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Mönchengladbach
Alles neu im Norden

Mönchengladbach: Alles neu im Norden
Die zwei Wahlkreise der Stadt: 49 und 50. FOTO: Stadt MG
Mönchengladbach. Zur Landtagswahl am 14. Mai ist Mönchengladbach zweigeteilt, und zwar in die Wahlbezirke mit den Nummern 49 (der südöstliche Teil der Stadt) und 50 (der Nordwesten). In der Analyse des letzteren Wahlbezirks fällt auf: Der Norden ist älter, wohlhabender, ländlicher und eher konservativ - aber auch hier warten ungelöste Probleme. Von Andreas Gruhn

Es gab Zeiten, da spottete man über die Wähler im Gladbacher Nordwesten. Da könne man auch einen Stock hinstellen, solange der schwarz angemalt ist, gewinnt der den Wahlkreis. Das ist einerseits despektierlich nicht nur gegenüber den Kandidaten, sondern auch den Wählern. Letztere machen sich doch sehr genau Gedanken über ihr Kreuz am Wahltag und können durchaus menschliche Kompetenz vom tumben Gegenstand unterscheiden. Und andererseits entspricht es spätestens seit 2012, der letzten Landtagswahl, nicht mehr ganz der Wahrheit. 2012 holte zwar der Amtsinhaber und praktizierende Neuwerker Norbert Post das Direktmandat für die CDU im nördlichen der beiden Gladbacher Wahlkreise, das aber vor allem aufgrund seiner Popularität bei den Wählern. Denn bei den Zweitstimmen siegte dort vor fünf Jahren die SPD, holte 34,3 Prozent und damit gut drei Prozentpunkte mehr als die Union. Es war das Ende des Gladbacher Sonderwegs, wonach die Wahlergebnisse in der Stadt zum Teil krass von denen im Land abwichen. Damals verlor die CDU krachend, und zwar überall. Ein solcher Malus ist bisher 2017 zwar nicht erkennbar, aber auch den Bonus des Amtsinhabers gibt es für den Unionskandidaten Jochen Klenner nicht.

Die Karten werden also neu gemischt im Wahlbezirk 50, auch "Mönchengladbach II" genannt. Der Wahlkreis entspricht in weiten Teilen der alten Stadt Mönchengladbach bis zur Wiedervereinigung mit Rheydt 1975. Dem südlichen Wahlkreis "Mönchengladbach I" wurden praktisch nur Teile von Hardterbroich und Volksgarten hinzugefügt. Und damit verläuft durch die Stadt auch bei dieser Landtagswahl ein im Grunde historischer Korridor; hier konservativ und katholisch, dort sozialdemokratisch und protestantisch? Ganz so einfach ist es nicht, aber die Struktur des Wahlbezirks und gerade dessen Bevölkerung weisen immer noch solche Tendenzen auf. Der Norden ist im Durchschnitt etwa drei Jahre älter als der Süden (legt man das Alter der Wahlberechtigten zugrunde). Die Region ist in der Fläche ländlicher und damit wesentlich dünner besiedelt (ungefähr 500 Menschen weniger pro Quadratkilometer). Die weiten Flure der Rheindahlener und der Hardter Ländereien prägen den Wahlbezirk genauso wie die urbane, florierende City mit ihren Großprojekten. Aus der Luft betrachtet ist der Norden trotz des Bunten Gartens weniger Grün als der Süden und hat etwas mehr Straßen- und Verkehrswege. Im Gesamtergebnis könnte man sagen: Der Norden ist etwas älter, ländlicher und wohlhabender, es leben weniger Menschen mit Migrationshintergrund in dem Wahlbezirk - klassisch konservativ und damit christdemokratisch? So einfach ist es nicht.

Denn auch hier haben die Menschen Sorgen. In den wohlhabenderen und gut situierten Stadtteilen wie Neuwerk, Bettrath, Windberg, Venn, Hardt und Rheindahlener Land sind zwar nur zwischen 3,4 und 6,1 Prozent der Menschen auf Sozialleistungen wie "Hartz IV" angewiesen, in der Innenstadt ist es aber fast jeder vierte. Die Arbeitslosigkeit ist wie in der gesamten Stadt gesunken (die Arbeitsagentur weist keine Statistik nach Stadtteilen aus), aber es fehlen noch immer viele, gerade einfachere Jobs. Wohnraum wird immer knapper, die Sicherheitslage vor allem an Wochenenden in der Altstadt ist bedenklich. Die Zahl der Einbrüche in den Stadtteilen ist noch immer auf einem hohen Niveau, Kita-Plätze fehlen an allen Ecken und Enden. Nicht zu vergessen ist auch ein brachliegender Stadtteil: Was wird aus dem JHQ?

Es sind solche Fragen, die die Einwohner im Wahlbezirk "Mönchengladbach II" beschäftigen und deren Antworten sie (auch) im Zuge der Landtagswahl erwarten. Ein Stock ist da wenig hilfreich.

Quelle: RP
 
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