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Monheim
Schüler zeigen Theater zur Biennale

Monheim: Schüler zeigen Theater zur Biennale
Unter dem Titel "Spring Awaking" zeigten Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums Wedekinds Drama zur Biennale. FOTO: Matzerath, Ralph (rm-)
Monheim. Der Literaturkursus der Q1 des Otto-Hahn-Gymnasiums hat Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen" bearbeitet. Von Daniel Gehrmann

Was ist nur mit den Jugendlichen los? Das fragen sich sowohl die Teenager selbst als auch ihre Eltern in Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen". Der Literaturkursus der Q1 des Otto-Hahn-Gymnasiums hat das Werk im Rahmen der Neanderland Biennale unter der Leitung von Julia Krämer aufgegriffen und zeigt es in einer umgeschriebenen Fassung unter dem Titel "Spring Awakening" in der Aula.

Wedekinds Theaterstück, 1890/91 entstanden und 1906 uraufgeführt, ist immer noch aktuell. Es geht um die Phase der Pubertät, die aufkommende Sexualität der Heranwachsenden, die keine Kinder mehr sind, aber eben auch noch keine Erwachsenen. Das Stück hält der Gesellschaft einen Spiegel vor: Eltern und Teenager reagieren gleichermaßen verunsichert und hilflos auf die Situation; auftauchende Fragen nach dem eigenen Körper, nach Identität und Selbstfindung werden als bedrohlich empfunden, weil sie den Rahmen der bisherigen Welt von Eltern und Kindern sprengen. Fragen nach dem Wohin, auf die es noch keine Antwort geben kann, quälen die Teenager, stürzen manche in eine Existenzkrise.

Um die Fragen, die Wedekind 1890/91 verarbeitete, neu zu stellen, hat der Literaturkursus mit Songs und Namen viele Bezüge zur heutigen Zeit und sogar zu Monheim eingefügt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: In gut 90 Minuten folgt das kurzweilige Stück den Jugendlichen auf ihrem schwierigen Weg durch die Pubertät. Das ist keine Heldengeschichte mit Rollenklischees, wie Jungen "vom Kind zum Mann" oder wie Mädchen "von Töchtern zu Müttern" werden: Es ist eine schonungslose Beobachtung. Vor allem: Dies ist kein belehrendes "Problemstück". Es ist eine einfühlsame Gesellschaftsstudie, in der vor allem Heranwachsende sich wiederfinden können. Das vielleicht Spannendste an dieser gelungenen Aufführung ist die einfühlsame Inszenierung von Julia Krämer und das tastende Spiel der 23 Schüler des Literaturkurses. Philipp Dammer gibt den Moritz, der in eine Existenzkrise gerät und sich schließlich erschießt, unsicher und zögernd. Lars Grönberg spielt Moritz' Freund Melchior mit der ganzen Ambiguität der Rolle: Mal wirkt er draufgängerisch, mal ist weiß er nicht weiter. In einer Scheune schwängert der 16-Jährige die empfindsame Wendla (Christiane von Buddenbrock), deren überforderte Mutter (Sema Gergerlioglu) die Tochter vor dem Leben beschützen will und sie gerade dadurch im Stich lässt. Schlicht überfordert reagieren auch Moritz' Eltern. Besonders mutig ist, wie zwei Schüler sich an die Darstellung eines schwulen Paars heranwagen: Ohne Scheu und ohne Klischees bringen sie dieses Thema auf die Bühne. Vor allem sind es die leisen Zwischentöne, die die Inszenierung so sehenswert machen.

Nächste Aufführung: heute, 18.30 Uhr, Aula am Berliner Ring

Quelle: RP
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