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Leverkusen
Schützen wehren sich gegen Pegida

Leverkusen: Schützen wehren sich gegen Pegida
Bundesschützenmeister Emil Vogt aus Leverkusen distanziert sich von den Werbebriefen, die Pegida-Anhänger an Bruderschaften geschickt haben. FOTO: BHDS
Leverkusen. Der Leverkusener Bundesschützenmeister Emil Vogt ist entsetzt über Anwerbeversuche von Pegida-Anhängern, die die Schützen für ihre Zwecke gewinnen wollen. Bruderschaften verstehen sich laut Vogt aber als Beschützer für Flüchtlinge. Von Gundhild Tillmanns

Vor einer Instrumentalisierung ihres Heimatbegriffes durch rechtsfundamentalistische Pegida-Anhänger (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) wehrt sich der Leverkusener Emil Vogt. Der neue Bundesschützenmeister musste erfahren, dass aus Reihen der Pegida einige Bruderschaften im Neuss-Grevenbroicher und Hildener Raum angeschrieben wurden. "Wir lassen unseren Grundsatz Glaube, Sitte, Heimat nicht von Pegida missbrauchen!", betont Vogt als Chef von 1300 Schützenbruderschaften mit 400.000 Mitgliedern, die im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) zusammengefasst sind. Gestern distanzierte sich "Pegida NRW" von den Schreiben, die offenbar aber von einigen Pegida-Anhängern stammen.

In einer Solidaritätserklärung für Flüchtlinge bezieht Vogt jetzt Stellung gegen diese Werbekampagne bei Schützenvereinen. Mit Briefen ohne persönlichen Absender versuchten Pegida-Anhänger die "lieben Schützen" für ihre Ziele zu gewinnen. "Ich bin entsetzt, dass Pegida-Anhänger unser Leitwort ,Glaube, Sitte, Heimat' für ihre Zwecke missbrauchen", sagt Vogt und fügt hinzu: "Unser Bekenntnis ´des Bruder sein ist mehr´ beschränkt sich nicht auf die Schützenfamilie. Unsere Vereinigungen geben allgemein Heimat - auch und besonders Flüchtlingen." Der Leverkusener betont, dass die Bruderschaften in ihrem sozialen Verständnis "Schutz gewähren, dem der Schutz braucht." Er bedankt sich in seiner Funktion als Bundesschützenmeister ausdrücklich bei den Bruderschaften und Vereinen im Land, die sich engagiert für die Flüchtlingsbetreuung einsetzen. Mit dieser Ansage an die Bruderschaften, die Öffentlichkeit und der deutlichen Absage an Pegida-Anhänger will sich Vogt heute auch bei der Präsidiumssitzung in Monheim positionieren: "Wir haben mit Pegida und dem, was die unter Heimat verstehen, nichts gemein", verdeutlicht Vogt.

Nur durch Zufall seien in Leverkusen noch keine solchen Anschreiben bei den Bruderschaften eingegangen, sagt der Bundesschützenmeister. Einige der Rechtspopulisten sollen sich mehr oder weniger nach dem Zufallsprinzip aus dem Internet Adressen von Schützenbruderschaften besorgt haben. "Die haben das Wort Heimat in unseren Grundsätzen gelesen und gemeint, sie könnten bei uns mit aufspringen. Das werden wir auf keinen Fall zulassen", sagt der Bundesschützenmeister. Vor Pegida warnt aktuell übrigens auch Bundesjustizminister Heiko Maas. Alleine in diesem Jahr werden dieser Gruppierung 500 Anschläge auf Flüchtlingseinrichtungen zur Last gelegt. In dem Brief an etliche Bruderschaften, der unserer Redaktion vorliegt, heißt es unter anderem: "Wir freuen uns auf Sie!" - Die Bruderschaftler werden damit auch zur Teilnahme an den Pegida-Montagsdemonstrationen in Duisburg aufgefordert. Zu ködern versuchen die Pegida-Anhänger die Bruderschaften auf subtile Weise unter Vorhalt ihrer eigenen Grundsätze. So heißt es in dem Schreiben: "Liebe Schützen, unsere Schützenvereine in Deutschland haben sich ... die Bewahrung der Tradition auf die Fahne geschrieben, oft unter dem Leitsatz Glaube, Sitte, Heimat...leider sind diese Traditionen... durch zur Zeit stattfindende unkontrollierte Masseneinwanderung, oft von Einwanderern anderer Glaubensrichtungen, in Gefahr."

Diese Haltung, gegen die sich die Bruderschaften mit ihrer Resolution morgen ganz klar im Präsidium abgrenzen wollen, steht auch im absoluten Gegensatz zu der Leitbilddebatte, die der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften jüngst angestoßen hat. Dazu hat Emil Vogt bereits gegenüber unserer Zeitung erklärt, die Integration sehe der BHDS auch mit Blick auf die Zuwanderung von Flüchtlingen als grundlegende Zukunftsfragen an.

Quelle: RP
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