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Krefeld
Pläne für das Event-Zentrum Kesselhaus

Krefeld: Pläne für das Event-Zentrum Kesselhaus
Die Übersicht zeigt, wie das historische Kesselhaus samt Anbau genutzt werden soll. Eigentümer Wolf Reinhard Leendertz (Kreis) stellte gestern die Pläne und Kalkulationen des 31,4-Millionen-Euro-Projekts vor. FOTO: TL
Krefeld. Rieseninteresse an der Präsentation des Siegerentwurfs für den Umbau des Kesselhauses in eine Veranstaltungsstätte: Mehr als 300 Gäste besuchten gestern Abend den Mies-van-der-Rohe-Business-Park, um sich von Eigentümer Wolf-Reinhard Leendertz dessen Projekt vorstellen zu lassen. Die Moderation übernahmen Joachim Nießen (RP) und Michael Passon (WZ). Von Norbert Stirken

Die Diskussion über die möglichen Alternativen für das in die Jahre gekommene Seidenweberhaus hat in den vergangenen Wochen an Fahrt aufgenommen. Nachdem Gerald Wagener seine Vorstellungen vom Bau eines Hotels samt Kongresszentrum auf dem Theaterplatz präsentiert hatte, stellte Wolf Reinhard Leendertz gestern Abend vor mehr als 200 interessierten Gästen seine Alternative für eine Krefelder Veranstaltungsstätte vor.

Im Zentrum aller Überlegungen steht eine Nutzung des denkmalwerten Kesselhauses im Mies-van-der-Rohe-Business-Park an der Girmesgath. Sieben Architekten haben ihre Pläne abgeliefert. Eine Jury hat sich für den Entwurf des Esseners Heinrich Böll entschieden. Der Stararchitekt hat große Erfahrung im Umbau historischer Gemäuer. Der Zeche Zollverein, dem Dortmunder U und auch der Samtweberei in der Seidenstadt hat er seinen planerischen Stempel aufgedrückt.

Im Zentrum seiner Überlegungen steht ein großer Anbau, der sich an das bestehende Kesselhaus anschmiegt. Damit gelingt es dem Fachmann, eine Multifunktionalität herzustellen, die es erlaubt, sieben verschiedene Ebenen parallel zu betreiben. Alle haben einen eigenen Eingang, sind an die Infrastruktur angeschlossen und für unterschiedliche Anlässe prädestiniert. Im Neubau sind der "Dome" (1000 Quadratmeter groß) und der "Cube" (250 Quadratmeter) untergebracht. Das alte Kesselhaus beherbergt im Untergeschoss den "Underground" (600 Quadratmeter) und im Erdgeschoss das "Kesselhaus" (850 Quadratmeter). Zwischen Alt- und Neubau befindet sich ein "VIP-Loft" (180 Quadratmeter), das wahlweise dem Dome oder dem Kesselhaus gleichsam zugeschaltet werden kann. Im "Kraftwerk" mit altem Kranwerk und historischem Schaltkasten entsteht auf 350 Quadratmeter Raum zum Beispiel für Hochzeiten und politische Veranstaltungen. Hinzu kommt ein Außengelände "Campus" mit rund 40.000 Quadratmetern.

31,4 Millionen Euro sollen der Neubau und die Herrichtung des historischen Gebäudes kosten. In der nur grob kalkulierten Summe seien Grundstück und Kesselhaus mit einem Wert von vier Millionen Euro berücksichtigt. Interessanter ist die Frage, ob sich das Event-Zentrum wirtschaftlich betreiben lässt. Immerhin soll sich die Stadt mit Steuergeldern beteiligen und das Kesselhaus nutzen. "Ich gehe davon aus, dass die Seidenweberhaus GmbH sich als Betreibergesellschaft um Vermarktung und Betrieb kümmern würde", sagte Leendertz. Dafür soll die Stadt jährlich 1,67 Millionen Euro für eine Dauer von 20 bis 25 Jahren an ihn zahlen. Der Betrag reduziert sich, falls sich etwa der Landschaftsverband Rheinland (LVR) oder der Bund mit regelmäßigen oder einmaligen Zahlungen beteiligen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks habe entsprechende Signale gegeben. Ferner bliebe auch ein aus dem Tagesgeschäft erwirtschafteter Überschuss bei der Kommune.

Leendertz stellte gestern seine Hochrechnungen dem Publikum vor: Der Unternehmer kalkuliert für den Anfang mit 253 Veranstaltungen im Jahr, die 150.000 Zuschauer anlocken sollen. Die Einnahmen aus Mieten an die Veranstalter sind in Höhe von 650.000 Euro angesetzt, der Gastronomieumsatz mit 1,7 Millionen Euro.

Auf der Ausgabenseite stehen 540.000 Euro Personalkosten, 290.000 Euro für Betriebsführung und 420.000 Euro für technische Betriebskosten. Hinzu kommen 974.000 Euro Ausgaben in Abhängigkeit von den Events. Hintergrund: Die Ausstattungen für Bühne, Licht und Ton müssen hinzugebucht werden. "Es gibt nur eine Basisausstattung", sagte Leendertz. Unterm Strich bleibt nach seiner Kalkulation ein Plus von 270.000 Euro, das im Laufe der Zeit beispielsweise bis 2024 auf 729.000 Euro anwachsen soll.

Die eigentliche Überraschung lieferte der Krefelder Geschäftsmann quasi in einem Nebensatz. Leendertz kündigte an, auf einem privaten Grundstück neben dem Stadthaus, das er erwerben wolle, als Investor ein Parkhaus bauen zu wollen. Damit wäre dem Parkdruck an seinem Event-Zentrum ebenso zu begegnen wie der bei den Beschäftigten der Stadtverwaltung und den Besuchern und Nutzern der benachbarten Eissporthallen. Ferner sei der Großparkplatz der Stadtverwaltung modular als "Paletten-Parkhaus" erweiterbar. Eine mit Gittersteinen versehene Rasenfläche biete weitere Optionen, erklärte er. Die Zahl der Parkplätze lasse sich auf diese Weise auf 1500 erhöhen. "Damit wäre dieses Problem auch zum Nutzen der Stadt gelöst."

Quelle: RP
 
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