| 00.00 Uhr

Reitsport
EM-Auftritt in Aachen ist ein toller Abschied

Haan. Die Haanerin Christine Kuhirt erkämpfte ihre letzte internationale Chance und startet im Voltigierwettbewerb der Europameisterschaft. Von Dominique Schroller

Es war ihre letzte Chance - und sie hat sie genutzt. Christina Kuhirt vertritt Deutschland bei der Europameisterschaft in Aachen. Es ist ihr erster und letzter Auftritt auf der ganz großen Bühne, denn am Ende des Jahres verabschiedet sich die Haanerin vom Voltigieren. Auf ein solch furioses Finale hatte sie kaum noch zu hoffen gewagt. "Als ich von der Nominierung erfahren habe, kamen mir sofort die Tränen. Ich konnte es einfach nicht glauben", erzählt die 26-Jährige.

Denn schon einmal war Kuhirt ganz knapp am großen Ziel vorbeigaloppiert. Im vergangenen Jahr dufte sie als Drittplatzierte der Deutschen Meisterschaften nicht zu den Weltreiterspielen in die Normandie reisen, obwohl für Deutschland im Damen-Einzel drei Startplätze zur Verfügung standen. Bundestrainerin Ulla Ramge besetzte jedoch nur zwei. "Das war eine bittere Erfahrung", erinnert sich Kuhirt. Schon damals spielte die Haanerin mit dem Gedanken, den Sport aufzugeben und sich ganz auf ihre berufliche Zukunft zu konzentrieren. Doch sie entschied sich anders, stieg in den elterlichen Betrieb in Haan ein und fokussierte sich ganz auf die Qualifikation für Aachen.

Kuhirt stieg zudem von ihrem eigenen auf ein erfahrenes Pferd um. "Rayo ist einfach zu nervös, wenn es darauf ankommt. Fuzzy hat dagegen viel Routine und ist ein Wettkampftyp. Er gibt ihr viel Sicherheit", sagt Trainer Stephan Lotzmann. Er hat sich dafür eingesetzt, dass Christine Kuhirt den 20 Jahre alten Wallach zur Verfügung gestellt bekommt, der im Nebenjob Therapiepferd ist. "Videoleinwände, Applaus - das stört ihn alles nicht. Er scheint es sogar zu genießen", sagt seine neue Partnerin.

Kuhirt zog sich beim Turnier in Wiesbaden eine Verletzung zu, ließ sich jedoch auch davon nicht entmutigen und kämpfte weiter. Bei der entscheidenden Sichtung in Verden lag sie nach zwei Umläufen deutlich in Führung, fiel aber im Finale etwas zurück. "Da habe ich gedacht, das war es, ich habe es vergeigt", berichtet die Athletin. Die Überraschung bei der Bekanntgabe des EM-Kaders war daher umso größer. "Die Freude ist einfach maßlos. Wir hatten so darauf gehofft, doch nach dem vergangenen Jahr waren wir voller Skrupel", berichtet Stephan Lotzmann. Er traut Christine Kuhirt in Aachen alles zu. "Sie ist sehr stark in der Pflicht, sie ist sehr ehrgeizig und hochmotiviert."

Für ihre Kür hat sich die Haanerin etwas Außergewöhnliches ausgedacht: Sie verwandelt sich auf dem Pferderücken in Marilyn Monroe. "Mir ist etwas von ihr in die Hand gefallen und ich dachte sofort das ist es." Sobald die Musik ertönt, schlüpft sie in die Rolle der Diva. "Mein Trainer war erst gar nicht begeistert", berichtet die Haanerin. "Sie ist ein sehr sportlicher Typ und ich dachte, dieses damenhaft Erotische passt nicht zu ihr. Doch sie hat mich eines Besseren belehrt. Vielleicht ist der Stilwechsel der Weg zum Erfolg", sagt Lotzmann. Der Trainer möchte Kuhirt in jedem Fall mitgeben, Aachen zu genießen. Dazu ist die 26-Jährige fest entschlossen. "Bei den Europameisterschaften für Deutschland zu starten, war mein Ziel, alles andere ist Zugabe. Ich freue mich einfach auf mein erstes und letztes Championat und die besondere Atmosphäre in Aachen." Die hat sie bereits bei den Weltreiterspielen 2006 gespürt - damals allerdings auf der Tribüne. "Das war eine unglaubliche Stimmung und das hat mich beflügelt und geprägt."

Diesmal ist Christine Kuhirt mittendrin. Bis zu ihrem ersten Start feilt sie noch an jedem Detail, macht Kraft- und Konditionstraining und konzentriert sich ganz darauf, ihre letzte Chance zu nutzen.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Reitsport: EM-Auftritt in Aachen ist ein toller Abschied


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.