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Fechten
Beinarbeit und gute Reflexe sind das A und O

Fechten: Beinarbeit und gute Reflexe sind das A und O
Mit einem langen Ausfallschritt und gestrecktem Arm macht Nick Webb (links) den Punkt gegen Maarten Germann. FOTO: Olaf Staschik
Mettmann. Mit kleinen, kurzen Schritten gehen Fechter auf der Matte zum Angriff über - und schalten genauso schnell in den Rückwärtsgang. Von Birgit Sicker

Hilden Fechten hat eine lange Tradition. In früheren Jahrhunderten war es ein wichtiges Mittel der Selbstverteidigung, unterschied sich in solcher Form aber erheblich vom heutigen Sportfechten. Das lag zum Teil an der schweren Schutzkleidung - so ein Ritter hatte eben eine Menge zu tragen. Später war das Klingenduell vor allem in aristokratischen und akademischen Kreisen als besondere Form der Auseinandersetzung beliebt.

Ab dem 18. Jahrhundert erfuhr das Sportfechten einen Aufschwung. Seit den ersten Olympischen Spielen 1896 ist es eine olympische Sportart. Im selben Jahr gab es auch die ersten Deutschen Meisterschaften. Und heutzutage bieten viele Vereine sogar Rollstuhlfechten an.

"Fechten ist etwas anderes als Laufen. Man braucht erhöhte Aufmerksamkeit. Wer eine Waffe in der Hand hat, muss Disziplin haben", fasst Udo Penka die Besonderheiten des Fechtsports zusammen. Der Übungsleiter des TuS Hilden hat es selbst vor 45 Jahren gelernt und ist dem Sport seither treu geblieben. Schon viele Jahre gibt er sein Wissen im Verein weiter. Allerdings ist die Nachfrage nicht mehr ganz so groß wie noch zu der Blütezeit in den 1960er Jahren, als der Verein das Klingen-Rendezvous ausrichtete. "Ein Turnier für ehemalige Leistungsfechter - viele Jahre ist es sehr gut gelaufen", berichtet Penka. Jetzt ist die Nachfrage geringer. Das bekam auch die Abteilung des TuS 96 zu spüren. "Früher waren rund 20 Kinder und 25 Erwachsene Mitglied. Im Laufe der Zeit hat sich das aber reduziert", gesteht Penka. Deshalb macht der Klub verstärkt Werbung. Wer Interesse hat, nimmt einfach mal am Training teil und muss sich erst nach einer Schnupperphase anmelden.

In der Halle an der Hoffeldstraße geht es ruhig zu. Die Kinder und Jugendlichen im Alter von 9 bis 18 Jahren sind noch in der Aufwärmphase. Auf dem Boden liegen schmale Turnreifen. Die Nachwuchsfechter stehen innerhalb der Reifen und trippeln auf der Stelle. Eine vorbereitende Übung für die schnellen Bewegungen, die ein Fechter auf der Planche, also der Matte vollführt, um dem Gegner zu entwischen oder selbst einen Überraschungsangriff zu starten. Parade und Riposte nennen die Klingenvirtuosen das. Die Fechtersprache ist offiziell Französisch, und deshalb ertönt der Ruf "touché", wenn ein Angriff erfolgreich war, der Gegner also mit Degen, Florett oder Säbel getroffen wurde.

Bevor die jüngsten Aktiven auf die Planche kommen, dauert es aber eine Weile. Und das Florett, mit dem die Hildener vornehmlich fechten, bleibt im Training lange außen vor. Statt dessen stehen Koordinationsübungen auf dem Programm: Sie trippeln auf der Stelle und heben abwechselnd die Arme. Später trainiert Udo Penka mit dem Nachwuchs intensiv die Beinarbeit. Zwei kleine schnelle Schritte nach vorne, dann ein kurzer Sprung. "Aus den Beinen heraus, nicht aus dem Oberkörper", ruft Penka. Dann geht es mit kleinen Schritten rückwärts. Mit Argusaugen achtet der Übungsleiter auf die korrekte Ausführung, schließlich ist gute Beinarbeit die Basis für den Fechterfolg.

Also geht's von vorne los: Einen kurzen Schritt vor, noch einen, dann einen schnellen Doppelschritt - und zum Abschluss ein kleiner Sprung. Wichtig ist dabei, das Gleichgewicht zu halten. Wer bei der Landung wackelt, hat keine Chance, sich auf Parade und Riposte zu konzentrieren.

Auf der anderen Seite der Halle kreuzen die älteren Sportler derweil bereits die Klinge. Richtig auf der Matte und mit elektronischer Trefferanzeige. Und auch in der richtigen Fechtkleidung, also mit Unterziehweste und Fechtjacke, Hose und Kniestrümpfen. Alles ist in weiß. Einzig die elektrisch leitende Brokatweste ist silberfarben und gilt als Trefferfläche. Das Florett, eine reine Stichwaffe und höchstens 500 Gramm schwer, ist per Kabel mit dem elektrischen Melder verbunden. Treffer können die Sportler nur mit der Spitze erzielen. Die gültige Fläche ist der Rumpf - also ohne Kopf, Arme und Beine.

Nick Webb und Maarten Germann machen sich fertig für das erste Duell. Trainerin Carolin Cramer gibt Technik-Tipps und ist fürs Zählen zuständig. Nach jedem Treffer geht es zur Startlinie zurück. Dann belauern sich beide Sportler wieder - wer beginnt den Angriff, wer schlägt erfolgreich zurück?

Nick Webb fing mit 13 Jahren an. Die Motivation fand er im Film. "Ich war ein Fan der Drei Musketiere und fand das Fechten cool", sagt er schmunzelnd. Der 18-Jährige war schon auf einigen Turnieren. "Es ist ziemlich anstrengend", berichtet er. Denn im Team- und Einzelwettbewerb absolviert er dann bis zu 15 Gefechte. "Ich habe einen relativ starken Arm und bin flink mit den Beinen", nennt er seine Stärken und ergänzt: "Gute Reflexe sind sehr wichtig."

Als Maarten Germann das erste Mal mit Fechten in Berührung kam, war er "ziemlich begeistert". Dem 16-Jährigen macht es Spaß, sich mit anderen zu messen. "Nicht in Panik zu geraten und alle Sinne beisammen zu haben - das ist das Schwierigste", betont er. Für die Teilnahme an Wettkämpfen fehlt dem Schüler des Hildener Berufskollegs aber die Zeit.

Carolin Cramer frönt dem Fechtsport seit 2005. Das ideale Einstiegsalter sei neun Jahre, findet sie. Und als wichtigste Tugenden nennt die lizensierte Trainerin "Konzentration und Disziplin". Die 23-Jährige ist von eher kleiner Körperstatur, ein Nachteil im Wettkampf ist das aber nicht. Ihre Erfahrung: Größere Gegner tun sich schwer mit der Beinarbeit in der nahen Mensur - also im kurzen Abstand zueinander.

Auf der anderen Seite der Halle ist derweil Udo Penka ganz in seinem Element. In der letzten Übung des Tages versuchen die ganz jungen Sportler, die gelernten Schrittfolgen mit dem Florett in der Hand umzusetzen und einen Treffer auf Penkas Brust zu landen. Dabei kommt der 72-Jährige ganz schön ins Schwitzen - immer wieder zieht er sich die Fechtmaske ab, um sich den Schweiß abzuwischen.

Quelle: RP
 
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