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Mönchengladbach
Die Kunst als soziale Aktivität

Mönchengladbach: Die Kunst als soziale Aktivität
Die geplante Aktion im Hotel Oberstadt will Coppens in seine bisherigen Arbeiten einbetten. FOTO: Reichartz,Hans-Peter (hpr)
Mönchengladbach. Mit seinen Projekten will der belgische Atelierstipendiat Niels Coppens vergessene Gebäude, Gelände und öffentliche Räume reaktivieren. Nun ist das Hotel Oberstadt an der Reihe. Die Wirkung soll in der ganzen Stadt zu spüren sein. Von Sigrid Blomen-Radermacher

So ganz viel ist noch nicht geschehen im leerstehenden Hotel Oberstadt - doch darum geht es dem aus Belgien stammenden Atelierstipendiaten der Stadt Mönchengladbach Niels Coppens auch nicht. Seine Vorstellungen von künstlerischer Arbeit übersteigen schwarz angemalte Wände um ein Vielfaches (auch wenn die dazu gehören mögen). Neben seinen Aktionen nehmen sich viele traditionelle Kunstobjekte direkt bieder aus.

Wie sehr Coppens den Nerv einer Stadt und/oder einer Zeit und einer Generation trifft, konnte man am Dienstagabend im Ladenlokal an der Eickener Straße beobachten, wo er auf Einladung des Vereins Waldhaus 12 seine künstlerischen Ideen vorstellte. Das Ladenlokal war über den letzten Platz hinaus belegt, die Mehrheit im Publikum bildeten junge Erwachsene.

Niels Coppens holte weit aus, um schließlich bei seinen Plänen für das leerstehende Hotel Oberstadt zu landen, in dem er seine Arbeit realisieren wird. Unter anderem mit einer Performance, über die noch nichts verraten wird. Was ihm für Dienstagabend wichtig war: die Aktion im Hotel Oberstadt in seine bisherigen Arbeiten einzubetten und damit verständlich zu machen.

Atelierstipendiat Niels Coppens. FOTO: Detlef Ilgner

So begann er seinen Vortrag, den er mit zahlreichen Fotografien und Videos bebilderte, mit seiner Zeit als Schüler in Brüssel. Viel Bier, viele Parties, viele Zusammenstöße mit der Polizei mag man zusammenfassend sagen, aber all das führte zu einer Sensibilisierung für öffentliche Plätze, die der Öffentlichkeit meist dann doch nicht zur Verfügung stehen - und zu einem Faible für verlassene Orte. Die verwandelte er mit Hilfe seiner Freunde in temporäre Kunst- und Partyräume. Egal, um welchen Raum es sich handelte, die Aktion war nie eine im Alleingang.

Mehr und mehr entwickelten sich die Projekte zu sozialen Kunstwerken: Anwohner, Jugendliche wurden aktiv einbezogen, damit auch respektiert und ernstgenommen. Die Konflikte mit der Polizei blieben bestehen. Seine Aktionen haben immer auch etwas Anarchistisches.

Am Ende seines Studiums wusste Coppens, was er gelernt hatte: "Niemals Angst davor zu haben, ein Projekt zu entwickeln". Er gründete gemeinsam mit Kommilitonen die Organisation "toestand". Ihr Ziel ist die Reaktivierung von vergessenen oder verlassenen Gebäuden, Geländen und (öffentlichen) Räumen mittels vorübergehender, autonomer, soziokultureller Zentren. Entscheidend sind der Dialog, die Gestaltung, die Autonomie und das aktive Handeln.

Genau dies strebt Coppens an: nicht nur einen Ort schaffen, sondern einen Dialog. Am Ende, so hofft er, ist "Oberstadt" nicht nur im Hotel Oberstadt, sondern überall zu finden. Kunst ist für Coppens eher eine Haltung, eine Einstellung und ein Engagement als ein Bild oder Foto, das man an die Wand hängen, oder ein Video, das man betrachten kann.

Kunst als soziale Aktivität - kein ganz neuer Gedanke, aber für die Stadt Mönchengladbach ein besonders wertvoller Ansatz. Ob alles ohne Konflikte abgehen wird, wird sich zeigen.

Quelle: RP
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