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Krefelder Zuchterfolg: Scheurebe wird 100

Krefeld: Krefelder Zuchterfolg: Scheurebe wird 100
Der gebürtige Krefelder Julius Georg Scheu züchtete die nach ihm benannte Rebe. Das Halbporträt malte posthum 1954 D. Haieck. FOTO: Museum Alzey
Krefeld. Der gebürtige Krefelder Julius Georg Scheu hat Weißweinsorten gekreuzt und so die nach ihm benannte Rebe gezüchtet.

Eine Weinrebe feiert "Geburtstag". Genau vor 100 Jahren hat der gebürtige Krefelder Julius Georg Scheu erstmals zwei Weißweinsorten gekreuzt und auf diese Weise die nach ihm benannte Scheurebe gezüchtet. Mit mehreren Veranstaltungen wird nun auf der Internationalen Weinmesse "Pro Wein" in Düsseldorf an den Zuchterfolg der Scheurebe vor 100 Jahren erinnert.

Die Rebe züchtete Julius Georg Scheu (1879 bis 1949) im Jahr 1916 aus dem Riesling und der Bukettraube. Neben der Scheurebe hat der Krefelder noch zahlreiche andere Reben neu gezüchtet unter anderem die Huxel- und Siegerrebe. Scheu gilt heute als einer der bedeutendsten Rebenzüchter. Er starb 1949 in Alzey, wo er lange gelebt hat. Die Stadt in Rheinland-Pfalz würdigte ihn mit einem Denkmal und verleiht jährlich die Georg-Scheu-Plakette als Weinkulturpreis.

In seiner Geburtsstadt Krefeld gibt es kaum Hinweise auf den Rebenzüchter: Auf der Geburtsurkunde, die im Stadtarchiv Krefeld aufbewahrt wird, sind sein Vater Jakob Scheu und die Mutter Johanne geborene Wesche verzeichnet. Der Sohn kam am 21. Juni 1879, vormittags um 11.30 Uhr, in der elterlichen Wohnung an der Gerberstraße 24 zur Welt. Der Vater übte den nicht weiter erläuterten Beruf des "Agenten" aus, die Mutter war Hausfrau. Weitere verwandtschaftliche Beziehungen in Krefeld sind nicht eindeutig: Ein Vermerk im Meldebuch verweist auf einen Georg Scheu. Dabei könnte es sich um den Vater von Jakob Scheu gehandelt haben. Auch der Zweitname "Georg" bei Julius Georg Scheu deutet darauf hin. Georg Scheu lebte schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Krefeld, geboren wurde er wohl 1810 in Koblenz. Von Bonn zog er nach Krefeld, wo er als Krawattenfabrikant an der Hochstraße wohnte. Jacob Scheu wurde selbst im September 1849 in Krefeld geboren. Im Stadtarchiv finden sich über ihn erst knapp drei Jahrzehnte später wieder Hinweise. Er zog im Juli 1877 von Leipzig nach Krefeld. Im folgenden Jahr heiratete der Katholik seine aus Braunschweig stammende evangelische Frau. Die Familie siedelte 1880 nach Wolfenbüttel über, in die Nähe von Braunschweig.

Andere Quellen berichten dann, dass Julius Georg Scheu nach seiner gärtnerischen Ausbildung in Hannover unter anderem in München als Gartenbautechniker arbeitete. Er ließ sich an der Lehr- und Forschungsanstalt in Geisenheim im Rheingau sowie am Kaiser-Wilhelm-Institut im preußischen Bromberg weiter ausbilden. Mit 30 Jahren kam er ins rheinhessische Alzey, wo er seit 1909 zuerst als Kreisberater für Wein- und Obstbau bei der Landwirtschaftskammer und später in der Region als Leiter einer neu gegründeten Rebschule tätig war. Dort begann Scheu in der Folgezeit auch mit diversen Kreuzungszüchtungen, beschäftigte sich mit Fragen zur Verbesserung des Weinbaus und publizierte seine Erkenntnisse.

Die nach Scheu benannte Rebe erlangte letztlich den größten Erfolg: Das Deutsche Weininstitut bezeichnet die Scheurebe als eine der erfolgreichen deutschen Neuzüchtungen, die heutzutage auf 1,4 Prozent der deutschen Weinanbaufläche zu finden ist. Von rund 1400 Hektar mit Scheureben befinden sich rund 740 Hektar in Rheinhessen, etwa 350 in der Pfalz und gut 105 an der Nahe.

Quelle: RP
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