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Meerbusch
Von Rittergütern zum Landkreis

Meerbusch: Von Rittergütern zum Landkreis
Die Böhler-Stahlwerke im Jahr 1927. Seit 1993 ist das "Areal Böhler" in Büderich ein bekanntes Lager- und Veranstaltungsgelände. FOTO: Kreisarchiv
Meerbusch. Seit 1975 gibt es den Rhein-Kreis Neuss mit seinen acht Kommunen: Auf die bewegte Geschichte der Region und ihrer Verwaltung seit 1816 blickt nun der Heimatkreis Lank in einem Vortrag zurück. Von Monika Götz

Am 27. März 1831 wurden 25 Rittergüter aus den Kreisen Neuss und Grevenbroich in die Grundliste aufgenommen. Auch die Bürgermeisterei Lank im Kreis Krefeld war mit Haus Pesch, Haus Gripswald und Haus Latum gleich dreifach vertreten. Heute gehören das Landgut und die Herrenhäuser zu Meerbusch und damit in den Rhein-Kreis Neuss. Der Weg der Region von einzelnen Gütern bis zu einem großen Kreis war lang und begann 1816 unter preußischer Herrschaft.

Dass sich der Rückblick lohnt, machte jetzt Kreisarchivar Stephen Schröder in einem Vortrag für den Heimatkreis Lank deutlich. Unter dem Titel "Von der preußischen Obrigkeit zur bürgerlichen Selbstverwaltung" erfuhr das Publikum in der Teloy-Mühle, dass die Preußen Ende April 1816 mit der Einrichtung von Kreisen den Grundstein zum heutigen Rhein-Kreis legten.

Der erste direkt gewählte Landrat des Rhein-Kreises Neuss: Dieter Patt. FOTO: Archiv Rhein-Kreis Neuss

Der Wandlungsprozess seitdem ist gewaltig. Immer wieder gab es in der Kreiseinteilung Veränderungen. Als Vorgänger des heutigen Gebildes gelten der Kreis Grevenbroich mit damals knapp 26.000 Einwohnern und der Kreis Neuß mit rund 28.000. Die Bürgermeisterei Lank mit anfangs 1.378 Einwohnern war im Kreis Krefeld verankert. Im Mai 1887 schließlich beschrieb die Kreisordnung für die Rheinprovinz eine Zäsur in der Kreis-Geschichte. "Nicht ohne Grund sprechen Historiker bisweilen von der 'Geburtsstunde der modernen Kreisverfassung'", sagt Stephen Schröder.

Er beleuchtete in seinem Vortrag außerdem den Industrialisierungs-Prozess rund um den Ersten Weltkrieg und führte die Ansiedlung des Stahlwerks Böhler & Co. in Büderich an. Die Folgen des Zweiten Weltkriegs für den damaligen Landkreis Grevenbroich-Neuß waren gravierend. Nicht nur die Beseitigung der Kriegsschäden wurde gestemmt, auch Vertriebene und Flüchtlinge (knapp 25.000 bis 1955) aus den Ostgebieten mussten versorgt werden.

Haus Gripswald, ein Rittergut der Bürgermeisterei Lank im Kreis Krefeld. FOTO: Archiv Rhein-Kreis Neuss

Eine Flurbereinigung im Rahmen der Anpassung administrativer Strukturen an moderne Bedürfnisse der Zeit machte aus den mehr als 30 selbstständigen Gemeinden 1975 den Kreis Neuss mit acht leistungsstarken Kommunen; darunter auch die am 1. Januar 1970 gegründete Stadt Meerbusch mit ihren acht Ortsteilen. Erster direkt gewählter Landrat wurde 1999 Dieter Patt. Er begleitete im Juli 2003 die Umbenennung in Rhein-Kreis Neuss. Der insgesamt positive Wandlungsprozess ist in Zahlen belegbar. Gab es 1945 im Kreisgebiet nur eine Realschule und ein Kreisgymnasium, sind es heute 14 Realschulen und 17 Gymnasien. Auch die Zahl der Verwaltungsbeamten stieg von 29 im Jahr 1947 auf 116 in 1966. "Die Kreise haben sich in den 200 Jahren grundlegend gewandelt - von einem mit sehr überschaubaren Ressourcen ausgestatteten Instrument der preußischen Obrigkeit zu einer leistungsstarken, ausdifferenzierten bürgerlichen Selbstverwaltungskörperschaft", fasst Stephen Schröder zusammen.

Quelle: RP
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