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Serie Gladbachs Gewässer (2)
Ein Bach im Untergrund

Serie Gladbachs Gewässer (2): Ein Bach im Untergrund
In früheren Jahrhunderten prägte der Rheydter Bach die Innenstadt von Rheydt, heute ist von ihm nur noch wenig zu sehen. FOTO: Angela Rietdorf
Mönchengladbach. Flankierend zur Serie "Rheinliebe", die in den Ferien immer dienstags und donnerstags im Lokalteil erscheint, stellen wir Ihnen auch die Flüsse und Bäche Mönchengladbachs vor. Heute geht es um den Rheydter Bach, der einst Rheydt prägte. Von Angela Rietdorf

Man muss schon gründlich suchen, wenn man heute den Rheydter Bach finden will. Das Gewässer, das früher unübersehbar die Rheydter Innenstadt durchfloss, ist weitgehend kanalisiert und damit im Untergrund verschwunden. Aber auf dem Städtischen Friedhof an der Preyerstraße findet man den Rheydter Bach noch und kann erkennen, dass er einmal ein durchaus stattlicher kleiner Wasserlauf war.

Von der Preyerstraße kommend muss man erst einmal den halben Friedhof durchqueren, ehe man an die Stelle kommt, an der der Rheydter Bach für einige Zeit an die Oberfläche tritt. Auf der Höhe des orthodoxen Kreuzes, das an der Gedenkstätte für die in Mönchengladbach umgekommenen sowjetischen Zwangsarbeiter steht, verlässt der Rheydter Bach die Rohre der Kanalisation und tritt wieder ans Tageslicht. Allerdings fällt er dem oberflächlichen Betrachter gar nicht auf, denn das Bachbett ist hier sehr tief, und man erkennt es am besten an der Reihe von Bäumen und Büschen, die es säumen. Viel Wasser hat der Bach auch hier nicht zu bieten, denn seine Quellen im ehemals sumpfigen Gebiet westlich von Pongs und jenseits der A 61 sind längst versiegt. Aber ein wenig Wasser sammelt sich trotzdem im Schatten der Büsche und Bäume, die den schnurgeraden Verlauf über den Friedhof markieren. Schmetterlinge und Insekten wissen den Wechsel von Sonnenlicht und Schatten, die Feuchtigkeit und die Ungestörtheit jenseits der Grabreihen zu schätzen und bevölkern das kleine Biotop. Bis zu den alten Grabmälern wohlhabender Bürgerfamilien am Ende des Friedhofs führt der oberirdische Weg des Baches. An der Stelle, an der er wieder in den Untergrund eintritt, führt eine kleine Treppe nach unten. Auch hier steht ein wenig Wasser, so dass der Rheydter Bach seinen Namen nicht ganz zu Unrecht trägt. Von hier an versteckt sich der Bach in Röhren, bis er- kurz bevor er in die Niers mündet - im Bresgespark noch einmal als offener Kanal sichtbar wird.

In früheren Jahrhunderten prägte der Rheydter Bach die Innenstadt von Rheydt: Er floss entlang der heutigen Marktstraße, am Rathaus vorbei und die Gracht hinunter. Ursprünglich ein klarer Bach, verkam der Wasserlauf wie der Gladbach im 19. Jahrhundert immer mehr zur Kloake. Als er Anfang des vorigen Jahrhunderts kanalisiert wurde, atmeten die Anwohner vermutlich auf. Zumal er auch immer wieder für Überschwemmungen sorgte. Das allerdings tut er auch heute noch. Bei Starkregen verwandelt sich der Rheydter Bach, der sonst meist trocken liegt, wieder in ein ernstzunehmendes Gewässer. "Bei den Starkregenereignissen der Jahre 2008 und 2009 hat der Rheydter Bach die Friedensstraße unter Wasser gesetzt", erklärt Armin Marx, Vorstand der NEW, die in Mönchengladbach für die Gewässerunterhaltung zuständig ist. Der kanalisierte Bach konnte die enormen Wassermassen schlicht nicht aufnehmen. Das ist einer der Gründe für die jetzt in Angriff genommene Renaturierung der Niers im Bereich des Zoppenbroicher Parks. Durch die damit verbundene Schaffung von Ersatzauen soll ein natürlicher Rückhalteraum bei Hochwasser geschaffen werden, der dann auch Platz für das Wasser des Rheydter Bachs bietet. Eines Baches, auf den man heute nur selten aufmerksam wird.

Quelle: RP
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