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Wassenberg
Endspurt für Richter Windeln

Wassenberg. Eine närrische Institution macht Schluss: Ex-Gemeindedirektor Walter Windeln leitet das vorläufig letzte Rosenmontagsgericht in Wassenberg. Endet damit eine langjährige Tradition? Von Angelika Hahn

Sitzungen, Bälle, Umzüge – verbreitetes Narren-Brauchtum im Erkelenzer Land. Das Rosenmontagsgericht in Wassenberg indes ist einmalig in der Region. In vier Tagen wird im Kongo-Zelt am Roßtorplatz der vorläufig letzte Gerichtstag gehalten. Walter Windeln (78) nimmt Abschied als gestrenger Richter – nach mehr als 40 Jahren.

Keiner entgeht seiner Strafe

Zum letzten Mal brütet der frühere Gemeindedirektor und spätere streitbare SPD-Politiker über den spitzfindigen Anklagen, mit denen sich schlagfertige ortsbekannte Wassenberger vor dem hohen Gericht auseinander setzen müssen. Diesmal Ex-Stadtgarde-Kommandant Hermann Flesch, Prinzen-Nachbar Franz Conen, Max Wilms, Ratsfrau Claudia Sichau und als Clou der scheidende Superintendent Klaus Eberl. Alle dürfen sicher sein, dass eine herbe (Spenden-)Strafe für die Kongo-Kasse auf sie wartet. Verfehlungen wie etwa „wilde Nächte“ in der Kneipenszene der Stadt verdienen keine Gnade. Ob Pflichtverteidigerin Marly Flesch Entlastendes für Eberl finden wird, der trotz der Fahnenflucht ins Rheinische Kirchenamt auf eine Spende für Pskow hofft, muss sich noch herausstellen.

Mit einem Funken Wehmut erinnert Windeln sich an die Kindertage und die Vorgeschichte der Narrengerichte. Zu seinen Schülerzeiten Ende der 30er Jahre war es üblich, dass die damalige Kongo-Stadtwache ortsbekannte Wassenberger am Rosenmontag spontan aufstöberte, abführte und in Wassenberger Kneipen mit Blödel-Anklagen konfrontierte. Zur Strafe mussten die Verurteilten dann die Kongo-Kasse bereichern oder Runden „schmeißen“. „Besonders begehrte Opfer waren unsere Lehrer“, erzählt Windeln. „Wir warteten Rosenmontag – damals noch Schultag – schon darauf, wer wieder abgeführt wurde, das hieß schulfrei. Und oft zogen wir mit Gegröhl hinterher zum Narrengericht.“ Aus der kleinen Zuhörerschaft der Anfänge wurden nach dem Krieg schnell über hundert, als die Sitzungen unter „Vosse Jupp“ zur Institution im Burgsaal wurden, damals mit Walter Windeln als Staatsanwalt.

RAF-Captain erschien brav

Kaum ein „Stadtpromi“ mit Humor aus Vereinsleben, Politik oder Geistlichkeit entging seit 1966 Richter Walters Spürnase. Fast alle Pastöre mussten ran, selbst der legendäre RAF-Group Captain und spätere Air Marshall Hine erschien brav. „Jeder konnte sicher sein, dass die Anklagen nichts Ehrenrühriges antippen“, betont Windeln. Die Zukunft der Gerichtssitzungen ist derzeit unsicher. Windeln hofft jedoch, dass „ein Jüngerer weitermacht“.

Quelle: RP
 
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