| 00.00 Uhr

Leverkusen
Lebensgroße Puppen aus Quettingen als Krimi-Stars

Leverkusen. Unbeweglich sitzen sie im Gerichtssaal und warten darauf, dass Produzent Oliver Berben das Startsignal für die Produktion des Fernsehkrimis "Terror" gibt. Sie, das sind keine Menschen, sondern zehn Puppen. Rentnerin Heide Balke hat sie in ihrer kleinen Quettinger Wohnung angefertigt und jetzt gegen Gebühr verliehen. Nicht zum ersten Mal. Denn einige von ihnen saßen bereits im Berliner Wirtschafts-Ministerium, im Rollstuhl eines örtlichen Sanitätshauses oder im Oldtimer auf der Essener Messe "Techno-Classica". Heidi Balke ist die einzige Puppenmacherin Deutschlands, die lebensgroße, voll bewegliche Puppen ausleiht. Auch an Privatleute. Von Gabi Knops-Feiler

Mit Beginn des Ruhestandes suchte die ehemalige Fachverkäuferin, die als Kind mit den Eltern aus Bayern nach Quettingen kam und die zeitweilig in Burscheid lebte, nach einer neuen Aufgabe. Ihre Mutter bastelte Puppen, also tat sie es ihr nach. Doch im Laufe der Jahre wurden Balkes Puppen immer größer. Inzwischen messen sie zwischen 1,60 und 1,90 Meter und wiegen rund zwölf Kilo. In der Puppen-Großfamilie gibt es auch ein Kleinkind und ein Baby. Bis ein Fahrdienst die Puppen zuletzt abholte, ruhte der Säugling auf dem Schoß eines Polizisten. Diesen Wachmann fuhr Balke eine Weile in ihrem Auto spazieren und amüsierte sich köstlich über die Reaktion der Leute, sobald sie den Beifahrer in Uniform entdeckten.

Entdecken mussten sie mangels Vorbild ebenfalls, wie sich solch' große Puppen anfertigen lassen. Die Autodidaktin fand es heraus. Und sie lernt immer noch. Insgesamt benötigt sie für eine Figur, die aus 35 Metern Maschendraht gebaut und mit 90 Metern Vlies umwickelt wird, rund drei Monate. Bislang verwendete sie die Hände von Schaufensterpuppen. Jetzt fand sie eine Möglichkeit, echt aussehende Hände zu modellieren, die nicht brechen. Die Köpfe sind aus Styropor. Gesichter werden mit lufttrocknender Masse modelliert und mit Hautfarbe angemalt. Mundgeblasene Augen bezieht sie aus Ostdeutschland. Wimpern werden angeklebt. Schwierig sind die Ohren. Allerdings sollen die Puppen nicht perfekt aussehen. "Es gibt ja auch keine perfekten Menschen", begründet Balke. Eigentlich mag sie ältere Gesichter ohnehin viel lieber. Weil sie dann weniger glatt schleifen muss. Und weil sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen kann. Die kahlen Köpfe werden mit Perücken bedeckt. Die Kleidung kommt vom Trödel. In welches Gesicht sie das erste echte Gebiss vom Zahnarzt einarbeitet, weiß sie noch nicht. Was sie mit dem Honorar anfängt, hingegen schon: "Ich werde für das Kinderhilfswerk "Plan International" eine Ziege kaufen." Der Constantin-Film "Terror" mit prominenter Besetzung kommt im Herbst ins Fernsehen. Er wird von der ARD um 20.15 Uhr gesendet.

www.puppen-verleih.de

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Leverkusen: Lebensgroße Puppen aus Quettingen als Krimi-Stars


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.