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Monheim
Moschee: Muslime diskutieren mit

Monheim: Moschee: Muslime diskutieren mit
Zahlreiche Muslime informierten sich über die Pläne und möglichen Standorte zum Bau zweier islamischer Gemeindezentren in Monheim. FOTO: RALPH MATZERATH
Monheim. Knapp 300 Besucher kamen zur zweiten Bürgerinformation in die Aula. Das waren deutlich weniger als im Juni. Von Petra Czyperek

Gülay Akcora sitzt in einer der ersten Reihen. Die 48-Jährige ist mit einem "guten Gefühl" zur zweiten Bürgerinformation in die Aula am Berliner Ring gekommen. "Die aufgeheizte Stimmung hat sich beruhigt", sagt die Monheimerin mit türkischen Wurzeln. Sie lebt seit 44 Jahren hier. Unter den knapp 300 Besuchern waren viele Muslime - schließlich ging es um die konkreten Standorte für die beiden geplanten Gemeindezentren.

Anders als im Juni ging es jetzt sachlicher zu. Damals hatten rechte Gruppen vor der Aula demonstriert. Diesmal blieben Krawalle und Proteste aus, dennoch waren die Sicherheitskräfte mit einem Großaufgebot vor Ort. Wer in die Aula wollte, musste sich einem Körper-Check unterziehen. Bürgermeister Daniel Zimmermann, der noch einmal "in einen Dialog über die Flächen" kommen wollte, erhielt zwar im Plenum viel Zustimmung, musste sich aber auch kritische Anmerkungen gefallen lassen. Letztere richteten sich zum Teil direkt an die Vertreter der Ditib-Gemeinde in Monheim und an Mehmet Günet vom Dachverband in Köln, der mit auf dem Podium saß. Der konnte letztlich die Bedenken und Sorgen der Zuhörer nicht ausräumen, dass die Gemeinden vor Ort unabhängig von den Ereignissen in der Türkei handelten und sich dem deutschen Rechtsstaat verpflichtet fühlten. Eine ältere Dame hätte sich von Zimmermann vorab eine Bürgerbefragung gewünscht. "Als Bürgermeister sind Sie dem Wohl der Stadt verpflichtet", sagte sie. Stattdessen hätten Zimmermann und die Peto-Fraktion "über die Köpfe vieler Bürger und der anderen Fraktionen" hinweg entschieden. "Das ist mit Demokratie nicht vereinbar." Zimmermann, der an seinen Moschee-Plänen festhält, sagte: "Wir suchen den richtigen Weg. Die Grundsatzfrage stellt sich aber nicht." Unterstützung bekam er von Moritz Peters: "Selbstverständlich müssen wir unseren muslimischen Mitbürgern repräsentative Standorte geben. Oder haben wir ein Problem mit dem Islam?"

Der Stadtrat hatte sich kürzlich unter 15 möglichen Arealen mehrheitlich für die beiden Grundstücke Menk-Gelände und ehemalige Freibadwiese ausgesprochen. Bürgermeister Daniel Zimmermann favorisiert das 3500 Quadratmeter große Firmengrundstück direkt an der Opladener Straße für die marokkanische Gemeinde mit 200 Mitgliedern. Für die türkische Ditib-Gemeinde (500 Mitglieder) könne das 4.300 Quadratmeter große Grundstück an der Kurt-Schumacher-Straße neben dem Mona Mare zur Verfügung gestellt werden. Beide gehören inzwischen der Stadt bzw. städtischen Töchtern. Sie sind ausreichend groß und haben eine gute Verkehrsanbindung. Auf dem von ihm für die türkische Gemeinde zuerst vorgeschlagenen Gelände der ehemaligen Wilhelm-Busch-Schule sollen jetzt Wohnungen entstehen.

"Riesenprobleme" hatten einige Zuhörer mit der geplanten Grundstücksüberlassung bzw. Bezuschussung. Doch laut Zimmermann "gibt es darüber noch keine abschließende Entscheidung". Voraussichtlich am 26. Oktober berät der Stadtrat darüber. Der Bürgermeister bezifferte den Wert des Freibadgeländes mit 400.000 bis 450.000 Euro. Das Menk-Gelände werde mit 420.000 Euro veranschlagt. Außerdem müssten die Gemeinden für den Neubau jeweils 2,5 bis drei Millionen Euro selber durch Spenden aufbringen. Die Grundstücke seien somit nur ein Teil der Gesamtkosten. Eine Überlassung sei durchaus mit der städtischen Unterstützung der Sanierungsarbeiten an der Altstadtkirche vergleichbar. Die Stadt denke auch darüber nach, den Vereinen die bisherigen Moschee-Grundstücke an der Niederstraße und der Opladener Straße abzukaufen und später für den Wohnungsbau oder die Ansiedlung kleinerer Handwerksbetriebe zu nutzen. "Die Gläubigen können dort aber bis zur Fertigstellung ihrer neuen Zentren bleiben".

Quelle: RP
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