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Krefeld
Schüler berichten: So wurden wir aufgeklärt

Krefeld. Das Thema Sexualkunde wird in Krefelder Schulen zu häufig vermieden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft wundern sich über Aussagen von Kollegen wie: "So ein Schweinekram hat hier nichts zu suchen."

Es gibt aber auch die Sorge einiger Pädagogen vor der Reaktion ausländisch-stämmiger Eltern, die nicht wollen, dass ihre Kinder mit dem vermeintlich heiklen Thema konfrontiert werden. Die RP fragte bei Schülern nach. Wie haben sie den Sexualkundeunterricht erlebt?

Delia, 16, Gymnasium: "In der 5. Klasse hat unser Biologielehrer versucht uns aufzuklären. Das war jedoch wenig erfolgreich. Er hat mit uns über Sex und Schwangerschaft gesprochen. Wir haben uns Filme dazu angeschaut, Bilder gesehen und die Fachbegriffe gelernt. Für uns war das damals eher lustig. Die ganze Klasse hat gekichert und den Unterricht nicht ernstgenommen. Wahrscheinlich waren wir einfach zu jung. Über Verhütung und Geschlechtskrankheiten wurde damals kaum ein Wort verloren. Schade eigentlich, da diese Themen besonders wichtig sind. Bis heute wissen bei uns noch nicht alle über AIDS Bescheid und wie man sich davor schützt. Und wir sind jetzt schon in der 10. Klasse."

Luca, 12, Gesamtschule: "In der Grundschule war unsere Lehrerin immer krank, wenn wir im Sachunterricht über Sexualität sprechen sollten. Einmal nur war sie da. Und da hat sie schnell einen Zeichentrickfilm eingelegt, über den wir aber auch nicht wirklich gesprochen haben. Ich erinnere mich noch, dass es darum ging, wie Babys entstehen. Das war für uns alle sehr merkwürdig und eher lustig. Ich hatte den Eindruck, die Lehrerin fand das Thema auch peinlich und war froh, als wir wieder über was anderes reden konnten."

Vanessa, 16, Gymnasium: "Den ersten Kontakt mit dem Thema Aufklärung hatte ich in der vierten Klasse. Dort haben wir die einzelnen Schritte der Schwangerschaft erklärt bekommen. Auf der weiterführenden Schule hatten wir in der Sechsten für etwa eine Woche Sexualunterricht. Damals hat die Klasse noch über einzelne Begriffe gelacht. Wir bekamen Arbeitsblätter, in denen wir die Geschlechtsorgane beschriften sollten und die Stationen des Fötus gezeigt bekommen haben. An einem Tag in der siebten Klasse wurden Mädchen und Jungs getrennt, und wir durften Fragen zum Thema Sexualität stellen. Das machte aber kaum einer. Der eigentliche Sexualkundeunterricht, den es in der neunten Klasse geben sollte, fiel dann aus. Aufgeklärt hab ich mich nicht gefühlt, so dass ich selber im Internet recherchiert habe und auch mit Freunden immer mal wieder darüber rede. Da geht es mir nicht allein so. Viele in unserer Stufe wissen immer noch sehr wenig über das Thema."

Ben, 14 Jahre, Gymnasium: "Vor ein oder zwei Jahren haben wir uns in Biologie zwei Doppelstunden lang mit dem Thema Sexualität beschäftigt. Es können auch drei Stunden gewesen sein. Jedenfalls war es nicht wirklich viel. Es ging um Verhütungsmittel, Geschlechtskrankheiten und HIV. Lustig war es auf jeden Fall. Aber auch nicht mehr. Ernsthaft beschäftigt hat uns das Thema nicht. Deswegen hat es eigentlich wenig gebracht. Ich finde es trotzdem besser, wenn ein Lehrer die Aufklärung übernimmt und kein Fremder. Zu einem Lehrer hat man eher ein Vertrauensverhältnis."

Lynn, 16, Gymnasium: "In der neunten Klasse wurde das Thema Sexualkunde bei uns ausführlicher behandelt. Zuerst im Biologieunterricht und dann auch noch durch Mitarbeiter von Donum Vitae. Man merkte, dass die Schüler nun ernsthaft interessiert waren. Das peinliche Gefühl aus der fünften Klasse war verschwunden. Die Lehrer bemühten sich, das Thema neutral anzugehen. Den Vormittag mit Donum Vitae fand ich jedoch deutlich hilfreicher. Die Trennung von Mädchen und Jungen hat die Sache auch angenehmer gemacht. Besonders interessant war die Fragerunde, bei der jeder seine Fragen rund um das Thema Sexualität stellen konnte. Nach dieser Veranstaltung habe ich mich aufgeklärt gefühlt."

Jannik, 10, Gesamtschule: "In der dritten Klasse hatten wir das Thema im Sachunterricht. Es war aber nicht unsere Lehrerin, die mit uns darüber gesprochen hat, sondern ein Mann von außerhalb. Er hat einen Holz-Penis mitgebracht, und wir sollten ein Kondom darüber ziehen. Ich habe mich das aber nicht getraut, da alle gelacht haben. Das Ganze war mir sehr unangenehm, und ich wusste auch nicht, was das Thema mit mir zu tun hat. Ich fühlte mich zu jung dafür."

Dilara, 13 Jahre, Gesamtschule: "Ich habe mich bei dem Aufklärungsunterricht sehr zurückgehalten und war auch an ein paar Tagen krank. Das war mir alles zuviel. Ich wollte das überhaupt nicht so genau wissen. Meine Eltern haben den Sinn dieses Unterrichts auch nicht verstanden und meinten, dafür wären wir noch viel zu jung. Die anderen in der Klasse fanden es lustig."

Fiona, 12 Jahre, Gesamtschule: "Bei uns wird Sexualkunde gerade durchgenommen. Ich bin mal gespannt, was kommt. Bisher haben wir nur Regeln aufgestellt, zum Beispiel, dass keiner ausgelacht wird und dass keine blöden Bemerkungen gemacht werden. In der Grundschule hat eine Frau von einer Organisation, ich weiß nicht mehr welche, an die Mädchen Binden und Tampons verteilt und uns die Periode erklärt. Über die Tampons und so hat sich meine Mutter gefreut."

(bk)
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