| 00.00 Uhr

Lokalsport
Was Baumberg für die Regionalliga tun muss

Lokalsport: Was Baumberg für die Regionalliga tun muss
Drei aus einem starken Team: Ali Daour, Roberto Guirino und Robin Hömig (von links) sind fest entschlossen, sich mit den Sportfreunden Baumberg in der Oberliga-Tabelle so lange wie möglich weit vorne aufzuhalten. FOTO: Ralph Matzerath (Archiv)
Monheim. Der Fußball-Oberligist gehört sportlich zu den Top-Teams und ist ein Titelkandidat. Für den Aufstieg gibt es aber noch höhere Hürden. Von Michael Deutzmann

Der Fußball-Oberligist SF Baumberg (SFB) scheint sich gerade an sich selbst zu berauschen - und nach zwei Nachholspielen im Jahr 2018 ist er weiter ein heißer Meisterschafts-Kandidat. Nach dem 2:2 gegen die SpVg. Schonnebeck verlor Baumberg zwar die Tabellenführung an den SV Straelen, aber der Abstand ist minimal. Beide Teams stehen bei 38 Zählern und die Sportfreunde liegen nur über das Torverhältnis ein paar Millimeter zurück (43:24/plus 19 gegenüber 40:19/plus 21). Das Fazit aus der Sicht der Sportfreunde Baumberg ist eindeutig. Die Mannschaft hat das Zeug dazu, Meister zu werden, weil physischer Zustand, mentale Stärke und spielerisches Potenzial höheren Ansprüchen genügen. Auf der anderen Seite gibt es nicht mal den Hauch einer Garantie dafür, dass Baumberg am Ende der Saison tatsächlich ganz oben stehen wird. Die Konkurrenz ist längst gewarnt, was Trainer Salah El Halimi mit Genugtuung zur Kenntnis nimmt: "Die Jungs haben sich diesen Respekt erarbeitet. Wir spielen wie eine Mannschaft, die den Fußball liebt." Der Rest der Saison wird dennoch ein extrem schwieriger Hindernislauf. Und er ist doch fast eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was noch zu erledigen wäre - aber nicht in die Zuständigkeit von Trainerteam und Spielern fällt. Es lohnt sich ein Blick ins Regelwerk des Westdeutschen Fußball-Verbandes (WDFV). Die genannten Punkte erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

Das Stadion Der Begriff ist im Zusammenhang mit dem Platz an der Sandstraße irreführend, weil es kein Stadion im klassischen Sinn ist. Die Richtlinien des WDFV verlangen eine "Zuschauerkapazität des Stadions von mindestens 2500 Besucherplätzen, davon mindestens 100 Sitzplätze. Für die Gästefans ist ein separater Gästebereich von mindestens 800 Plätzen vorgesehen". Das dürfte bei Planern in vielen Vereinen bereits für Schluckbeschwerden sorgen.

Vielleicht kämen Langenfeld oder Benrath in Frage. Baumberg müsste auf jeden Fall ausweichen, zumal auch andere Bestimmungen nicht erfüllt sind. Beispiel sanitäre Einrichtungen: "Den Heim- und Gastmannschaften und dem Schiedsrichter sind jeweils Kabinen mit ausreichend sanitären Einrichtungen zur Verfügung zu stellen." Wenn Salah El Halimi das liest, denkt er vielleicht an eine Fata Morgana.

Ordnungsdienst/Sicherheit "Zur Wahrnehmung der genannten Aufgabe ist ein Ordnungsdienst einzusetzen, der anforderungsspezifisch auch weibliche Einsatzkräfte einschließen muss. Der Ordnungsdienst ist an besonders sicherheitsrelevanten Orten (neuralgischen Punkten) der Platzanlage, die in Absprache mit der Polizei festgelegt werden, an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines gewerblichen Unternehmens zu übertragen." Folge für jeden Verein: Er muss immer zusätzlich Mitarbeiter "hinzukaufen", also zusätzlich Geld investieren.

Finanzen Im Verbands-Beamtendeutsch heißt das schlicht "Vorlage einer Bankbürgschaft/Bankgarantie/Kaution". Dem WDFV geht es um den "Nachweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit". Umfang und Höhe dieses Nachweises legt der Verband fest. Daraus folgt: Der exakte Betrag ist variabel. Baumberg würde aber schriftlich darlegen müssen, wie es sich die Saison 2018/2019 vorstellt. Und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird es sich nicht um einen nur vierstelligen Betrag handeln.

Gebühren/Beiträge/Schiedsrichterkosten "Von allen Meisterschaftsspielen der Regionalliga hat der veranstaltende Teilnehmer einen Betrag von fünf Prozent der Zuschauereinnahmen zu entrichten, mindestens jedoch 250 Euro pro Spiel." Ein Regionalliga-Schiedsrichter kostet pro Partie pauschal 200 Euro, jeder der Assistenten 100 Euro. In der Addition ergeben diese Summen 650 Euro an reinen "Betriebskosten" - auf den ersten Blick eine Kleinigkeit. Wäre das Spitzenspiel gegen Schonnebeck am Karnevalssamstag eine Regionalliga-Partie gewesen, hätte sich trotzdem bereits ein Minus ergeben. Nicht mal 100 Zuschauer sahen dieses Spiel.

Thema Trainerlizenz "In den Vereinen/Mannschaften der Regionalliga West sind Trainer zu beschäftigen, die mindestens im Besitz einer gültigen A-Lizenz sind. Trainer, die mit ihrer Mannschaft in die Regionalliga West aufgestiegen sind und nicht die erforderliche A-Lizenz besitzen, können diese Mannschaft höchstens für eine Spielzeit weiter trainieren." Träfe genau auf Salah El Halimi zu, der die Sportfreunde nach einem Aufstieg ein Jahr ohne gültige A-Lizenz weiter führen dürfte. Der 41-Jährige hat ohnehin vor, diesen "Dienstgrad" aus Gründen der persönlichen Weiterbildung irgendwann in Angriff zu nehmen.

Zulassungsverfahren "Der Bewerber reicht seine vollständigen Bewerbungsunterlagen innerhalb der im Regionalliga-Statut festgelegten Frist ein." Die Betonung von vollständig führt dazu, dass "die Nachholung unterlassener Erklärungen oder der Austausch von Angaben nach Ablauf der Frist nicht mehr möglich sind." Der Paragraph 7 des Regionalliga-Statuts ist unmissverständlich: "Der Termin zur Abgabe der Bewerbung um die Zulassung zur Regionalliga West und der vollständig einzureichenden Unterlagen ist der 31. März." Damit bleiben interessierten Verein ab heute noch sechseinhalb Wochen Zeit. Wer bisher nicht intensiv plant, dürfte kaum pünktlich fertig werden.

Alle Regelungen, die hintereinander fast ein spannendes Taschenbuch ergeben, sind auf der Homepage des Westdeutschen Fußball-Verbandes als PDF-Dateien verfügbar. Es gibt dort das Liga-Statut der Regionalliga, Durchführungsbestimmungen, Auf- und Abstiegsregelung, Mindest-Sicherheits-Standards und Richtlinien für das allgemeine Zulassungsverfahren.

www.wdfv.de Stichpunkt Spielbetrieb, dort Regionalliga West, Bestimmungen und Regelungen.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Lokalsport: Was Baumberg für die Regionalliga tun muss


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.