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Mettmann/Schöller
Der Bomber-Absturz über Schöller

Mettmann/Schöller: Der Bomber-Absturz über Schöller
Marcel Lesaar hat bei den Recherchen zu seinem Buch Kontakt zu Familienangehörigen der Crew in Kanada und England aufgenommen. Die Verwandten reagierten durchweg positiv auf seine Forschungen und halfen weiter. FOTO: DJ
Mettmann/Schöller. Marcel Lesaar hat den Abschuss eines britischen Lancaster-Flugzeuges im Mai 1944 erforscht. Von Christoph Zacharias

Marcel Lesaar (49) aus Mettmann hat sich erneut auf Spurensuche begeben. Vor zwei Jahren hatte er das Schicksal einer britisch-kanadischen Halifax-Bomberbesatzung erforscht und gelöst, die im Dezember 1943 über dem Benninghof abgeschossen worden war.

"Durch Zeitzeugen bekam ich damals den Tipp, dass auch über Schöller ein Bomber der Royal Air Force abgestürzt war", sagt Lesaar. Im Dezember 2013 führten ihn Augenzeugen zu einem Waldstück unweit des schmalen Weges zwischen Schöller und Gruiten. "Bei einer ersten Oberflächensuche konnten wir bereits ein Aluteil finden, das auf dem Laub lag. Es war eindeutig einem Flugzeug zuzuordnen."

Mit Metalldetektoren suchten Lesaar und seine Helfer, alle ehrenamtliche Mitarbeiter des Amtes für Bodendenkmalpflege, ein Areal von 50 mal 50 Meter ab. Lesaar spürte mehrere kleine Teile auf. Darunter auch ein Trümmerstück mit einer Nummer, die sich im Teile-Katalog einer Lancaster-Maschine wiederfindet. Das Puzzlespiel ging weiter: Lesaar fand durch intensive Recherche heraus, um welche Maschine es sich bei dem abgeschossenen Bomber handelte. Es war die Lancaster NE 114 der 166. Staffel. Ein schwerer viermotoriger Bomber der Royal Air Force. Er ist 21 Meter lang, sechs Meter hoch und hat eine Spannweite von rund 31 Metern.

Lesaar fand durch monatelange Forschungen heraus, dass sich die siebenköpfige Besatzung am 22. Mai 1944 auf einem Nachtflug von England nach Deutschland befunden hatte. Der Verband sollte die Stadt Dortmund bombardieren. Die Crew bestand aus dem Piloten Harry R. Moncrieff (26) Kanada, Bombenschützen William P. Chandler (28) Kanada, Navigator Denis Asquith (21), England, Funker Samuel Flavell (29) England, Bord-Ingenieur John Notley (19), Turmschütze William F. Shead (20) England, und dem Heckschützen Charles Keith Wynn (20) England.

Lessar beschreibt in seinem Buch die fürchterlichen Folgen dieses nächtlichen Bombenangriffs auf Dortmund. 514 Menschen wurden getötet, 1.867 verletzt. Insgesamt fielen 1.656 Tonnen Bomben in dieser Nacht auf die Stadt. Die Lancaster NE 114 hatte gerade ihre tödliche Last abgeworfen und befand sich auf dem Rückflug. Es ist nicht ganz geklärt, wer die Maschine abschoss. In der Nacht waren deutsche Nachtjäger im Einsatz. Möglicherweise wurde die Lancaster von einen Nachtjäger abgeschossen oder eine Flak (Flugabwehrkanone) schoss die Lancaster ab. Jedenfalls versuchte der Pilot, kurz nach dem Bombenabwurf noch mit Ausweichbewegungen den Nachtjägern zu entgehen. Doch die Geschosse zerrissen wenig später die Maschine.

Die letzten Worte des Piloten Moncrieff waren: "Nun Freunde, ich denke, das war's, springt ab." Nur zwei Besatzungsmitglieder (Chandler und Wynn) konnte sich mit dem Fallschirm retten, die übrigen fünf kamen ums Leben. Anwohner Oskar Pöll, der 1948 von einem britischen Untersuchungsoffizier zu den Vorgängen befragt wurde, konnte sich an den Absturz erinnern. "Zwei Besatzungsmitglieder, die aus der Maschine beim Aufprall herausgeschleudert worden waren, wurden von den Flammen weggezogen. Sie waren aber bereits tot. Als das Wrack am nächsten Tag abgekühlt war, erfolgte eine Suche nach weiteren Besatzungsmitgliedern. Die beiden vollständigen Körper bekamen separate Särge." Die Überreste der anderen drei Besatzungsmitglieder wurden in einen Sarg gelegt und nach Düsseldorf gebracht.

Lesaar schildert in seinem Buch das Schicksal der beiden Überlebenden. Heckschütze Keith Wynn landete mit seinem Fallschirm auf dem Dach eines Hauses an der Oberholzer Straße in Haan und wurde gefangen genommen. Bombenschütze William Chandler gelang zunächst die Flucht, aber auch er wurde in Düsseldorf gefangen genommen und kam in Kriegsgefangenschaft. Das Buch ist ein Beweis für die Irrsinnigkeit des Krieges. Lesaar hat es geschafft, den Besatzungsmitgliedern ein Gesicht zu geben und sie aus ihrer Anonymität heraus zu holen. Ein sehr lesenswertes Antikriegs-Buch.

Quelle: RP
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