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Krefeld
Krefelds "Mahut" Wolfgang Nehring ist tot

Krefeld: Krefelds "Mahut" Wolfgang Nehring ist tot
Immer wieder unternahm Nehring ausgedehnte Reisen in die Heimat "seiner Elefanten" wie in diesem Fall nach Myanmar. FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Es ist eine Geschichte mit Glanz und Schatten: Zoopfleger Wolfgang Nehring feierte in den 70er und 80er Jahren Erfolge als "Mahut", als Elefantenführer. Doch dann sperrte er sich gegen neuere Entwicklungen in der Haltung der Tiere. Von Jens Voss

Es gibt einen Film aus dem Jahr 1978, der aufs Schönste zeigt, warum dieser Mann einmal deutschlandweit bekannt war: Man sieht Wolfgang Nehring bei einer Aufführung mit den drei jungen Elefantenkühen Rhena, Mumptas Mahal und Yhetoo im Krefelder Zoo. Nehring drahtig, durchtrainiert; Fluppe lässig im Mundwinkel, Paul-Breitner-Mähne - und er bewegt sich so locker zwischen den Tieren, dass man vergaß, wie gefährlich das war. Elegant erklimmt er den Kopf eines Tiers und steht dann da, als sei es das Normalste der Welt. Wolfgang Nehring wurde als Elefantenflüsterer berühmt; jetzt ist er im Alter von 67 Jahren gestorben.

Die Bilder von ihm und seinen Tieren haben sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt. Elefanten auf dem Weg durch Krefeld; Elefanten-Baby Rhena im Restaurant Sonnenhof - aufgrund einer Wette mit dem Inhaber, ob das Tier durch die Tür passt. Zoobesucher dicht neben Elefanten; Yhetoo im Kinderheim Kastanienhof - einmal im Jahr durften die Kinder dort auf dem Elefanten reiten. Überhaupt Kinder: Wer Geburtstag hatte, durfte im Zoo einen Elefanten reiten. Passiert ist nie etwas, Krefeld hat auch unglaubliches Glück gehabt. Jedes Jahr wird weltweit ein Zoopfleger von einem Elefanten getötet, eine hohe Todesrate. Die Tiere, die so gemütlich aussehen, sind eben auch wild. Die glanzvolle Epoche der Dressuren im Zoo hatte auch Schattenseiten. Vor allem die Kettenhaltung, die im alten Jahrtausend durchaus dem Stand der Dinge entsprach, geriet mehr und mehr in Verruf. Spätestens seit 2007 wurde in Krefeld immer lauter Kritik daran geübt, auch deshalb, weil es Verhaltensauffälligkeiten bei den Elefanten gab: Hospitalismus zum Beispiel, der darauf zurückgeführt wurde, dass die drei Elefanten 15 Stunden des Tages angekettet blieben.

Der Tierpfleger aus dem Zoo pflegte einen engen Kontakt zu Tiertrainern, wie hier zum Zirkus Knie, und verteidigte die dortige Wildtier-Haltung. FOTO: Strücken Lothar

2010 dann kam die radikale Umstellung von "direktem" auf "geschützten Kontakt" - auch aufgrund von neuen Haltungsrichtlinien, die eine artgerechtere Haltung forderten. Geschützter Kontakt, das hieß: Keine Ketten, Bewegungsfreiheit der Tiere zwischen Innen- und Außenanlage; Beschäftigung nicht mehr über Drill und Dressur, sondern über Astwerk oder aufgehängte Leckerbissen - die Aktivität der Tiere beruhte nur noch auf Freiwilligkeit. Nehring hat diese Entwicklung abgelehnt, auch deshalb, weil das, was sein Lebensinhalt war, wegbrach: die direkte Arbeit mit den Tieren. Der Konflikt eskalierte, Nehring wurde die Pflege entzogen.

So war der Abschied vom Zoo 2012, als Nehring mit 63 Jahren in Altersteilzeit wechselte, aus seiner Sicht bitter. Was bleibt, sind die vielen erfüllten Momente der Nähe zwischen Mensch und Tier, die er ermöglicht hat. Dafür wird er wohl weiter geliebt werden.

P.S.: Wer den Film aus dem Jahr 1978 sehen will: Bei Google Wolfgang Nehring eingeben; an siebenter Stelle steht der Youtube-Film.

In den 1970er Jahren wurde Wolfgang Nehring mit seinen Elefanten-Vorführungen im Krefelder Zoo weltberühmt. Ende der 90er Jahre regte sich zunehmend auch Kritik an einer solchen Präsentation der Tiere. FOTO: RP-Archiv
Quelle: RP
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