kein Problem, auf das Gelände und in die Ruine zu gelangen. Der Leiter der benachbarten Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, Michael Schütz, hat jetzt, wie berichtet, in einem Brief an Oberbürgermeister Frank Meyer Alarm geschlagen - der Brief stammt vom 23. Februar, eine Antwort steht noch aus.

Zur gleichen Zeit steht die Ruine praktisch offen. "Ich ärgere mich jeden Tag darüber, wenn ich dort vorbeikomme und sehe, dass es kein Problem für Jugendliche und Kinder ist, ins Gebäude zu gelangen", sagte Schütz gestern auf Anfrage. "Es wäre ein Horrorszenario, wenn ein Kind herunterstürzen würde - und dies noch vor den Augen unserer Schülerinnen und Schüler der 5. bis 7. Klassen, die gegenüber in ihren Klassenräumen sitzen."

Durch die im oberen Foto abgebildete Zaunlücke gelangt man mühelos über dieses Gelände zum Gebäude; Türen und Fenster sind nicht gesondert gesichert. FOTO: Rasche

Die Ruine ist Anziehungspunkt für Jugendliche aus der ganzen Stadt. Wie Schütz berichtet, sind auch schon Schüler des Moltke-Gymnasiums vom Dach des Gebäudes geholt worden. Die Polizei wird immer wieder gerufen, hat zum Teil Schüler nach Hause gebracht, um die Eltern über die Gefahren aufzuklären, berichtet Schütz.

Um das frühere Studentenwohnheim herum herrschte gestern Nachmittag ein reges Treiben. Eltern holten ihre Kinder vom nebenliegenden Kindergarten oder von der Gesamtschule ab, andere kamen von der Arbeit nach Hause. Das Hochhaus liegt mitten in einem belebten Gebiet, in dem Kinder natürlicher Bestandteil sind. Direkt neben dem Zugang zur Kita sind mehrere Zaunteile umgekippt oder eingerissen worden und liegen auf dem vermüllten Rasen. Dort bietet sich recht großzügig die Gelegenheit, auf das Gelände mit dem leerstehenden Hochhaus zu klettern. Keine Mauer, kein Zaun, kein Warnschild - nichts weist darauf hin, dass das Betreten des Geländes oder des Hauses gefährlich sein könnte.

Das ehemalige Studentenwohnheim: Ein Investor hat 2013 Pläne vorgestellt, dass er dort Eigentumswohnungen installieren will; sie wurden auf Eis gelegt. FOTO: Henning Rasche

Der Übergang zwischen verbotenem Privatgrundstück und öffentlichem Bürgersteig ist also lückenlos. Nach den beiden umgefallenen Zaunteilen ist das Gelände wieder von Bauzaun abgeriegelt, vor dem sich jede Menge Abfall befindet. In dem Haus sind fast alle Fenster eingeschlagen und kaputt, auf den Balkonen haben sich Tauben eine Heimat eingerichtet. Aus der Ferne sieht es so aus, als sei es ein Leichtes, nicht nur auf das Gelände, sondern tatsächlich auch in das Hochhaus selbst zu gelangen und darin herumzuklettern.

Die Stadt berichtete gestern auf Anfrage, der Zaun um das Gebäude werde wöchentlich durch den Fachbereich Bauaufsicht kontrolliert; umgekippte Zäune würden umgehend wieder aufgerichtet werden. Die Eigentümerin sei mehrfach schriftlich von der Stadt zur Sicherung des Areals aufgefordert worden, aktuell unter Ankündigung von Zwangsmaßnahmen bis hin zu einem Zwangsgeld.

Schulleiter Schütz setzt nun auf persönlichen Kontakt zu Oberbürgermeister Meyer. Meyer habe ihm in einem Gespräch vor der Wahl zum Oberbürgermeister signalisiert, dass er den Abriss des Gebäudes unterstützen werde. "Daher bitten wir Sie inständig, dass Sie in Ihrer Eigenschaft als Verwaltungschef daraufhin wirken, so dass sich die Bürger und wir nicht länger um die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen sorgen müssen", schrieb Schütz in seinem Brief an Meyer.

Quelle: RP
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