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Langenfeld
Neuer Ruhehafen für rastende Brummis

Langenfeld. Die Bauarbeiten an der A 59 sind beendet, die Rastplätze sind fertig. Die RP hat sich umgeschaut. Von Maximilian Laufer

Dariusz ist nicht besonders gut gelaunt. Nachmittags an einem Werktag, und der Lkw-Fahrer kommt vom Bodensee. Sein Ziel: Hilden. Nun aber steht er mit seinem roten Sattelschlepper bei strenger Kälte und ein paar blinzelnden Sonnenstrahlen auf dem neu gestalteten Rastplatz Wolfhagen an der A 59, Fahrtrichtung Düsseldorf. Weiter darf er erst morgen früh, "obwohl ich doch nur fünf Minuten nach Hilden bräuchte" – so sind die Arbeitszeitregeln.

Fast 18 Prozent der Lkw-Fahrer schaffen es "selten" oder "nie", die vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten, wie eine neuere Studie der Hochschule Furtwangen herausfand. Die Kontrollergebnisse des Bundesamts für Güterverkehr bestätigen diesen Befund: 27 Prozent der 2011 kontrollierten Fernfahrer haben Ruhezeiten nicht befolgt. Sie riskieren Unaufmerksamkeit, Sekundenschlaf. Die Folge: Das Unfallrisiko steigt. Jeder dritte Unfall ist auf Übermüdung zurückzuführen.

Auf der gegenüberliegenden Seite der A 59 befindet sich der ebenfalls umfangreich umgebaute Rastplatz Berghausen. Rentner Jürgen Spitzner aus Hilden ist heute eigens hergefahren, um sich den Baum anzusehen, den die Angehörigen eines Unfalltoten hier gepflanzt haben. "Und zwar vor dem Umbau", wie Spitzner betont. Die Bauarbeiter haben den Gedächtnisbaum umgesetzt, statt ihn einfach abzuholzen – jeder, der nun den Parkplatz verlässt, fährt an dem Baum und dem davorstehenden weißen Gedenkkreuz vorbei. "Dass sie sich diese Mühe gemacht haben, zeugt von Pietät. Ist selten geworden heutzutage." Der Hildener macht noch ein paar Fotos und verabschiedet sich.

Als die Umbaumaßnahmen noch im Gange waren, gerieten die beiden Rastplätze ins Visier von Baustoff-Dieben und mussten mit mobilen Videokameras 24 Stunden am Tag überwacht werden. Mittlerweile sind die Baustoffe verbaut und die Kameras wieder weg. Dafür ist der der Vandalismus da. Die verklinkerten Sanitärhäuschen sind bereits beschmiert. Und die Toiletten wirken nicht eben einladend. Duschen gibt es keine. Aber, und das schätzen Berufskraftfahrer wie Dariusz, mehr Platz als auf den überfüllten Höfen an den Haupttransitrouten wie der A3, wo die Hecks der Laster bisweilen bis auf die Fahrspuren hinausragen.

Sergej spricht nur ein paar Brocken Deutsch. Der Russe fährt für ein lettisches Frachtunternehmen, 60 Stunden schätzt er, verbringt er jede Woche hinterm Lenkrad. Fahrend. Denn hinterm Lenkrad sitzt er auch jetzt – und schaut sich, die Füße aufs Armaturenbrett gelegt, auf seinem Laptop einen Film an. Er genieße, dass es hier nicht so voll sei. Einkaufsmöglichkeiten vor Ort vermisse er nicht, in seiner Staubox habe er schließlich genügend Lebensmittel für den Rest der Woche. Nur seine Lieben daheim in Russland vermisse er sehr. Aber dagegen hilft kein noch so schöner Rastplatz.

(RP/rl)
 
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