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Krefeld
Outokumpu: Was bringt der neue Chef?

Krefeld: Outokumpu: Was bringt der neue Chef?
Roeland Baan wird zum 1. Januar 2016 die Verantwortung für den Kurs der Outokumpu Aktiengesellschaft übernehmen. FOTO: Outokumpu
Krefeld. Gestern tagten Arbeitnehmervertreter und Gewerkschafter: Auf der Tagesordnung stand auch der Wechsel an der Konzernspitze des finnischen Stahlproduzenten. Roeland Baan übernimmt 2016 die Geschäfte. Von Norbert Stirken

Die Belegschaft von Outokumpu in Krefeld und der Region hat aufregende Jahre hinter sich. Der Umbau des Stahlkonzerns hat Arbeitsplätze gekostet - speziell in Krefeld und Bochum. In Krefeld wurde die so genannte Flüssigphase geschlossen in Bochum sogar das ganze Werk. Die Hoffnung in der Seidenstadt ruht auf dem Nifo-Projekt. Dafür hat Outokumpu 108 Millionen Euro für Investitionen bewilligt und verbindlich in einem Tarifvertrag festgeschrieben. Für diesen Umbau steht ein Name: Mika Seitovirta. Der Vorstandsvorsitzende aus der finnischen Konzernzentrale musste jetzt für viele überraschend seinen Stuhl räumen (wir berichteten). Der Aufsichtsrat von Outokumpu hat Roeland Baan mit Wirkung 1. Januar 2016 als seinen Nachfolger als President und CEO (Chief Executive Officer) bestellt und ihn zum Vorsitzenden des Management-Teams gemacht.

In Krefeld trafen sich gestern Vertreter der Arbeitnehmerschaft und der Gewerkschaft zu Gesprächen. Auf der Tagesordnung stand natürlich die Personalie an der Konzernspitze; auch wenn die Sitzung schon lange vor der aktuellen Entwicklung terminiert war. Ralf Claessen von der IG Metall beurteilte den Wechsel in der Führung von Outokumpu gestern nüchtern. Im Moment gebe es deswegen keinen Anlass zum Pessimismus, man müsse abwarten. Claessen setzt dabei auf Recht, Gesetz und Verträge und kühle Logik in wirtschaftlichen Dingen. Der Tarifvertrag gilt bis ins Jahr 2020.

Mika Seitovirta hat am vergangenen Montag seinen Stuhl in der Vorstandsetage des finnischen Stahlkonzerns geräumt. FOTO: Thomas lammertz

In Krefeld ist bereits viel Energie und Geld in die Nirosta-Ferrit-Optimierung geflossen. Die Belegschaft aus Düsseldorf-Benrath soll im kommenden Jahr nach Krefeld umsiedeln. "Die Effekte vieler vollzogener Schritte greifen erst in den kommenden Jahren", meint Claessen. Erst dann ließen sich die eingeleiteten Strukturänderungen abschließend beurteilen.

Eine Stellungnahme der Krefelder Firmenleitung zu Seitovirtas Abschied und dem neuen Mann, der in wenigen Wochen die Leitung übernehmen soll, gab es gestern nicht. Noch vermag offenbar niemand die Auswirkungen der Personalie verlässlich einzuschätzen. "Wir befinden uns in der Schweigephase (silent period) vor der Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das dritte Quartal am 5. November", erklärt Sven van Zoest, Sprecher Outokumpu Deutschland, auf Anfrage unserer Redaktion die zurückhaltung. Dafür äußert sich der neue Konzernchef: "Ich freue mich sehr auf meinen Wechsel zu Outokumpu", sagte Roeland Baan. "Edelstahl ist ein überaus vielseitiger Werkstoff und Outokumpu verfügt über alle Bausteine, die Branche mit erstklassigen Einrichtungen und hochqualifizierten, engagierten Mitarbeitern anzuführen. Nach einem gründlichen Einblick in die Strategie beabsichtige ich, das Unternehmen durch erstklassige Kundenorientierung, branchenführende operative Effizienz und einwandfreie Qualität an die Industriespitze zu führen. Ich freue mich auf die Herausforderungen und fühle mich geehrt, in dieses Amt berufen worden zu sein, betraut mit dem Auftrag, ein Unternehmen zu führen mit solch' starker, bedeutungsvoller Geschichte." "Krefeld ist in der Lage, allen Anforderungen zu entsprechen. Das Werk ist dafür bekannt, höchsten Qualitätsansprüchen zu genügen", erklärte Ralf Köpke, Vorsitzender des DGB in Krefeld, gestern auf Anfrage unserer Redaktion.

Wie Outokumpu offiziell mitteilt, sei Roeland Baan derzeit Executive Vice President und CEO von Aleris in Europa und Asien. Aleris ist ein weltweit führendes Unternehmen für gewalzte Aluminiumprodukte. Bevor er zu Aleris kam, bekleidete Baan das Amt des Executive Vice President und CEO von Mittal Steel Europe und hielt anschließend die Position des Executive Vice President und Mitglied des Management Beirats der zusammengeführten Arcelor Mittal Group. Zuvor war er in globalen Führungspositionen für Shell International und SHV tätig.

Jorma Ollila, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Outokumpu, sagte: "Outokumpu hat sich in den letzten Jahren einem bedeutenden Wandel unterzogen, begegnet aber weiterhin erheblichen Herausforderungen. Der Outokumpu Aufsichtsrat ist überzeugt, dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist, neue Erfahrungen und Stärken in das Unternehmen einzubringen, um die operative Wettbewerbsfähigkeit auf Weltklasseniveau zu führen. Roeland Baan verfügt über umfangreiche Kenntnisse der Prozessindustrie, vor allem aus dem Metallsektor, und über einen fundierten kaufmännischen Hintergrund aus großen, internationalen Unternehmen. Seine Erfolgsbilanz in der Steuerung von Turnarounds geben dem Aufsichtsrat Vertrauen in Baans Fähigkeit, den Turnaround von Outokumpu zu beschleunigen und das Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen."

Mika Seitovirta habe seine Ämter als President und CEO von Outokumpu sowie seinen Vorsitz des Management-Teams am Montag niedergelegt, teilt der Konzern mit, dessen Aktienkurs deutlich gesunken ist. Reinhard Florey, Chief Financial Officer und stellvertretender CEO von Outokumpu, wird die Geschäfte als Interims-CEO bis zum Amtsantritt von Roeland Baan am 1. Januar 2016 übergangsweise führen.

Quelle: RP
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