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Konverterstandort
Amprion plant weiter mit Kaarst und fordert politisches Signal

Konverterstandort: Amprion plant weiter mit Kaarst und fordert politisches Signal
Die Konverter-Technologie von Innen: Zu sehen ist das Herzstück der Umrichterhallen mit Transistoren, Dioden, Kondensatoren und Spulen. Die Komponenten der Umrichter sind nicht freilufttauglich und werden daher in Hallen untergebracht. Da diese Bauteile im Betrieb außerdem unter Hochspannung stehen, müssen aus Sicherheitsgründen mehrere Meter Abstand zur Decke, zum Boden und zu den Wänden eingehalten werden. Diese Abstände sind maßgebend für die Größe der Konverterhallen. Die Grafik unten zeigt den am Standort Kaarst/Osterath geplanten Konverter im Ganzen. FOTO: Amprion
Meerbusch. In der Standortfrage hat das NRW-Wirtschaftsministerium Vermittlung zugesagt, einen offiziellen Gesprächstermin gibt es noch nicht. Der Netzbetreiber plant derweil weiter mit Kaarst. Von Julia Hagenacker und Dagmar Fischbach

Schaltet sich das Land NRW nun doch noch in die Standortfrage für den umstrittenen Stromkonverter ein und - gibt es hinter den Kulissen womöglich bereits entsprechende Signale? Für Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage ist das die Frage der Stunde. Fest steht: Eine offizielle Einladung gibt es bislang nicht, weder zu einem zuletzt vom Kreistag beschlossenen Runden Tisch unter Beteiligung des Landrats und der von der Konverterfrage betroffenen Kommunen, noch zu einem vom Wirtschaftsministerium in Aussicht gestellten Vermittlungstermin. Den letzten Kontakt und ein entsprechendes Angebot des Landes hat es vor der Sonderratssitzung im August gegeben. Das ist jetzt mehr als zwei Monate her. Am 23. Oktober habe sie deshalb ein Schreiben an Staatssekretär Christoph Dammermann geschickt - um nachzuhaken, sagt Mielke-Westerlage. "Nur weil es noch keine Einladung zu einem Gesprächstermin gibt, heißt das ja nicht, dass in den vergangenen Monaten nichts getan wurde."

Fakt ist: Übertragungsnetzbetreiber Amprion, der den Stromkonverter zur Umwandlung von Gleich- in Wechselstrom und umgekehrt im Umkreis des gesetzlich festgelegten Netzverknüpfungspunktes Osterath errichten will, rechnet nach wie vor mit dem Standort "Dreiecksfläche Kaarst" - trotz einer im Regionalplan vorgesehenen Reservierung der Fläche für Kiesabbau.

"Wir haben in den vergangenen Jahren immer unter dem Vorbehalt geplant, dass sich dieses Hindernis möglicherweise nicht auflösen lässt, aber die Dreiecksfläche in Kaarst ist und bleibt unser favorisierter Standort", sagt Amprion-Sprecherin Joëlle Bouillon. "Aktuell sitzen alle Ingenieure an den Plänen für Kaarst. Sollte sich das Vorhaben dort nicht realisieren lassen, müssen wir das bald wissen, darum rechnen wir in absehbarer Zeit mit einem konkreten politischen Signal - und fordern das auch ein." Dass dieses Signal wahrscheinlich nicht vom Regionalrat kommen werde, der eine mögliche Freigabe beziehungsweise ein Offenhalten der Kiesfläche für einen Konverterbau abgelehnt hat, sei absehbar, sagt Bouillon. Gebe es kein Signal, müsse Amprion umplanen. Nach der Dreiecksfläche in Kaarst ist Osterath der nächste favorisierte Konverterstandort.

So oder so, aus Sicht der Kaarster Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus entspricht der bisherige Planungsverlauf in keiner Weise einem ordentlichen Verfahren: Regionalplanung funktioniere nicht nach dem Prinzip "Wünsch-Dir-Was", sagt Nienhaus. "Amprion ignoriert weiterhin die politischen Beschlüsse im Lokalen und der Regionalplanungsbehörde. Es ist ganz eindeutig so, dass Amprions Standort-Gutachten fehlerhaft ist und die darin festgelegten Standorte also keine Grundlage für eine abschließende Planung sein können." Die Stadt Kaarst habe einen Runden Tisch aller Beteiligten angeboten, um das Verfahren endlich einem ordnungsgemäßen Verlauf zuzuführen. "Die jüngste Einlassung von Amprion zeigt mir jedoch, dass Amprion offenbar kein Interesse an einem solchen Verfahren hat."

Quelle: RP
 
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