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Krefeld
Nordbahnhof: Ein besonderes Stück Krefeld

Krefeld: Nordbahnhof: Ein besonderes Stück Krefeld
Der Nordbahnhof am Oranierring wurde 1870 errichtet; Am 20. Juni 1902 stieg hier sogar Kaiser Wilhelm II. mit Gattin Auguste und Gefolge aus. FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Vor 25 Jahren übernahm die Familie Furth das Gebäude und ließ es in Würdigung des historischen Schluffs als Eisenbahnwaggon gestalten. Das Jubiläum wird am Samstag, 13. August, unter anderem mit Pepe-Lienhard-Musikern gefeiert. Von Jochen Lenzen

Anderthalb Jahre lang lag das Wirtshaus Nordbahnhof am Oranierring, positiv formuliert, im Dornröschenschlaf. Auf gut Deutsch: Es war ziemlich heruntergewirtschaftet und musste zumindest renoviert werden. Viktor Furth und sein Zwillingsbrüder Ulli pachteten den Nordbahnhof von den Stadtwerken, ließen das historische Gebäude von 1870 kernsanieren und das Lokal vom Krefelder Künstler Claus-Peter Noever im Stil eines Eisenbahnwaggons ausgestalten. Das ist jetzt 25 Jahre her. Am 3. April 1991 wurde eröffnet. Seitdem hat sich das Haus zu einem der beliebtesten Treffpunkte der Stadt entwickelt: Zu behaupten, dass kein Krefelder das Wirtshaus betritt, ohne einen Bekannten zu treffen, ist keine Kühnheit.

"Die Idee, den Nordbahnhof zu übernehmen, geht darauf zurück, dass der Düsseldorfer Messenveranstalter Igedo damals mit dem Schluff Modeaufnahmen machte. Da dachten wir: Wenn die Igedo am Schluff interessiert ist, ist das ein Thema mit Zukunft", blickt Viktor Furth zurück. "Seitdem sind wir dem Schluff eng verbunden, der seit 1980 am Nordbahnhof wieder regelmäßig Station machte."

Der heute 58-Jährige hatte nach seinem Abitur 1977 im Traditionslokal Herbst Pitt angefangen, das sein Vater Willy zwei Jahre zuvor übernommen hatte. "Willi Pins war dort damals Geschäftsführer. Er hat mir beigebracht, gästeorientiert vor der Theke zu arbeiten und mir so die Freude an der Gastronomie vermittelt." Und so übernahm Viktor Furth als 21-Jähriger die Verantwortung für Herbst Pitt, das er dann bis zur Eröffnung des Nordbahnhofs führte.

Die Familie Furth auf dem Bahnsteig unter der historischen Konstruktion, die in Kempen ab- und am Nordbahnhof wieder aufgebaut wurde (v.l.): Ulli, Johannes, Anna, Steffi und Viktor Furth. RP-Fotos (2): Thomas Lammertz FOTO: Lammertz Thomas

Mit der Kernsanierung des Nordbahnhof-Gebäudes ging 1989/90 der Bau der Bierterrasse an den Bahngleisen einher. Die gusseiserne Konstruktion der heutigen Überdachung wurde damals in Kempen ab- und am neuen Bahnsteig des Nordbahnhofs wieder aufgebaut - unterstützt von den Krefelder Firmen Bayer, Thyssen und Rostek & Pesch.

Der gute Zuspruch der Gäste, die auch ihrerseits immer wieder Gäste mitbringen, um ihnen den Nordbahnhof zu zeigen, bestätigte die Entscheidungen der "Furth Gastronomie GmbH", die über die Jahre weiter investierte: 1995 kam der Blaue Waggon, sechs Jahre später wurde der Lokschuppen errichtet. "Wir haben massiv in die Infrastruktur, sprich: Küche, Kühlhäuser, Behindertentoilette und dergleichen investiert und uns immer wieder besondere Events einfallen lassen", sagt der Gastronom und nennt das über zwölf Jahre durchgeführte Dampftheater im Schluff und an dessen Stationen bis zum Hülser Berg. Die Gleisrevue im Blauen Waggon lief über fünf Jahre, und die Talkshow "Zug um Zug" ist seit Herbst-Pitt-Zeiten und bis heute fester Bestandteil des Nordbahnhof-Jahres. Dasselbe gilt für den Einschulungstag der i-Dötzchen. Dann arbeiten im Nordbahnhof mehr Kellner als Rosenmontag. Einige der damals Sechsjährigen haben dort sogar schon Hochzeit gefeiert.

"All das geht natürlich nur, wenn die Familie mitzieht", sagt Viktor Furth und nennt als "gute Seele" des Betriebs seine Frau Steffi, die aus einer Bäckerfamilie stammt, einen Geschäftshaushalt von Kindesbeinen an kennt und viel hinter den Kulissen arbeitet. Außerdem führt sie das Cateringgeschäft an der Marktstraße. Ulli Furth, der den Getränkegroßhandel in Tönisberg und den Saal des Goldenen Hirschen in Hüls führt, leitet den Nordbahnhof bei Abwesenheit seines Bruders.

"Der schönste Umstand hinsichtlich des Familienengagements ist die Entscheidung unserer beiden Kinder, den Nordbahnhof eines Tages zu übernehmen", freut sich Viktor Furth. Johannes (29) hat BWL studiert, seinen Master in "Italian Cuisine" gemacht und arbeitet seit zwei Jahren vorwiegend in Küche und Catering. Tochter Anne (27) hat den Bachelor in Lebensmittel-Technologie und ist seit einem halben Jahr für das Personal und künftige Wachstumsfelder zuständig.

Quelle: RP
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