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Krefeld
Prozess-Auftakt: Mord auf der Autobahn

Prozess-Auftakt in Krefeld: Mord auf der Autobahn
FOTO: samla.de
Krefeld. Im März tötete ein Mann aus Krefeld seine Ehefrau mit mehr als 23 Hammerschlägen auf den Kopf. Seit gestern befasst sich das Krefelder Landgericht mit dem Fall. Von Birgit Lameyer

Der 56-Jährige soll zur Tatzeit nicht schuldfähig gewesen sein. Der Berufskraftfahrer soll unter Wahnvorstellungen gelitten haben. Vor Gericht schilderte der Mann, der auf den ersten Blick unauffällig wirkt, was ihn zu der Tat trieb. Die Frau sei immer wieder fremdgegangen, habe ihn verlassen wollen und außerdem einer Sekte angehört. Das wurde von keinem der Zeugen bestätigt.

Der 56-Jährige redete schnell und aufgeregt, auch von schwarzer Magie und einem Doppelleben seiner Frau sprach er. Das Fremdgehen der Ehefrau habe er sich durch eine Wahrsagerin bestätigen lassen, sagte er. Es schien, als halte er seine Schilderungen selber für plausibel.

Sie sei seine große Liebe gewesen, sagte der Beschuldigte. Über 35 Jahre war das Paar verheiratet, kennengelernt hatte er die Frau in Russland. Später habe man in Kasachstan gelebt, sei aber in den 90er Jahren nach Deutschland gezogen. Irgendwann habe die Frau ihm gesagt, dass sie ihn nicht aus Liebe geheiratet habe. Im März wollte sie ihn endgültig verlassen. Das habe er nicht zulassen können. Er ging in den Keller, sägte den Stiel eines Hammers ab, umwickelte den Hammerkopf mit Klebeband und legte das Werkzeug in sein Auto. Sie kochte währenddessen das Essen. Er habe sie mit dem Hammer töten wollen, gab er an. Allerdings sei er noch nicht ganz sicher gewesen, dass er es tatsächlich machen wird.

An dem Sonntag stattete das Ehepaar der gemeinsamen Tochter und der Cousine des Mannes "Abschiedsbesuche” ab. Auf dem Rückweg von Viersen habe er dann während der Fahrt auf der A 44 zugeschlagen. Dann fuhr er auf den Standstreifen und schlug wiederholt auf den Kopf der Frau ein, bis sie starb. Danach stellte er das Auto in die Tiefgarage und versuchte, sich das Leben zu nehmen. Drei Versuche seien misslungen, sagte der Beschuldigte. Dann rief er seinen Arbeitgeber an und sagte, er kündige. Es werde Blut fließen, fügte er hinzu.

Der Arbeitgeber rief die Polizei. Vor Gericht beschrieb er den 56-Jährigen als zuverlässigen Mann, der etwas von seinem Fach verstehe. Auf Nachfrage des Richters gab er an, der Beschuldigte habe sich bei ihm nach Lügendetektoren erkundigt und davon gesprochen, dass seine Frau ihn betrüge. Ungewöhnlich sei auch, dass er seine Ehefrau bei der Nachtschicht im Lkw mitnahm. Das habe er gemacht, damit sie sich nicht mit anderen Männern treffen könne, sagte der Beschuldigte. Eine Arbeitskollegin berichtete, dass die Frau immer von ihm gebracht und abgeholt wurde. Sie habe darüber gesprochen, dass er sehr eifersüchtig sei und ihr das Handy abnehme.

Auch der Hausmeister einer Schule und frühere Arbeitskollege des Opfers sagte aus. Der Mann habe ihm vorgeworfen, ein Verhältnis mit seiner Frau zu haben. Als er ihm mit Anzeige drohte, hätten die Vorwürfe aufgehört. Der Richter verlas den Abschiedsbrief des Krefelders. "Ich hätte ohne sie nicht leben können, weil ich sie sehr geliebt habe”, war seine Erklärung für die Tat. Zum Selbstmordversuch sagte er: "Ich habe keinen Weg gesehen, ohne sie weiterzuleben.” Außerdem habe er nicht ins Gefängnis gewollt. Verstehen könne er allerdings nicht, dass er nun in einer Klinik ist und Medikamente nehmen muss.

Das Verfahren wird im kommenden Monat fortgesetzt. im weiteren Verfahren soll auch ein Sachverständiger zur strafrechtlichen Verantwortlichkeit des Krefelders aussagen.

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