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Heinsberg/Wassenberg
Opfer vor Gericht: "Führe seitdem kein normales Leben mehr"

Heinsberg/Wassenberg. Gestern sagten im Prozess gegen fünf mutmaßliche rechte Schläger zwei betroffene Asylbewerber aus. Ein 37-Jähriger war schwer verletzt worden. Von Angelika Hahn

Er habe immer noch Schmerzen und Angst. "Ich führe seitdem kein normales Leben mehr", sagte der hauptgeschädigte Zeuge Abdul Aziz R. (37) gestern im Prozess vor dem Heinsberger Amtsgericht. Dort müssen sich fünf junge Männer verantworten, denen (teilweise schwere) Körperverletzung und rechtsgerichtete Übergriffe auf Asylbewerber in drei Fällen in Wassenberg im Dezember 2014 und Januar 2015 vorgeworfen werden.

R. berichtete, wie er am 27. Januar 2015 auf dem Wassenberger Busbahnhof regelrecht zusammengeschlagen worden war. Er musste anschließend ins Heinsberger Krankenhaus zur Behandlung, später folgten zwei Operationen. Die Auseinandersetzung habe mit verbalen Provokationen und fremdenfeindlichen Beschimpfungen, zunächst aus Distanz, gegen ihn und den ihn begleitenden Asylbewerber Aziz B. begonnen. Der Streit sei eskaliert, weitere Männer seien hinzugekommen. Sie hätten Glasscherben in Händen gehabt, einer trug einen Schlagstock bei sich. Sein Freund sei geschlagen worden, und als er vermitteln wollte, hätten ihn Schläge und Fußtritte von hinten getroffen. "Ich fiel zu Boden, konnte nicht mehr aufstehen, dann schlug jemand mit einem Stock auf meinen Kopf, Ellenbogen und mein Bein ein." R. konnte sich an eine Dreiergruppe erinnern, aber nicht sagen, wer ihn geschlagen habe, da es von rückwärts geschehen sei und dunkel war. Erkannt haben wollte er aber dann doch den Angeklagten Kevin A., der mit einem Stock auf den Boden geschlagen habe, der dann zerbrach. Auch den Angeklagten Ch. erkannte er: Er habe anfangs fremdenfeindlich provoziert, gespuckt, den Mittelfinger gezeit, aber nicht zugeschlagen.

Die Auseinandersetzung am 17. Dezember 2014 vor dem Netto-Markt habe er nur als Beobachter (beim Einkauf) mitbekommen, sagte R. Der Angeklagte W. habe damals auf einen Afrikaner eingeschlagen.

Der ebenfalls angegriffene Asylbewerber Ramsi H. (25), der gestern als Zeuge auftrat, war gerade aus dem Bus gestiegen, als er die Beschimpfungen seiner beiden Freunde mitbekam. Auch er nannte den Angeklagten Ch. und den Angeklagten A. als Beteiligte. Kevin A. habespäter dann auf ihn eingeschlagen und -getreten, aber mit Fäusten nur die Brust getroffen. Er sei nicht verletzt worden. Da er sich zu verteidigen suchte, so H., habe er nicht mitbekommen, wer auf seine beiden Freunde eingeschlagen habe. Schließlich seien zwei der Leute mit Kapuze bzw. Tuch vermummt gewesen.

Vom Zeugen Aziz B., der die Wassenberger Asylbewerberunterkunft laut Richterin Dr. Loch Ende Februar verlassen habe und trotz umfassender Recherchen des Gerichts derzeit nicht ausfindig zu machen sei, konnte nur das Vernehmungsprotokoll der Polizei verlesen werden. B. sprach darin ebenfalls von drei teilweise vermummten Schlägern, vier Unterstützter seien später hinzugekommen. Es sei mit Schlagstöcken, Fäusten und Glasscherben hantiert worden. Er sei mit dem Stock auf den Kopf geschlagen worden, den vermummten Täter habe er nicht erkannt. Den Angeklagten Ch., der in vergangenen Sitzungen von seinen Freunden entlastet worden war, habe er aber gesehen: "Der war 100 Prozent dabei und hat mit Händen zugeschlagen."

Den Angeklagten T. belastete als Zeugin die Ex-Freundin von Ch., die über die WhatsApp- und Facebook-Kommunikation der Angeklagten berichtete. T. habe sich auf Facebook damit gebrüstet, mitgeschlagen und nachgetreten zu haben.

Quelle: RP
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