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Meerbusch
Fluglärmgegner warnen vor Routenverschiebung

Meerbusch: Fluglärmgegner warnen vor Routenverschiebung
Ein Airbus 380 am Montagmittag über dem Kirchturm von St. Mauritius Büderich. 71 Prozent der Flieger über Meerbusch überqueren Büderich. FOTO: U. D.
Meerbusch. Die Initiative "Bürger gegen Fluglärm" spricht sich gegen eine Verlagerung von Flugrouten über Meerbusch auf. Der Fluglärm habe sich deutlich erhöht, sagt Initiativenchef Christoph Lange. Von Sebastian Peters

Christoph Lange und Khaled Hussein, die Vorsitzenden der Initiative "Bürger gegen Fluglärm", warnen davor, die Meerbuscher Stadtteile durch eine neue Diskussion über Routenverlagerungen auseinander zu dividieren. Am Rande der jüngsten Ratssitzung, bei der der Düsseldorfer Airportchef Ludger Dohm sprach, gab es Appelle einzelner Bürger, dass der Rat einen neuen Beschluss fassen sollte - ohne diesen Beschluss können die Flugrouten nicht verändert werden, denn Stand jetzt gilt der alte Meerbuscher Ratsbeschluss, dass bei Routenveränderungen keine neuen Stadtteile geschädigt werden dürfen. Christoph Lange sagt jetzt: "Über Alternativrouten wollen wir nicht sprechen. Die Erfahrung zeigt: Hinterher geht es vielen schlechter, kaum einem besser. Ein Auseinanderdividieren Kirchturm A gegen Kirchturm B hilft am Ende nur dem Flughafen."

Vor einer Woche hat der Meerbuscher Rat die Fluglärmbelastung diskutiert. Airport-Vertreter informierten mit Vertretern der Deutschen Flugsicherung und eines Lufthansapiloten. Bei den Fluglärmgegnern wirkt der Vortrag nach - gestern diskutierten sie im Hotel zur Krone. "Lärm macht krank, das kann man nicht kleinreden", sagt Khaled Hussein, der dem Flughafenchef Verharmlosung vorwirft.

Kritisch gesehen wird von den Fluglärmgegnern insbesondere die Aussage des Flughafenchefs Dohm, dass der Lärm in den vergangenen 30 Jahren tendenziell abgenommen habe. Dohm argumentiert, dass in diesem Zeitraum der wahrgenommene Lärm sich um 10 dB(A) verringert habe - dies bedeute eine Halbierung des empfundenen Lärms. "Diese Zahlen sind Augenwischerei", sagt jetzt Christoph Lange.

Nach den vom Flughafen vorgelegten Werten sei der Fluglärm in den letzten zehn Jahren erheblich gestiegen. So sei in Büderich der berechnete Dauerschallpegel von 59,3 (db(A) im Jahr 2004/2005 auf 61,5 dB (A) im Jahr 2014/2015 angestiegen. Die Zahlen für Lank (Lärmmesspunkt 6 im Westen des Stadtteils) sind demnach von 42,5 dB(A) auf 45,4 dB(A) gestiegen - um 2,9 dB(A). "Dazu muss man wissen, dass eine Steigerung von 3 dB(A) eine Verdoppelung des empfundenen Lärms bedeutet", sagt Christoph Lange. "Diese Zahlen sollte man vergleichen mit dem dreimal größeren Flughafen Frankfurt, dort weist die lauteste Messstelle Werte um 61 dB(A) aus. In Büderich ist es also lauter." Lange hält den vom Flughafen Düsseldorf berechneten Dauerschallpegel ohnehin für die unpassende Beurteilungsgröße. Es müssten vielmehr die einzelnen Lärmereignisse, deren Häufigkeit und die zeitliche Verteilung betrachtet werden. Und diese würden stark zunehmen, insbesondere früh morgens und spät abends. Nach 23 Uhr solle eigentlich kein Flieger mehr landen.

Fluglärmgegner Christoph Lange hält es aber für durchaus prüfenswert, die Flughöhen über Lank zu verändern. "80 bis 100 Flieger fliegen täglich über das Lanker Krankenhaus. Wenn einige wenige eine Mindesthöhe nicht schaffen, so könnten die anderen aber höher fliegen. Es kann nicht sein, dass Spritsparen mehr Lärm als nötig erzeugt." Er rät, die Airlines direkt anzuschreiben, weil laut Flugsicherung keine Vorgaben gemacht werden könnten. "Immerhin: Die neue Messstelle verringert zwar nicht den Lärm, misst aber deutlich mehr als vorher. Und mit dem A340 und ab Herbst mit dem A350 statt des A330 sind die größten Krachmacher schon mal weg. Dennoch brauchen wir noch stärker lärm- und zeitenabhängige Start- und Landegebühren als Anreiz, möglichst lärmarm zu fliegen."

Die geplante Kapazitätserweiterung sehen die Fluglärmgegner sehr kritisch. Der Flughafen könne schon jetzt rund 260.000 Flugbewegungen pro Jahr planen, nutze aber nur 210.000, also 80 Prozent des Erlaubten. Würde die Kapazitätserweiterung genehmigt, würden Lärm und Abgase in Spitzenzeiten um mehr als 30 Prozent steigen, fürchtet Christoph Lange.

Quelle: RP
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