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Krefeld
Spirit Familiy Reunion mit entwaffnendem Rohschliff

Krefeld. Die Musik des Main-Acts in der Kulturrampe wurde mit einem guten Schuss punkiger Rotzigkeit vorgetragen. Von Mojo Mendiola

Minimalistisch und zugleich skurril begann der Abend am Mittwoch in der Rampe, denn statt der krankheitsbedingt ausgefallenen Gruppe "Twain" trat ein Trio namens "Slime Grimer" an. Der erste Song fiel ganz in einer für John Prine typischen Textrhythmik aus, der zweite erinnerte auf ebensolche Weise an den jungen Bob Dylan, der Sound von Bass, Schlagzeug und Gitarre war weitgehend von Velvet Underground adaptiert, und diese erstaunliche Mischung funktionierte auch noch. Instrumental-Soli gab es keine, das melodiöseste Instrument war mitunter der Bass, und nur der jeweilige Song, also Gesang und Text, zählte. Man konnte sich um Jahrzehnte zurückversetzt fühlen und war keineswegs unglücklich mitzuerleben, wie zumindest ein bestimmtes Rad gerade noch mal neu erfunden wurde.

Als "open-door gospel music" bezeichnen die Fünf von "Spirit Family Reunion", der Haupt-Band des Abends, ihre Musik, aber "Piney Mountain Punk" hätte besser gepasst, denn Bluegrass und Appalachian Old Time Music bildeten die Hauptquellen der Musik, die aber mit einem guten Schuss punkiger Rotzigkeit vorgetragen wurde. Schlagzeug und Waschbrett gleichzeitig waren schon ungewöhnlich, dazu Gitarre, ein Banjo und ein Kontrabass. "To All My Friends And Realtives" hieß programmatisch der erste Song und eröffnete ein rhythmisch abwechslungsreiches Programm. Der angestrengt klingende Gesang - nicht untypisch für das Genre - wurde nicht nur in den flotten Rhythmen amerikanischer Landmusik untermalt. Die Begleitung wäre einmal fast ein Twist geworden, an anderer Stelle hübsch geshuffelt, und auch ein Walzer kam vor, und zwar derart ungehobelt, dass sich die Vermutung aufdrängte, nicht nur schottisch-irische, sondern auch alpine Einwanderer-Folklore muss es bis in die Appalachen geschafft haben.

Und schließlich kamen auch Melodien zu Gehör, die man so ähnlich von einstigen Größen wie Derroll Adams oder der Carter Family im Ohr hatte. "John Henry Was A Steel Driving Man" war dabei, "I Wish I Was A Rock", auch "Will The Circle Be Unbroken" blitzte auf - alle allerdings leicht abgewandelt und mit neuen, eigenen Texten versehen. "Gradual Power" war dann wieder einer der eigenständigeren Songs. Der Reiz des Sets lag nicht in virtuoser Instrumentalbeherrschung, sondern im entwaffnend frischen Rohschliff, mit dem die Band zu Werke ging, und diese Haltung erinnerte wiederum an Arlo Guthrie, als er noch von "Alice's Restaurant" sang. Ohne Zugabe durfte "Reunion" nicht von der Bühne.

Quelle: RP
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