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Langenfeld
Die Nomaden von heute bloggen ihre Weltreise

Langenfeld: Die Nomaden von heute bloggen ihre Weltreise
Multifunktional: Wanderstab und Zeltstange sind auch zugleich die Stange für die Selfie-Kamera. FOTO: Uwe Miserius
Langenfeld. Jannis Riebschläger aus Hitdorf und Joel Galla aus Langenfeld bringen ihren Film über das Trampen bis zum Nordkap heraus. Digital-Nomade Jannis startet im Oktober alleine nach Nepal, Indien und Myanmar. Von Gundhild Tillmanns

Nur auf Heimaturlaub ist der 19-jährige Weltenbummler Jannis Riebschläger zur Zeit bei seiner Familie in Hitdorf. Die Generalprobe für seine weitere "Weltumrundung" mit Rucksack, Selbstfilmer-Kamera und Bloggerausrüstung hat er bestanden. Derzeit schneidet Jannis den eineinhalbstündigen Film von seiner Tramper-Tour mit seinem Langenfelder Kumpel Joel Galla bis zum Nordkap, den er online vertreiben und damit seine weiteren Reisen finanzieren will.

Denn wider Erwarten musste der Abiturient des Monheimer Otto-Hahn-Gymnasiums schon bei seiner ersten Abenteuer-Tour kein Geld mit Jobs verdienen. Mit seinem Internet-Blog, auf den sogar der große Reiseveranstalter Neckermann aufmerksam geworden ist und sich als zahlungskräftiger Kooperationspartner angeboten hat, stieß der junge Mann auf ein praktikables Finanzierungsmodell. So hat der 19-Jährige Kamera und Bühnen affine Hitdorfer ("Ich hab' auch in der Schule schon kein Referat ausgelassen") bei seinen 7000 Followern schon einen gewissen Promi- und teilweise auch Neidfaktor ausgelöst: "Viele schreiben mir, dass sie auch selbst so etwas gerne machen würden. Es melden sich 16- bis 80-Jährige auf meinem Blog", staunt Jannis selbst über die breit gestreute Resonanz. Bevor er am 21. Oktober auf seine große Tour geht, die über Nepal, Indien und Myanmar bis Mai 2016 geplant ist, schneidet er jetzt seinen Film der Nordkap-Reise, den er als Download und DVD anbieten will. Nachträgliche Texte spricht er selbst im Hobby-Tonstudio seines Vaters ein.

Am Abgrund? Der Eindruck täuscht, die Zeltstangen halten auch im Gebirge.

Auf der Nepal-Indien-Tour wird sich Jannis aber selbst filmen müssen. Nur auf der Nordkap-Route wurde er von Joel begleitet. Seinen Wanderstock kann er, versehen mit einer Schraubmontur, auch als Selfie-Kamera vor sich her tragen. Außerdem gehört ein extra leichtes Stativ diesmal mit in den Rucksack. Ein Video-Tagebuch möchte er auf diese Weise ins Internet stellen.

Alle möglichen Impfungen von Tollwut und Gelbfieber bis hin zu japanischer Enzephalitis muss Jannis zur Zeit beim Tropeninstitut Düsseldorf über sich ergehen lassen, denn er möchte sich vorwiegend weitab von den Touristenpfaden in freier und nicht immer ungefährlicher Natur bewegen. Denn wie lebenswichtig Gesundheit auf Reisen ist, haben Jannis und sein Kumpel bei einer Muschelvergiftung erlebt. "In solch extremen Momenten lernt man sich auch selbst kennen", sagt Jannis, der an sich bemerkt, durch die Nordkap-Reise gereift zu sein.

Jannis Riebschläger (l.) und Joel Galla beim Trampen: Am längsten mussten sie in Deutschland warten, wo sie auch am unfreundlichsten behandelt wurden. Ein Polizist sagte zu ihnen: "Solche Typen wie euch kenne ich." FOTO: privat

Eine besondere Erfahrung möchte der 19-Jährige in Nepal machen. Er wird dort ehrenamtlich in einer der härtesten Drogenentzugseinrichtungen der Welt mitarbeiten. Dort wird kalt entzogen, ohne Medikamente, und so spartanisch gelebt, wie in nepalesischen Klöstern: "Die haben mich immer wieder gefragt, ob ich das wirklich will. Ich bin nämlich der erste Europäer, der dort mitarbeiten möchte." Besuchen wird Jannis auch zwei Camps der "Digital-Nomaden" in Thailand und auf Bali. Diese internationale Community von Abenteuerreisenden veröffentlicht ihre außergewöhnlichen Erlebnisse als Blogger, auf Youtube oder sonstigen Internetkanäle. Und in dieser Szene hat sich der 19-jährige Hitdorfer schon einen Namen gemacht: In Berlin hat er einen Vortrag gehalten und soll nun auch Workshops leiten. Seine Eltern sähen seiner großen Tour mit gemischten Gefühlen entgegen, wie der 19-jährige zugibt. Denn er wolle auch in das Erdbebengebiet Nepals, um sich zu überzeugen, ob die weltweit geleisteten Spenden auch wirklich bei den Opfern angekommen sind: "Ich fürchte nicht", sagt Jannis bereits aus der Fernsicht. Sein Vater, der es auch abenteuerlich mag, ist übrigens vor kurzem bei einer Alpenbesteigung abgestürzt und konnte sich nur durch einen glücklichen Zufall retten. Auch davon ist auf Jannis' Blog zu lesen. Auch Jannis hat schon erfahren, dass der Mensch die Natur nicht beherrscht, ihr deshalb mit großem Respekt begegnen sollte. Allzumal seine unmittelbaren Nachbarn in der nepalesischen Entzugsklinik wilde Tiere sein werden. "Da kann auch mal ein Nashorn auftauchen."

Quelle: RP
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