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Interview mit Gabriele Müller
Wenn der Kater depressiv ist

Interview mit Gabriele Müller: Wenn der Kater depressiv ist
Was tun, wenn die eigene Katze nicht so erwartungsvoll blickt? FOTO: dpa, ebe soe jhe
Langenfeld. Tierpsychologin Gabriele Müller weiß Rat, wenn es Probleme mit dem Stubentiger gibt. Von Isabel Klaas

Wer eine Problemkatze hat, ist am kommenden Samstag, 21. Mai, von der in Monheim gegründeten Aktionsgemeinschaft für Tiere (AGT) von 11 bis 15 Uhr zu einem Seminar eingeladen. Titel "Unsauberkeit und Markieren bei Katzen". Wir sprachen vorab mit der Tierpsychologin Gabriele Müller, die den Workshop in den Räumen der Sportgemeinschaft Langenfeld (SGL) an der Langforter Straße leitet.

Zuerst die Frage: Wie wird man eigentlich Tierpsychologin? Ein entsprechendes Studium gibt es da nicht, oder?

Müller Tierpsychologie lernt man nicht auf der Uni, sondern an Privatschulen oder per Fernstudium. Ich habe eine Schule in der Schweiz besucht und bin seit 13 Jahren freiberufliche Tierpsychologin. Ich habe selbst Katzen und mich deshalb auf Katzen konzentriert.

Bei Menschen sollen Neurosen, Psychosen und vor allem Depressionen zunehmen. Ist das bei Katzen auch der Fall?

Müller Es gibt heute einfach mehr Katzen, die in Haushalten leben, darunter viele Wohnungskatzen ohne Freigang. Katzen machen Hunden mittlerweile den Rang streitig. Man muss mit ihnen nicht Gassi gehen, sie attackieren keine Kinder, sind in der Regel sauber und freundlich und werden als Sozialpartner immer beliebter. Da brauchen immer mehr Menschen Rat im Umgang mit ihren Tieren, wenn mal etwas nicht klappt.

Was haben denn Katzen, die bei Ihnen auf die Couch müssen?

Müller Katzen sind Individualisten, also ganz unterschiedlich im Charakter. Sie alle sind vor allem aber Jäger und Beutegreifer. Manche mehr, und manche weniger. Es gibt häufig Konflikte in Katzengruppen, weil die Tiere sich nicht leiden und in einer Wohnung nicht aus dem Weg gehen können. Wir haben auch neue Fälle von ungewöhnlich aggressiven Katzen, die zwicken nicht nur, sondern beißen richtig zu. Es gibt auch Tiere, die sind autoaggressiv, beißen und verletzen sich selbst oder urinieren außerhalb der Toilette. Manche Tiere schlafen nur noch, fressen wenig und spielen nicht mehr. Die sind richtiggehend depressiv. Da muss man nach dem Auslöser suchen.

Und findet man den immer?

Müller Oft, aber nicht immer. Manche Katzen wollen einfach nur raus. Denen ist die Wohnung zu langweilig. Manche werden drinnen gereizt und genervt und kratzen an den Wänden. Andere sind lieber allein, als mit anderen Katzen zusammen. Manchmal müssen wir auch empfehlen, ein Katzewegzugeben, damit sie sich draußen ausleben kann.

Gibt es eigentlich Psychopharmaka für Katzen?

Müller Oh ja. Es gibt entweder etwas zum Dämpfen oder um die Stimmung zu heben. Katzen, die wahnwitzig ängstlich (.....) sind, bekommen dann etwas, das den Serotoninspielgel hebt. Die Wirkstoffe kommen oft aus der Humanmedizin und werden für dieTiere dosiert. Solche Medikamente verschreibt der Tierarzt. Die Einnahme muss gut begleitet werden von einem Arzt.

Aber es gibt auch andere Methoden, eine Katze glücklich oder stubenrein zu machen?

Müller Durchaus, mit viel Beschäftigung und Zuwendung und eventuell auch einer Änderung der Toilettensituation. Man muss aber auch schauen, ob organisch alles in Ordnung ist. Deshalb arbeite ich eng mit Tierärzten zusammen. Unsauberkeit bei Katzen kann (noch)viele Ursachen haben. Meistens lässt sich aber dagegen wirkungsvoll etwas unternehmen.

Quelle: RP
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