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Krefeld
Seide schreibt Kirchengeschichte

Krefeld: Seide schreibt Kirchengeschichte
Kanzelbehänge aus Kaiserswerth in den Farben des Kirchenjahres: Rot, Grün, Weiß und Violett. FOTO: T. lammertz
Krefeld. Das Haus der Seidenkultur zeigt ab Sonntag Paramente der evangelischen Kirche. Ein Beitrag zur Ökumene. Von Petra Diederichs

Das wäre ein Kirchenskandal gewesen und hätte Katholiken und Protestanten gleichermaßen auf die Barrikaden gebracht: Priestergewänder der evangelischen Kirche in der Paramentenweberei Hubert Gotzes! Von 1908 bis 1992, als im Websaal des heutigen Museums Haus der Seidenkultur (HdS) noch sakrale Textilien gefertigt wurden, war das eine rein katholische Sache. "Ausnahmen für die evangelische Kirche mussten streng geheim bleiben", erzählt Dieter Brenner. Gemeinsam mit Christel Naber und dem HdS-Team hat er jene Ausnahmen zum Thema gemacht. Im Lutherjahr zeigt das Museum ab Sonntag, 3. Dezember, die Ausstellung "Antependien: Paramentik der evangelischen Kirche".

Anders als in der katholischen Kirche, wo Priestergewänder, Kaseln und Stolen schon immer aufwändige und kostbare Handarbeit waren, ist die Textilgeschichte der evangelischen Kirche schlichter. Die schwarzen Talare aus der Luther-Zeit bestimmen bis in die heutige Zeit die Gewandordnung. "Doch weiße Alben und bunte Stolen setzen sich immer mehr durch", sagt Christel Naber. Das Schwarz sollte einst die Priester als Lehrende von der Menge abheben, sie aber gleichzeitig als Person zurücknehmen, damit die Lehre im Vordergrund stehe. "Heute wird die evangelische Kirche immer bunter. Im Vordergrund stehen Farben, die zeigen, dass man mit der Gemeinde gemeinsam Festliches feiern will. Das ist optische Ökumene", sagt Naber.

Die Ausstellung zeigt diese Entwicklung: Priestergewänder - auch für Frauen - die auf den Beffchen farbige Fische aufgestickt haben, Stolen in den Farben des Kirchenjahres - Rot, Grün, Weiß, Violett - und mit detailfreudigen Stickereien und natürlich Altar- und Kanzelvorhänge, sogenannte Antependien (= Vorhängendes).

Die Kuratoren der Ausstellung, Christel Naber und Dieter Brenner, mit Priestergewändern und farbigen Stolen. FOTO: Lammertz Thomas

Die meisten Exponate stammen aus dem künstlerischen Nachlass Kurt Wolffs (1916-2003). Der Grafikdesigner hat die 1928 gegründete "Werkstatt für Textile Objekte und Paramentik" in Kaiserswerth gegründet, die für die evangelische Kirche die wichtigste Adresse für sakrale Textilien war. Heute ist sie Teil der Fliedner-Kulturstiftung, wo die letzten Gebildehandstickerinnen noch wirken. Brenner: "Die prominenteste Schülerin dieses Ateliers war Florence Nightingale, die in der Krankenpflege berühmt wurde."

Die Schau zeigt, wie sich die Motive entwickeln, wie heute die klassischen religiösen Symbole Kreuz, Fisch und Brot immer weniger gegenständlich wirken, wie sich abstrakte Farbexplosionen Raum brechen und die Symbolik auch stärker die Gemeinde mit einbezieht. Ein Kanzelbehang zeigt auf grüner Seide die runde Form, der Architektur der auftraggebenden Kirche nachempfunden. In der Mitte sind Stoffstücke mosaikartig eingesetzt. Sie stehen für die Gemeinde. Die Menschen waren gebeten worden, Stoffstücke mitzubringen, mit denen sie wichtige persönliche Erlebnisse verbinden: Taufkleider, Kleider des ersten Rendezvous. . . .. Das Kreuz als Symbol ist erst bei genauem Hinsehen erkennbar. Und es gibt auch eine humorvolle Annäherung: Pfarrer Manfred Günther hat Scherzmodelle für Beffchen entworfen: das zerfranste für "Priester mit Kampfhund" oder das mit aufgemalten Tröpfchen, das signalisiert: Achtung: Priester mit feuchter Aussprache.

Wie Feuer glüht die Stickerei bei diesem Exponat aus Kaiserswerth. FOTO: ped

Zur Eröffnung Sonntag ab 11 Uhr gibt es Orgelklang per CD von Regionaldekan Andreas Cavelius.

Quelle: RP
 
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