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Krefeld
Willi Wahl - Ein "echter Krefelder Jung vom allerbesten Schlag"

Krefeld: Willi Wahl - Ein "echter Krefelder Jung vom allerbesten Schlag"
Willi Wahl, von 1989 bis 1994 Oberbürgergermeister der Stadt Krefeld, und sein sozialdemokratischer Partei-Enkel und heutige Oberbürgermeister, Frank Meyer, gestern beim Geburtstagsempfang Lazarushaus. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Der Alt-Oberbürgermeister vollendete gestern sein 90. Lebensjahr, hörte drei Laudationes seines Nach-Nach-Nachfolgers Frank Meyer und krönte den Empfang mit Gedichten auf Krieewelsch Platt. Von Jochen Lenzen

Der Gong im Hülser Seniorenheim "Lazarushaus" löste die lange Schlange der Gäste auf, die Alt-Oberbürgermeister Willi Wahl durch Handschlag zum 90. Geburtstag gratulieren wollten. Mit entsprechenden Melodien des Shanty-Chors des Hülser Männergangvereins konnte dann der Empfang, den die Stadt für den Jubilar ausgerichtet hatte, beginnen.

Als Willi Wahls Nach-Nach-Nachfolger im Amt ergriff dann sein sozialdemokratischer Partei-Enkel Frank Meyer das Wort und erinnerte daran, dass sich der Jubilar zu seinem 70. drei Dinge gewünscht hatte: 1. keine Laudatio; 2. keine Laudatio und 3. keine Laudatio. Weil man sich damals weitestgehend daran gehalten habe, sei ihm der Gedanke gekommen, als Ausgleich nun drei Reden zu halten.

Meyers erste Laudation galt "Willi, dem Kämpfer", der als Gewerkschafter und von 1959 bis 1988 als 1. Bevollmächtigter der IG Metall Krefeld für die Rechte hart arbeitender Menschen gestritten habe: "Ein Job, der Haltung und Meinungsstärke verlangt. Mit fairem Umgang hast du dir quer durch alle Lager Achtung und Anerkennung verschafft", sagte Meyer, bevor er auf den Werdegang des Jubilars einging: seine Herkunft aus dem Arbeitermilieu - sein Vater war Hüttenarbeiter in Duisburg -, seine Schulzeit in Stahldorf, die Gärtner- und Maurerlehre und seine Arbeit ab 1950 als Ofenmaurer bei den Edelstahlwerken. "Damals hast du auf dein Herz gehört, bist SPD-Mitglied geworden und hast dir als Vertrauensmann bei den Stahlwerken Loyalität und hohes Ansehen erworben."

"Willi, Du magst die Krefelder und die Krefelder mögen dich", zitierte Meyer in seiner zweiten Laudatio für "Willi, den Stadtvater" dessen Vorgänger und Nachfolger Dieter Pützhofen und ergänzte: "Deshalb haben dich die Krefelder 1989 zum Oberbürgermeister gewählt, damals noch in anderer Funktion: "Du warst kein Verwaltungschef, sondern der wichtigste Repräsentant der Stadt. Du hast dich für die Euregio und den Verkehrsverbund Rhein/Ruhr eingesetzt. In deine Amtszeit fällt die Gründung des Kresch-Theaters, des Umweltzenrums und der Villa Merländer; auch am Umbau der Krefelder Bildungslandschaft in Richtung Gesamtschule hats du deinen Anteil."

Bei alledem sei ihm, was etliche Anekdoten belegten, immer auch die für die Politik wertvolle Gabe des Humors zu eigen gewesen. "Anlässlich der Wiedereröffnung des Uerdinger Stadtbads sollst du mit den Worten ,Mir nach!' in Badehose ins Becken gesprungen sein", erzählte Meyer und nannte Wahl einen "echten Krefelder Jung vom allerbesten Schlag".

In seiner dritten Laudatio für "Willi, den Menschen", ging Meyer auf Willi Wahls Hochzeit mit Frau Hilde, die fünf Kinder, elf Enkel und zehn Urenkel ein. "Ihr habt zueinander gestanden in guten wie in schlechten Zeiten. Auf dein Leben als Vater, Opa und Uropa kannst du mindestens so stolz sein wie auf dein berufliches und politisches Wirken", sagte der OB und überreichte Wahl Fotos, die ihn mit Pierre Cardin, Willy Brandt und - fußballspielend - mit Kindern zeigen.

Der Jubilar dankte auf unnachahmlich herzliche, bescheidene Art in Form kurzer Gedichte auf Krieewelsch Platt. Seine Lieblingsverse "Ech ben en Krieewelsch Böerschke" trug er sogar auswendig vor.

Quelle: RP
 
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