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Langenfeld
Krise verdirbt den Appetit

Langenfeld: Krise verdirbt den Appetit
"Viele gehen lieber günstig einkaufen und kochen dann selbst – das merkt man deutlich im alltäglichen Geschäft", seufzt Marion Alexander vom Golfclub-Restaurant "Heaven's" am Katzberg. FOTO: RPO
Düsseldorf. Für die meisten Restaurants und Hotels sind magere Zeiten angebrochen: Angesichts der Wirtschaftskrise sitzt bei den Gästen das Geld nicht mehr so locker. Mit besonderen Angeboten versuchen die Betriebe gegenzusteuern. Von Dorian Audersch

LANGNEFELD/MONHEIM Motiviertes Personal, adrett dekorierte Tische, warmes Ambiente und eine abwechslungsreiche Speisekarte – eigentlich macht das Restaurant "Heaven's" alles richtig. Trotzdem kommen derzeit deutlich weniger Gäste als noch vor einem halben Jahr. Die Wirtschaftskrise hat nicht nur die Autobauer und ihre Zulieferer mit voller Wucht getroffen. Auch die Hotel- und Gastronomiebetriebe in beiden Städten verzeichnen seit Ende vorigen Jahres einen deutlichen Umsatzrückgang.

"Ein Überlebenskampf"

"Ich höre von einigen Gäste, dass sie momentan verunsichert sind und deswegen seltener essen gehen", beklagt Marion Alexander. Die 44-Jährige betreibt seit etwa einem Jahr das "Heaven's" am Golfclub am Katzberg. "Viele gehen lieber günstig einkaufen und kochen dann selbst. Das merkt man deutlich im alltäglichen Geschäft. Es ist inzwischen ein regelrechter Überlebenskampf geworden."

Im Gastgewerbe kriselt es jedoch nicht erst seit dem Platzen der US-Immobilienblase im Herbst. Seit 2003 sanken die Umsätze laut Hotel- und Gaststättenverband Dehoga inflationsbereinigt um fast zehn Prozent. Den letzten schweren Einbruch erlebte die Branche 2002. Damals bekam vor allem die Hotellerie die Folgen der Anschläge des 11. September 2001 zu spüren.

Nun kommt wegen der Wirtschaftskrise erneut ein schweres Jahr auf die Branche zu. "Jeder Gastronomiebetrieb spürt einen Rückgang im Umsatz", meint Heinz Trebse, Geschäftsführer vom "Krüger's" am Berliner Platz in Langenfeld. "Einsparungen sind aber keine Alternative. Die Qualität des Essens und der Service müssen auf einem hohen Niveau bleiben. Sonst verliert man weitere Kunden."

Etwas besser sieht es bei den Hotels aus. Sie profitieren von der günstigen Lage zwischen den Messestädten Köln und Düsseldorf. Dennoch gibt's auch hier weniger Buchungen. "Bei Messen sind wir in der Regel immer voll ausgebucht", berichtet Sonja Stieghorst vom "Achat-Hotel" in Monheim. "In diesem Jahr ist es anders. Es werden weniger Geschäftsreisen unternommen als letztes Jahr. Wir versuchen, mit einer gezielten Preispolitik gegenzusteuern. Weniger Umsatz ist immer noch besser als gar keiner."

Im Langenfelder Hotel "Mondial" an der Solinger Straße sieht es ähnlich aus. Auch hier versucht man bei steigenden Betriebskosten die Preise zu senken. "Anders geht es nicht", betont Direktorin Andreanna Zioga. "Seit Januar bleiben die Reservierungen aus. Deswegen machen wir jetzt gezielt Werbung für die Messesaison." Die Gastronomie gilt allgemein als extrem konjunkturempfindliche Branche, weil viele Menschen in schwierigen Zeiten zuerst bei Restaurant-Besuchen und beim Urlaub sparen.

Romantikhotel: Noch gut belegt

Trotzdem gibt es auch noch einige Lichtblicke. Im "Romantikhotel Gravenberg" in Wiescheid gibt es bisher noch keinen Grund zur Klage. "Die Zimmerbelegung ist gut im Moment", sagt Seniorchef Fritzlohmann. "Wir spüren nur minimale Auswirkungen der Krise." Im Monheimer "Hotel am Wald" sieht es ähnlich aus. "Eigentlich läuft das Geschäft bisher ganz gut", freut sich die Direktorin Smiljka Scelta. "Auch wenn viele Gäste nicht mehr so großzügig sind, wie früher. Das war aber auch vor der Wirtschaftskrise schon bemerkbar. Das Geld sitzt einfach nicht mehr so locker in der Tasche."

Quelle: RP
 
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