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Leverkusen
Siebenschläfer-TV wird weltweit geguckt

Leverkusen: Siebenschläfer-TV wird weltweit geguckt
Nä, wat gemütlich: Drei Siebenschläfer proben in einem der im Stadtgebiet angebrachten Nistkästen schon mal für den Winterschlaf. Der kann übrigens länger als sieben Monate dauern. FOTO: Hans-Martin Kochanek
Leverkusen. Das "Projekt Siebenschläfer" sammelt Spenden für eine nächste Runde 2017. Die Förderung läuft nun aus. Rekordjahr bereiten die kleinen Nager sich auf ihren monatelangen Winterschlaf vor. Von Julia Zuew

Silbernes, flauschiges Fell, ein buschiger, langer Schwanz, süße Knopfaugen und ein niedlicher Schnurrbart: Siebenschläfer bestechen vor allem mit ihrem putzigen Wesen. Doch die kleinen Nager sind auch wahre Überlebenskünstler.

Mit ihrem niedlichen Nachwuchs haben sich die Siebenschläfer aus Leverkusen ihren Platz in vielen Herzen erschlichen: In den vergangenen fünf Monaten haben rund 25.000 Zuschauer per Webcam - dem Siebenschläfer-TV - das Leben der heimischen Nager und ihres Nachwuchses mitverfolgt, berichtet Regine Kossler, Biologin und Sprecherin des Naturschutzbundes (Nabu) Leverkusen.

Regine Kossler vom Nabu hat übers Siebenschläfer-TV die "Tandem-Geburt" im Nistkasten entdeckt. FOTO: Hans-Martin Kochanek

Das Projekt hat sich bereits in 44 Ländern herumgesprochen und Fans gefunden. Wie im Jahr zuvor hatte auch in diesem Jahr der Nabu Leverkusen im Stadtgebiet Nisthilfen aufgehängt, die mit Kameras bestückt wurden und den Siebenschläfern als Behausungen dienen.

Ein Glanzpunkt war die "Tandem-Geburt" im August dieses Jahres: Zwei Mütter teilten sich eine Höhle und brachten insgesamt neun Junge zur Welt (wir berichteten). Ein Ereignis, dass in der Fachliteratur bisher nicht beschrieben worden sei, berichtete Kossler damals. Knapp zwei Wochen vorher hatten die Nager ihren eigenen "Rekord" geknackt: Eine Mutter brachte sechs Tierchen auf einen Streich zur Welt und überbot den Höhepunkt des Premieren-Jahres, die Live-Übertragung der Geburt von vier Jungtieren. Bisher wurde das Projekt von

der Stiftung für Umwelt und Entwicklung (SUE) NRW finanziert. Diese Geldquelle läuft allerdings in diesem Jahr aus - für eine neue "Staffel" Siebenschläfer-TV im kommenden Jahr werden deshalb Spenden gesammelt.

Die Tiere suchen sich mittlerweile langsam einen Platz zum Verkriechen und für ihren Winterschlaf, erklärt Kossler. Dieser kann länger als die berüchtigten sieben Monate dauern - manchmal graben sich die nachtaktiven Tierchen bereits im September bis zu einen Meter tief in die Erde. "Ab etwa 60 Zentimetern Tiefe ist der Boden frostgeschützt", erzählt Kossler. Der Siebenschläfer nimmt dann eine kugelförmige Position ein, um seine Wärmeabstrahlung zu reduzieren. "Der Herzschlag liegt gewöhnlich bei 300 Schlägen, während des Winterschlafes aber bei nur fünf Schlägen pro Minute", erklärt die Biologin. "Und ihre Körpertemperatur senken die Siebenschläfer auf drei bis fünf Grad."

Während des Winterschlafes zehren die kleinen Fellknäuel von ihren im Sommer angefressenen Fettreserven, ehe sie spätestens Anfang Mai aufwachen und sich wieder rausbuddeln. Wenn die pelzigen Nager zu früh wach werden, weil das Fett nicht ausgereicht hat oder sie geweckt wurden, kann es brenzlig werden: "Wenn es nicht genug Futter gibt, weil es noch zu kalt ist, können die Tiere nicht überleben." Sich einfach wieder einrollen und weiterschlafen könnten die Nager zwar - das Aufwachen zehrt aber sehr an den Energiereserven, und oft reicht der Rest nicht aus, um ein zweites Mal aufzuwachen.

Hin und wieder schlagen die tierischen Schlafmützen ihr Winterquartier auf dem Dachboden oder im Keller auf. Es können einzelne Tiere sein, manchmal Gruppen. Wer auf die steifen Knäuel stößt, sollte sie nicht berühren, sagt Kossler. "Jede Bewegung ist ein Impuls zum Aufwachen." Am besten sei es, die Tiere ausschlafen zu lassen. "Wenn die Siebenschläfer allerdings zufällig in der Erde entdeckt werden, zum Beispiel auf einer Baustelle, sollte man diese auf keinen Fall wieder in die Höhle zurücklegen." Wer auf einen Findel-Siebenschläfer stößt, sollte diesen in wissende Hände übergeben, sagt Kossler. "Tierärzte sind eine gute Anlaufstelle, sie können weitervermitteln." Auch in Eichhörnchen-Auffangstationen können Siebenschläfer versorgt werden: "Zwar sind die Tiere unterschiedlich, haben Gemeinsamkeiten. Manchmal ziehen Eichhörnchen auch verwaiste Junge von Siebenschläfern auf." In Leverkusen sei der Wildpark Reuschenberg ebenfalls eine gute Anlaufstelle.

Spenden Siebenschläfer-TV DE11 3755 1440 0104 0008 31, "Projekt Siebenschläfer". Die Webcam bleibt noch bis 16. Oktobergeschaltet. www.nabu-leverkusen.de/wir-ueber-uns/projekt-siebenschlaefer/.

Quelle: RP
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