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Krefeld
Theaterball serviert Hollywood à la carte

Krefeld: Theaterball serviert Hollywood à la carte
Freude pur beim gemeinsamen Formationstanz unter der Regie von Udo Kostorz im Großen Saal des Stadttheaters. FOTO: Mark Mocnik
Krefeld. Im Theater und der angrenzenden Mediothek feierten am Samstagabend hunderte begeisterte Besucher einen glanzvollen Theaterball bis in den Sonntagmorgen. Das Motto: Hollywood-Boulevard". Von Esther Mai

Lange, elegante Abendkleider, tolle Frisuren, perfektes Make-up - viele der weiblichen Besucher des Krefelder Theaterballs haben sich für den Samstagabend viel Mühe gegeben, dem glamourösen Motto "Hollywood Boulevard" gerecht zu werden. Aber auch die Männer haben sich schick gemacht, Anzug, Smoking oder gar gleich eine Verkleidung, die eine berühmte Persönlichkeit darstellen sollte - überall erblicken die Besucher interessante und schöne Menschen.

Wie von Zauberhand schwingen die Türen des Theaters auf. Die Security hat den Job der Pagen übernommen, keiner soll die schweren Schwingtüren selbst öffnen müssen. Blumen, Kerzen, Glitzer, Fotos, Plakate und amerikanische Straßenschilder - das Foyer des Theaters hat sich in den amerikanischen Traum verwandelt. Ein Gläschen Sekt zur Begrüßung und schon wird man sanft vom Menschenstrom in Richtung Großer Saal geleitet. Fehlen eigentlich nur der rote Teppich und das Blitzlichtgewitter - und Krefeld wäre Los Angeles gleich noch ein bisschen näher.

Feierfreudiges Publikum zwischen Charlie Chaplin und Marilyn Monroe (im Hintergrund) in der Mediothek. FOTO: Mark Mocnik

Frauen verteilen Wangenküsschen an Freunde, die Männer prosten sich zu. Noch sind es ein paar Minuten, bis zur großen Eröffnung des Abends. Der Gong erklingt und die Menschen strömen in den großen Saal. Ein großer Hollywood-Schriftzug auf der Bühne, die Sterne des Walk of Fame an den Wänden, ein Sternenhimmel an der Decke und davor die Niederrheinischen Symphoniker.

Die Hymne der 20th Century Fox erklingt, die erste Gänsehaut des Abends ist bei einigen Theaterbesuchern schon auf den Armen zu sehen. Ja, das ist Hollywood, so wie wir es von unserem Sofa aus kennen. Wunderkerzen ersetzen die große Pyro-Show. Die ersten Zuschauer wischen sich die Lachtränen aus den Augen, als Generalintendant Michael Grosse eine unterhaltsame Rede hält. Lange darf er nicht bleiben, die Musiker und Sänger wollen endlich raus auf die Bühne und die Gäste mit Melodien aus bekannten Musicals und Filmen wie "Sound of Music" oder "Oklahoma" verwöhnen. Gleichzeitig erfahren die Zuschauer auch witzige Kleinigkeiten über die Krefelder Theater- Sänger, so zum Beispiel, dass Oklahoma die Geburtsstadt von Debra Hays und Andrew Nolen ist.

Drei Grazien posieren in eleganten Abendkleidern vor großem Oscar-Plakat. FOTO: Mark Mocnik

"Alles Walzer!"- Auf den Startschuss von Michael Grosse haben viele schon gewartet. Die ersten Zuschauer stehen auf - drängen Richtung Bühne. Doch die Tänzer müssen sich noch ein wenig gedulden -Techniker stecken Stangen in den Bühnenrand, damit keiner bei schwungvollen Drehungen von der Bühne abstürzt. Das Publikum hat Geduld und begrüßt die Techniker, die für Sicherheit sorgen, mit einem donnernden Applaus. Schließlich dürfen sich die Tänzer austoben - so fern es der Platz zulässt. "Versuchen Sie es neben dem Orchester" lautet der Geheimtipp.

In der Schlange vor dem Buffet geht das Rätselraten los: Was wird es wohl geben? Burger, blutige Steaks, Pommes? Schließlich liegt Hähnchen-Curry mit Reis oder Roastbeef mit einer Backkartoffel auf den Tellern, garniert mit Ceasar's-Salad. Und zum Nachtisch gibt es New York Cheesecake, der sich gut getarnt hat. Das große Gala-Essen ist für viele Besucher leider kein Höhepunkt. Langweilig, sagen die einen, nicht lecker und schon gar nicht passend für eine Gala, meinen die anderen.

"Brix und Broadway" hieß die Show, die die Sängerin mit ihrem Kollegen James Park beim Jazz zusammenbrachte. Am Bass: Holger Sassmannshaus. FOTO: Mark Mocnik

Nebenan in der Mediothek hat eine junge Frau derweil schon ganz rote Wangen vom Tanzen. Winzige Schweißperlen laufen ihr über die Stirn. Aber Stillstehen und Ausruhen? Das kommt nicht in Frage. Petrocelli Pop & Soul und die "Blues Brothers" (Adrian Linke und Paul Steinbach) haben Songs im Gepäck, die jeder kennt und auf die fast jeder tanzen muss. Selbst Menschen, die noch mitten Gespräch sind, wippen zumindest mit den Zehen. Proppenvoll ist es in der Mediothek, während im Theater noch gegessen wird. Und auch hier passt die Dekoration wunderbar zum Motto: Eine riesige Marylin Monroe schwebt als Plakat über der Bühne von der Decke, rote Vorhänge und die wundervolle Architektur der Mediothek harmonieren hervorragend. Um 21.30 Uhr wird schließlich der Durchgang zwischen Mediothek und Theater geöffnet, nun dürfen auch Besitzer der preiswerteren Flanierkarten ins Theater. Auf einen Schlag wird es etwas ungemütlich im Café Coelen - die Menschen quetschen sich, scheinbar alle gleichzeitig durch das Nadelöhr zwischen den beiden großen Veranstaltungsorten. Immer wieder im Gedränge zu erkennen: die ganz Großen der Film- und VIP-Industrie wie Charlie Chaplin, Karl Lagerfeld und natürlich auch Marlene Dietrich - natürlich nur als gelungene Verkleidung.

Im großen Saal versuchen die Gäste derweil keinen Knoten in die Beine zu bekommen. Udo Kostorz von der Tanzschule Kostorz gibt eine Tanzstunde, einen kleinen Crashkurs, damit am späteren Abend alle eine gute Figur auf der Tanzfläche machen können. Nun jagt ein Programmpunkt den Nächsten: Das Hartman-Hilter-Swing-Orchester und Sabina Murza & Band laden zum Tanzen ein. Kerstin Brix brilliert mit ihren Songs im Glasfoyer. "Brix und Broadway" wird gleich zweimal gezeigt und kommt hervorragend an.

Marilyn Monroe, Judy Garland, Liza Minelli, Frank Sinatra und Marlene Dietrich - sind die Hauptattraktionen der Mitternachtsshow. "Mehr ging leider nicht", entschuldigte sich der Generalintendant scherzhaft im Vorfeld der zwei Shows, die nicht um Mitternacht, sondern um 23.30 Uhr und 0.30 Uhr beginnen. Danach wurde noch bis in den frühen Morgen getanzt. Laut Theater war "um 3.43 Uhr Schluss mit Hollywood".

Quelle: RP
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