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Krefeld
Wirbel um Polizei-Notruf aus Krefeld

Krefeld: Wirbel um Polizei-Notruf aus Krefeld
In diesem fensterlosen Vorratsraum hat sich Julian Timmer verbarrikadiert, als er verdächtige Geräusche im Haus wahrnahm und zu der Überzeugung gelangte, dass sich zwei Einbrecher im Haus befinden. Das Problem: Er hatte in dem Raum kein Handy-Netz. FOTO: Lammertz
Krefeld. Dramatische Minuten für einen jungen Mann aus Krefeld und Vorwürfe gegen die Polizei in Wiesbaden: Sie soll einen Hilferuf aus Krefeld, der über Umwege in Wiesbaden ankam, abgewimmelt haben. Die betroffene Familie ist empört. Von C. V. Delden und J. Voss

Es müssen dramatische Minuten für den 18-jährigen Julian Timmer aus Krefeld gewesen sein, der sich am Montagmorgen allein im großen Haus seiner Familie in Krefeld aufhielt und den Eindruck gewann, dass oben im Haus Einbrecher eingedrungen waren. Er habe sich dann in einem Raum verbarrikadiert und wollte Hilfe rufen, berichtet er - doch er habe in dem fensterlosen Raum kein Handynetz gehabt und so Familienmitglieder über den Internetdienst WhatsApp über seine Not informiert. Schließlich alarmierte sein Bruder Florian Timmer, der in Wiesbaden war, per Notruf 110 die Polizei. Florian Timmer landete bei der Wiesbadener Polizei. Was ihm dann widerfuhr, empörte ihn. Seinem Bericht nach ist er regelrecht abgewimmelt worden. Wir haben die Polizei Wiesbaden um eine Stellungnahme zu dem Vorfall gebeten; die Antwort hat uns gestern noch nicht erreicht.

Der Wiesbadener Polizist habe demnach empfohlen, der Bruder solle sich an die Polizei in Krefeld wenden. "Ich hab das genau im Ohr, wie es hieß: Die Polizei in Wiesbaden bräuchte jetzt mindestens 30 Minuten, um die Polizei in Krefeld zu erreichen. Und das Ganze in einem vorwurfsvollen Ton, als sei man selbst der Verbrecher, weil man die falsche Polizeistelle angerufen hat", berichtet Florian Timmer gestern aufgebracht unserer Redaktion.

Während Florian über Wiesbaden Hilfe für seinen Bruder mobilisieren wollte, kam ein weiterer Bruder, der sich in Paris aufhielt, schneller voran: Dessen Freundin hat laut Florian Timmer ihren in Krefeld lebenden Vater alarmiert, der dann die Krefelder Polizei über den Einbruchsverdacht informierte. Danach ging alles sehr schnell: Wie die Krefelder Polizei gestern auf Anfrage berichtete, war sie sieben Minuten nach dem Telefonat an dem Haus, umstellte und durchsuchte es. Spuren von Einbrechern oder von einem Einbruch fand sie nicht; daher wurde auch keine Anzeige erstellt.

Die Vorwürfe gegen die Wiesbadener Polizei wollten die Krefelder nicht kommentieren. Nur so viel erklärte eine Sprecherin: Technisch dauere es keine 30 Minuten, um die Polizeidienststelle einer anderen Stadt zu alarmieren; das sei eine Sache von ein paar Knopfdrücken.

Auch ohne Spuren: Julian Timmer beharrt darauf, dass er Zeuge eines Einbruchs im elterlichen Haus geworden ist. Seine restliche Familie war über das lange Pfingstwochenende verreist, berichtet er. Er war demnach am Montagmorgen gegen zehn Uhr dabei, sich in der Küche sein Frühstück zuzubereiten, als er etwas hörte. Zunächst maß er dem keine Bedeutung bei, hörte dann aber eindeutig über sich im Obergeschoss Fußtritte: "Wenn man in einem Haus aufgewachsen ist, dann kann man hören, wie viele Personen sich über einem bewegen. Deshalb meine ich mit ziemlicher Bestimmtheit sagen zu können, dass sich oben zwei Personen aufgehalten haben. Von der Küche aus kann ich oben auf die Galerie schauen und habe dort Schatten gesehen, die sich bewegt haben".

Voller Panik habe er sich sofort in der Vorratskammer neben der Küche eingeschlossen. "Zum Glück hatte ich mein Handy in der Hosentasche - aber in der Vorratskammer leider keinen Empfang", berichtet Julian weiter. Über den WLAN-Anschluss habe er dann via WhatsApp bei seinem Bruder angerufen, der in Paris studiert. Der konnte von Frankreich aus schlecht helfen, hat aber einen weiteren Bruder - Florian - in Wiesbaden angerufen. Florian wiederum habe umgehend mit der Polizei in Wiesbaden Kontakt aufgenommen.

Julian erzählt, er sei in diesen Minuten in Panik gewesen, aber auch, wenn er jetzt in Ruhe darüber nachdenke, wüsste er nicht zu sagen, wie er einen Notruf über WLAN und WhatsApp an die Polizei hätte absetzen können. Er vermutet, dass die Einbrecher über den Balkon im oberen Stockwerk in das Haus eingedrungen seien: "Die Fenster dort standen auf Kipp." Die ganze Situation - das Gefühl der Hilflosigkeit und verschlossen in einer Kammer zu hören, dass Hilfe leider nicht kommen könne - hat dem jungen Mann nach eigenen Worten sehr zugesetzt: "Das steckt mir alles schon noch ganz schön in den Knochen, und gestern Nacht habe ich auch nicht sehr gut geschlafen", sagt er.

Eine Beobachtung habe er noch gemacht und erzählt diese ganz zum Schluss: "Als die Polizei wieder weg war, habe ich auf unserer Mülltonne ein eigenartiges, halbkreisförmiges Kreidezeichen entdeckt." Leider habe er versäumt, diesen "Gaunerzinken" direkt zu fotografieren. Als er ihn abends seinem Vater zeigen wollte, war das Kreidezeichen fortgewischt.

Quelle: RP
 
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