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Terror-Alarm in New York: Ich rannte um mein Leben

Leverkusen: Terror-Alarm in New York: Ich rannte um mein Leben
FOTO: afp ap rtr
Leverkusen. Der Polizei-Verwaltungsbeamte Gerd Stümper hat eine Terrorpanik auf dem Flughafen JFK erlebt. Sie lässt ihn bis heute nicht los. Von Peter Clement

York Wenn Gerd Stümper heute in einer Abflughalle sitzt, durch den Wartebereich eines Bahnhofs geht, überhaupt - sich inmitten einer größeren Menschensansammlung aufhält, reagiert er anders als früher. "Ich bin deutlich sensibler für alles geworden, was sich von der der Normalität abhebt", sagt der Verwaltungsbeamte, der bei der Kreispolizei Rhein-Berg arbeitet: "Ein ungewöhnliches Geräusch, eine Bewegung, die dort nicht hingehört - das registriere ich schneller und bin auf der Hut."

Eine mehr als verständliche Reaktion: Immerhin fand sich Gerd Stümper am 15. August dieses Jahres zum Ende einer mehrtägigen Städtereise nach New York plötzlich inmitten eines Terror-Alarms am Flughafen John F. Kennedy wieder. Und was er dort über Stunden hinweg erlebte, hat ihn geprägt.

Diese Aufnahme lieferte tagesschau.de seinerzeit vom Vorplatz des New Yorker Flughafengebäudes. FOTO: ap, afp. reuters, getty

In der deutschen "Tagesschau" hieß es damals unter anderem: "Am New Yorker Flughafen John F. Kennedy sorgten Berichte über mögliche Schüsse für Unruhe, zwei Terminals wurden geräumt. Die Polizei teilte inzwischen mit, keine Patronenhülsen gefunden zu haben." Weiter hieß es: "Augenzeugen berichteten von vorübergehendem Chaos in dem Terminal. Sicherheitspersonal versuche nun, Eltern und Kinder, die dabei getrennt wurden, wieder zusammenzubringen."

Der Augenzeuge Stümper zeigt mit seiner Schilderung, wie verharmlosend die nüchterne Nachrichtensprache mit so einem Ereignis umgeht. Er sortierte Fotos, als von jetzt auf gleich hunderte Menschen auf ihn zuliefen. Sie schrien angsterfüllt bis hysterisch, so dass den Wartenden überhaupt keine Sekunde des Nachdenkens blieb. In Panik sprangen alle auf, ließen ihre Habseligkeiten zurück und rannten mit.

Das Schlimmste für alle: überhaupt nicht zu wissen, was eigentlich los ist, ob und wo sich eventuell Terroristen im Gebäude aufhalten. FOTO: Diana Brooksafp ap rtr

"Auch ich ließ das Handy fallen und rannte um mein Leben", erinnert sich der Familienvater, für den es am schlimmsten war, "überhaupt nicht zu wissen, was eigentlich los ist, ob und wo sich eventuell Terroristen im Gebäude aufhalten."

Stümper sah beispielsweise, nachdem ihn die Welle der Flüchtenden aufs Rollfeld gespült hatte, dass Zurückgebliebene mit erhobenen Händen an den Terminalfenstern standen: "Ich wusste zu diesem Zeitpunkt ja nicht, dass das FBI mit vorgehaltener Waffe dort alles durchsuchte und die Leute deshalb die Hände hochnahmen", sagt er.

Gerd Stümpers Alptraum endete erst 24 Stunden später, als er endlich im nächsten Flieger saß. FOTO: afp ap rtr

Als endlich Security-Kräfte des Flughafens auf den Plan traten, wurden hunderte Menschen zurück zur Einreisehalle geführt, die nach kurzer Zeit proppenvoll war. Nun begann eine außerplanmäßige erneute Einreiseprozedur. Glücklicherweise hatte Gerd Stümper seinen Pass dabei, doch der erste Versuch der Einreise scheiterte, weil in der Halle erneut Panik ausbrach. Als alle Formalien schließlich erledigt waren, musste er registrieren, dass Lufthansa seinen Flug gestrichen hatte. Ein Alptraum, der erst 24 Stunden später endete, als er endlich im nächsten Flieger saß.

Gegenüber "PIN", der Mitarbeiterzeitschrift der Kreispolizeibehörde, hat Gerd Stümper seine Erlebnisse jetzt geschildert. Dort kündigt er auch an: "Ich werde weiter mit Flugzeugen reisen, aber bestimmt beim nächsten Mal mein ganzes Umfeld mit Argusaugen beobachten." So etwas wie in den USA wolle er nie wieder erleben: "Ich weiß nicht, wie sich Todesangst anfühlt", ergänzt Stümper gegenüber unserer Redaktion: "Aber was wir alle auf diesem Flughafen erlebt haben, kommt ihr ziemlich nahe."

Quelle: RP
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