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Leverkusen
Lautstarkes Misstrauen gegen A1-Planer

A1 bei Leverkusen: Lautstarkes Misstrauen
Kein leichter Job: Oberbürgermeister Uwe Richrath (3. von links) hatte mit der Sitzungs-Führung gestern jede Menge zu tun. FOTO: uwe miserius
Leverkusen. Im Stadtrat wurden die Experten von Straßen.NRW am Montag heftig attackiert - vor allem aus den Zuschauerreihen. Von Peter Korn

Eine große politische Überraschung verkam Montagabend in der Sitzung des Leverkusener Stadtrats fast zur Randnotiz: Der in den vergangenen Tagen veröffentlichte "gemeinsame" Antrag von CDU, OP Plus und Grünen, beim Neubau der Leverkusener Rheinbrücke auf zusätzliche Fahrspuren zu verzichten und das neue Bauwerk lediglich um Standstreifen zu verbreitern, entpuppte sich als Bündnis-interne Luftnummer, hinter der offenbar nur die Grünen wirklich standen.

Protestaktion eins: Zahlreiche Bürger demonstrierten mit Plakaten für eine Tunnel-Lösung. FOTO: Miserius, Uwe (umi)

CDU und die Opladener Wählergemeinschaft zogen die schriftlich veröffentlichten Aussagen jedenfalls zurück und sprachen von Missverständnissen in der Abstimmung. Aus CDU-Kreisen verlautete am Rande der Sitzung, man habe überhaupt kein Interesse, sich mit einer Festschreibung der derzeitigen Kapazität der Rheinbrücke "den Dauerstau zu zementieren" geschweige denn an den Realitäten des immer weiter steigenden Verkehrs am Leverkusener Kreuz vorbei zu planen.

Wer da vorgeprescht ist, und welche Konsequenzen das womöglich für die weitere Zusammenarbeit hat, das alles ging gestern jedoch in Geschrei und massiven Anschuldigungen unter, die sich die Vertreter des Landesbetriebs Straßenbau (Straßen. NRW) vor allem aus dem Publikum im voll besetzten Ratssaal gefallen lassen mussten.

Protestaktion zwei:CDU-Ratsherr Rüdiger Scholz (rechts) überreicht Straßen.NRW-Projektleiter Thomas Raithel zwei Stelzen. FOTO: Miserius, Uwe (umi)

Die Landesplaner waren gekommen, um Ergebnisse der Machbarkeitsstudie für den zweiten Bauabschnitt zu präsentieren, in dem es auch um die Entscheidung geht, ob Leverkusen eine ausgebaute Stelzen- Autobahn oder eine Tunnellösung bekommt. Dabei schnitten die vorgestellten Tunnel-Varianten allesamt schlechter ab." Sie haben doch schon längst eine Vorzugsvariante und präsentieren uns hier bewusst Daten, die den Tunnel schlecht aussehen lassen", lautete ein Vorwurf.

Auch Bürgerlisten-Fraktionschef Erhard Schoofs unterstellte dem früheren Chefplaner Christoph Jansen und seinem Nachfolger Thomas Raithel, sie hätten Kosten für eine Tunnelvariante deutlich zu hoch angesetzt: "Wir haben auch mit Experten gesprochen und Tunnelbauern, die auf deutlich weniger Kosten kommen", behauptete er. "Die können auch Ihnen gerne mal ein Gutachten erstellen", bot Schoofs an.

Spezialgruppe kontrolliert an A1-Rheinbrücke FOTO: irz

Vor allem der von Straßen.NRW geplante Eingriff in die Altlasten-Deponie Dhünnaue sorgte für Emotionen im Saal. Die von den Planern versprochene Sicherheit für Arbeiter und Bevölkerung sei schlichtweg nicht kalkulierbar, hieß es. Insbesondere der ehemalige Grünen-Funktionär Klaus Wolf und der Ingenieur Rolf Kraneis brüllten mehrfach ihre Meinung laut in den Saal und ließen sich auch von Aufforderungen des Oberbürgermeisters, sich an die Hausordnung zu halten, nicht bremsen. Kraneis warf den Straßen.-NRW-Experten sogar Gesetzesbruch vor.

Ein Riss ging auch durch manche Partei. So stellte sich etwa Dr. Hans Klose gegen seine Mitstreiter aus der SPD, die das Projekt grundsätzlich unterstützen und sich dem von der Stadtverwaltung vorgelegten Resolutionsentwurf anschlossen. Der befürwortet zwar auch den Tunnel, stellt aber die Planung nicht grundsätzlich infrage. Ebenso schloss sich die CDU trotz einiger Vorbehalte an.

Das brachte am Ende zwar eine deutliche Mehrheit, aber keineswegs Frieden in den Saal. Das Projekt bleibt massiv umstritten.

Quelle: RP
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