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Oberbruch/ Kirchhoven
Drohende Freibadschließung: "Muss erst ein Kind im See ertrinken?"

Schließung vom Freibad Oberbruch: "Muss erst ein Kind im See ertrinken?"
Die Jugend hat Spaß im Freibad. In Heinsbergs Freibädern sollen sich aber bald die Türen schließen. FOTO: Hertgen, Nico
Oberbruch/ Kirchoven. Bereits seit einigen Jahren haben die Freibäder in Oberbruch und Kirchhoven aus Kostengründen jedes Jahr nur abwechselnd geöffnet. Nun wurde bekannt, dass beide Bäder endgültig geschlossen werden sollen. Gegen diese Entscheidung wehren sich nun Heinsbergs Bürger. Vor allem Eltern sind besorgt.

Ein eigens eingerichteter Arbeitskreis hatte bereits die Schließung beider Freibäder in Heinsberg empfohlen. Die Heinsberger CDU stimmte dem Vorhaben zu. Das Jahresdefizit von einer Million Euro sei zu hoch und daher ließen sich die Bäder in Zukunft nicht mehr betreiben.

Diese Entscheidung sorgt bei vielen Bürgern für Entsetzen: "Es ist schon schlimm, dass sich die beiden Freibäder aus Kostengründen mit der Öffnung abwechseln mussten, aber dass jetzt beide für immer geschlossen werden sollen, das kann ich nicht verstehen. Wir sind immer mit der ganzen Familie gerne nach Oberbruch gefahren", sagt Lena Schmidt, Mutter von zwei Kindern, aus Porselen.

Jakob Gerards, Beigeordneter und gleichzeitig Geschäftsführer der Stadtwerke Heinsberg, die die Bäder verwalten, sagte dem WDR: "Wenn die beiden Freibäder den Stellenwert gehabt hätten, den die Bevölkerung jetzt behauptet, dann hätte sich das ja in Besucherzahlen widerspiegeln müssen." Man könne die Freibäder wirtschaftlich nicht mehr betreiben.

Eine Alternative zu den beiden Freibädern gibt es in Heinsberg kaum. Der Lago Laprello sorgt aktuell mit Berichten über Unsauberkeit für Aufsehen. Der Adolfosee in Ratheim ist nicht einmal offiziell ein Badesee. Hier gibt es weder Bademeister noch sanitäre Anlagen. Und das bereitet vor allem den Eltern sorgen.

"Im Freibad hat man zu der eigenen Aufsicht immer noch eine gewisse Sicherheit durch den Bademeister. In Badeseen gibt es so viele Gefahren, denen man sein Kind einfach nicht aussetzen will. Muss erst ein Kind im See ertrinken, bis man erkennt, wie wichtig ein Freibad ist?", fragt Schmidt.

Doch es ist nicht nur der Aspekt der Sicherheit, der die Eltern erzürnt. Lena Schmidt: "Auch emotional hängt man an dem Freibad in Oberbruch. Hier hat mir schon meine Mutter das Schwimmen beigebracht und ich selbst meinen Kindern. Es wäre einfach nur traurig, wenn es tatsächlich geschlossen wird."

Dass ein Erhalt der Bäder bei roten Zahlen schwierig ist, versteht auch Josef Füsser, Vorsitzender der "Interessengemeinschaft Oberbruch". Jedoch ist für ihn auch klar, dass kaum ein Freibad schwarze Zahlen schreibt. "Man muss den Bürgern die Möglichkeit geben, sich gegen diese Entscheidung zu wehren und eigene Konzepte vorzuschlagen", sagte Füsser im Gespräch mit der Redaktion. "Das ist ganz klar ein sehr emotionales Thema, jedoch sollte versucht werden, im Interesse der Bürger und Kinder, auf sachlicher Ebene nach einer Lösung zum Erhalt des Freibades zu suchen".

Wie aufgeheizt das Thema tatsächlich ist, zeigen Unterschriften-Aktionen im Freibad und im Internet. Der 23-jährige Pascal Schöne hat die Bürger zu einer Online-Petition aufgefordert. Sein Ziel ist es, die Schließung des Bades zu verhindern. Bereits über 1250 Unterschriften wurden hier gesammelt. Füsser begrüßt solche Aktionen, findet aber auch: "Bei einer Unterschriften-Aktion überzeugt man mit Masse - wir wollen mit konkreten Konzepten überzeugen."

Um gemeinsam mit den Bürgern nach Lösungen zu suchen, veranstaltet die Interessengemeinschaft am 21. Juli ein Bürgerforum in der Oberbrucher Festhalle. Sechs örtliche Ratsvertreter hat Füsser bereits schriftlich zu der Veranstaltung eingeladen. Es soll über die Situation des Freibades gesprochen und nach alternativen Konzepten gesucht werden. "Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, aus dem Freibad ein Bürgerbad zu machen", schlägt Füsser vor. Dafür sei jedoch ein verlässliches und dauerhaftes Engagement der Bürger notwendig.
Von Sabine Kricke
(skr)
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