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Lokalsport
Meister!

Lokalsport: Meister!
Routinier David Kreckler (li.) ist nicht nur am Ball, sondern auch im Umgang mit der Sektflasche geschickt. Nach einer sagenhaften Saison feierten er und die anderen "Pirates" ausgiebig den Titel. FOTO: MISERIUS
Leichlingen. Die Handballer des Leichlinger TV haben den größten Erfolg der Vereinsgeschichte geschafft. Trotzdem war es kein einfacher Abend für Mannschaft und Fans. Die Freude über den Triumph mischte sich mit Trauer über den plötzlichen Tod von Bettina Ditz. Von Moritz Löhr

Kurz nachdem die Champagner-Korken geknallt hatten und der Hallenboden im Smidt-Forum allmählich zu kleben begann, fand Henning Padeken die wohl treffendsten Worte. "Wir blicken auf das Ganze heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge", sagte der Spieler des Handball-Drittligisten Leichlinger TV. Der Spitzenreiter war wenige Momente zuvor durch das 40:27 (20:10) gegen die HSG Varel-Friesland Meister geworden und feierte das standesgemäß. Ein unbestreitbar beklemmendes Gefühl schwang jedoch mit.

Der überraschende Tod von Bettina Ditz erschütterte das Leichlinger Umfeld am Donnerstagmorgen. Die "gute Seele" des Vereins und Chefin des Caterings verstarb im Alter von 49 Jahren und versetzte den LTV ausgerechnet vor dem Heimspiel, das den größten Erfolg der Leichlinger Clubgeschichte brachte, in tiefe Trauer. Nichts war wie sonst. Das wurde auch dadurch sichtbar, dass Leichlingens Coach Frank Lorenzet nicht in der Halle war. Er blieb dem Spiel aus persönlichen Gründen fern. Ditz und Lorenzet standen sich nahe.

Seine Spieler hatten es sich zur Aufgabe gemacht, für die Verstorbene und ihren Trainer zu spielen. Schon beim Einmarsch trugen die "Pirates" ein Banner mit der Aufschrift "Gemeinsam für Lori" mit auf das Feld. "Wir haben heute für ihn gekämpft", sagte Kapitän Tim Hilger nach dem Spiel gelöst. Die verstorbene Ditz würdigten die mit Trauerflor spielenden Akteure vor dem Beginn mit einer Schweigeminute.

Ousse Lajnef und David Kreckler im Huckepack-Jubel-Modus. FOTO: MISERIUS

Einfach wieder in den normalen Betrieb umzuschalten, war für die Zuschauer im folgenden Match nur schwer möglich. Den Spielern gelang dieses Kunststück hingegen umso besser. Eine von Beginn an topmotivierte Vorstellung ließ den Gästen aus Norddeutschland nicht den Hauch einer Chance. Teamkoordinator Jens Buss, der Lorenzet an der Linie vertrat, war begeistert: "Die Mannschaft hatte eine überragende Einstellung."

Mit einem bärenstarken Ante Vukas im Tor setzten sich die Gastgeber frühzeitig ab. "Unglücksrabe" Florian Goerigk setzte mit Treffer Nummer 40 den Schlusspunkt - und schuldet dem Team nun einen Kasten Bier. Er stand nach einer Saison voller Verletzungen endlich einige Minuten auf dem Feld und zeigte Ansprechendes. Die Kosten für den Gerstensaft sind daher wohl verschmerzbar.

"Es war super, dass wir alle Spieler noch einmal einsetzen konnten. Wir sind ein Team, das hat man heute gesehen", meinte Buss. Dieses Team hat den Titel nicht nur geholt, sondern verdient gewonnen. Zu souverän waren die Auftritte der Leichlinger Torproduzenten, die mit elf Treffern am kommenden Samstag, dem letzten Spieltag beim VfL Fredenbeck, die 1000-Tore-Marke knacken können. Das hat - wie das Spiel gegen den Zweiten und ärgsten Verfolger - aber nur statistischen Wert.

Spätestens als gegen Varel-Friesland die Schlussphase begann, waren auch die Leichlinger Fans in Jubelstimmung. Sie peitschten ihre Mannschaft mit Standing Ovations nach vorn. Als dann die Schlusssirene ertönte, lösten sich auch aufseiten der Spieler die Gefühle. Sie bejubelten ihren Triumph lautstark und tauchten in der Menge ab - Champagnerdusche inklusive. Diesen rein sportlichen Glücksmoment haben sich die "Pirates" nach einer sagenhaften Saison verdient.

Leicht war dieser emotionale und ambivalente Abend allerdings für keinen der Beteiligten.

Quelle: RP
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