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Leverkusen
Wie Bilder die Erinnerung beeinflussen

Leverkusen: Wie Bilder die Erinnerung beeinflussen
Künstler Boris Becker zeigt in den Schloss-Remisen Fotos wie aus einem Familienalbum. Sie stammen allerdings nicht nur aus seiner Familie. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Der Kunstverein Leverkusen Schloss Morsbroich eröffnet heute Abend eine Ausstellung des Film- und Fotokünstlers Boris Becker. Von Monika Klein

Das, womit der Fotograf und Filmemacher Boris Becker bekannt geworden ist, sieht man in den Räumen der Kunstvereins Leverkusen Schloss Morsbroich nicht. Normalerweise verbindet man den Namen des Meisterschülers von Bernd Becher mit eher sachlichen Aufnahmen von Architektur und Konstruktion. Menschen spielen kaum eine Rolle, aber die stehen nun bei seiner Ausstellung "Fehlende Erinnerung" im Mittelpunkt, die heute Abend um 19.30 Uhr in den Schloss-Remisen eröffnet wird.

Becker sieht diese Schau als Experiment. Das sei eben der große Vorteil des Kunstvereins. Der könne im Gegensatz zu Galerien und Museen auch Arbeiten zeigen, die sich vielleicht nicht gleich von der Wand weg verkaufen lassen, betont Kuratorin Susanne Wedewer-Pampus.

Im Mittelpunkt der Schau steht eine Wand mit stark vergrößerten Aufnahmen aus einem privaten Fotoalbum der Familie, locker verteilt und mit Nadeln festgesteckt wie an einer Pinnwand. Tatsächlich handelt es sich um Bilder der 50er und 60er Jahre, die Boris Becker mit persönlichen Erinnerungen verbindet, obwohl sie teils vor seiner Geburt aufgenommen wurden. Zu sehen sind Künstler und Schriftsteller der Kölner Szene in der Nachkriegszeit in privaten Situationen. Mittendrin etwa Vater und Schriftsteller Jürgen Becker. Und manchmal der Künstler selbst als kleiner Junge am Rand, etwa mit dem kleinen Dirk Bach und dessen Schwester.

Man könne natürlich einfach die Fotos betrachten, sozusagen als Zeitdokumente, meint Becker, dem es natürlich um mehr geht. Nämlich um die Frage, was eigentlich Erinnerung ausmacht. Sind es die vertrauten Bilder aus dem Familienalbum oder die Geschichten, die drumherum oder beim Anschauen erzählt wurden? Wie korrespondieren sie mit unseren Erfahrungen, Träumen und Wünschen?

Dazu passt der Film im hinteren Raum, so groß auf die Wand projiziert, dass der Betrachter wie in einen Sog hineingezogen wird. Mit der Super-8-Kamera nahm Becker den Film "Marina" 1983 auf. Zu sehen ist eine schlanke junge Frau, die in hochhackigen Schuhen auf einem riesigen Bagger in Knappsack herumklettert. Damals ging es um die Konfrontation von Mensch und (Maschinen-) Architektur. Nach dem Tod der Darstellerin wurde die Arbeit Medium der Erinnerung.

Eine Werkgruppe zeigt Einblicke in Wohnhäuser und Arbeitsplätze. Becker hat bei Dunkelheit von außen in die Räume von Künstlern, Sammlern, Werkstatt oder das Verlagshaus von Freunden hineingezoomt. Dabei benutzte er jedenfalls Teile der Architektur als klare schwarze Begrenzung oder Strukturierung.

"Boris Becker: Fehlende Erinnerung - eine Spurensuche", Eröffnung heute um 19.30 Uhr, bis 23. Oktober im Kunstverein Leverkusen Schloss Morsbroich, Heinemannstraße 80. Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 13 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr.

Quelle: RP
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