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Mönchengladbach
GroKo baut den Wohnungsmarkt um

Mönchengladbach: GroKo baut den Wohnungsmarkt um
Richtfest an einem Einfamilienhaus: Das wird es in den kommenden Jahren oft zu sehen geben. FOTO: DPA
Mönchengladbach. Paare ohne Kinder sollen künftig leichter an städtische Baugrundstücke kommen. Damit will die Politik qualifizierte, junge Neubürger anlocken. Gleichzeitig sollen Fördermittel für sozialen Wohnungsbau effizienter abgerufen werden. Von Andreas Gruhn

Das Neubaugebiet in Rönneter ist eines der derzeit spannendsten in der Stadt. Findet natürlich die EWMG als ursprünglicher Eigentümer der Grundstücke, finden aber auch ziemlich viele Bauwillige. Für eine ganze Reihe an Grundstücken gab es zehn und noch mehr Interessenten, wie EWMG-Chef Ulrich Schückhaus sagt. Auch wenn manche Interessenten sich für mehrere Parzellen beworben hatten, war das Interesse immens. Besonders Doppelhaushälften und kleinere Grundstücke für freistehende Einfamilienhäuser waren nicht nur dort heiß begehrt.

In solchen Fällen war bisher klar, dass mittels eines Punktesystems entschieden wird, wer den Zuschlag erhält: Und Familien mit Kindern haben dabei einen deutlichen Bonus. Das soll sich nun ändern nach den Vorstellungen von CDU und SPD: Die Große Koalition im Rat will den Wohnungsmarkt in der Stadt gewaltig umbauen und dazu unter anderem die Kriterien für den Verkauf städtischer Baugrundstücke erneuern. Künftig sollen "noch kinderlose Familien", wie es im Antrag der GroKo heißt, Familien mit Kindern gleichgestellt werden. Der etwa 13 Jahre Grundsatz, wonach Familien mit Kindern bevorzugt werden, soll demnach aufgeweicht werden. Einzig kinderreiche Familien sollen zusätzliche Punkte im Kriterienkatalog erhalten.

"Wir wollen die Prioritäten verschieben und neue Anreize geben für Menschen außerhalb Mönchengladbachs, in die Stadt zu ziehen", sagt Annette Bonin, planungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Rat. Immer wieder waren etwa junge Paare in benachbarte Städte ausgewichen, die gerne nach Mönchengladbach gezogen werden - aber eben nicht den Zuschlag erhielten, weil sie noch keine Kinder hatten. "Wer keine Kinder hat, der hat es schwer, in der Stadt ein Baugrundstück zu finden", sagt SPD-Fraktionschef Felix Heinrichs. "Warum soll nicht auch ein kinderloses Paar oder ein gleichgeschlechtliches Paar ein städtisches Grundstück kaufen können?"

Dabei hat es die Stadt mit ihrem Programm MG+ genau auf diese Zielgruppe abgesehen: junge, qualifizierte, engagierte Neu-Gladbacher. In dem Antrag heißt es auch ganz offen, die Verwaltung solle prüfen, ob neue Mitarbeiter von Verwaltung, Hochschule und besonders im Wettbewerb stehenden Berufsfeldern durch Wohnangebote für die Stadt geworben werden können. Die Große Koalition verspricht sich insgesamt mehr Flexibilität in der Grundstücksvergabe.

Abweichungen vom Kriterienkatalog sollen nämlich zur Unterstützung alternativer Wohnformen grundsätzlich möglich sein. Das war bisher nur nach einer gewissen Frist möglich oder wenn es nicht genug Bewerber gab - also vor allem bei teuren oder unbeliebten, weil schlecht geschnittenen Grundstücken.

EWMG-Geschäftsführer Ulrich Schückhaus hatte zuletzt ebenfalls das starre Punktesystem kritisiert: "Wir mussten mehrmals Bewerber für Grundstücke abweisen, obwohl wir sie gerne genommen hätten." So verlöre die Stadt viele gute Leute an Nachbarkommunen. Schückhaus dringt aber auch darauf, dass ein erneuertes Punkte-System einfach anwendbar sein muss.

In den kommenden Jahren stehen eine Reihe Großprojekte an, auch bei der EWMG. Allein die Projekte auf dem Maria-Hilf-Gelände, in der City Ost und auf dem Reme-Gelände sollen neuen Wohnraum für Tausende zusätzliche Einwohner bieten. Innerhalb der kommenden beiden Jahre sollen im Stadtgebiet rund 2200 neue Wohneinheiten entstehen für etwa 4400 Einwohner. In den darauf folgenden drei Jahren soll zusätzlicher Wohnraum für bis zu knapp 5000 Einwohner entstehen. Die Verwaltung folgerte zuletzt daraus, dass in den kommenden Jahren insgesamt Wohnraum für rund 10.000 Menschen geschaffen werden könne. "Im Gegensatz zu anderen Städten können wir aktuell große städtische Flächen für den Wohnungsbau entwickeln", sagt Thomas Fegers, planungspolitischer Sprecher de SPD-Fraktion.

Dazu gehört aber auch sozial geförderter Wohnungsraum. In einem zweiten Antrag will die Ratsmehrheit auch dafür sorgen, dass der Fördermittel-Abruf sowohl für Neubauten als auch in der Bestandssanierung effizienter gestaltet wird. Dazu sollen Stadt und EWMG einen regelmäßigen Dialog mit privaten Wohnungsbauunternehmen führen und über "Chancen der Fördermöglichkeiten" aufklären. Günstiger Wohnraum wurde immer knapper, weil die vom Land bereitgestellten Fördermittel immer weniger abgerufen wurden. Investoren besorgen sich die günstigen Kredite lieber auf dem freien Markt als bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau und umgehen so die unbeliebte Mietpreisbindung für Jahrzehnte. Weil aber nach einer gewissen Zeit immer mehr Wohnungen aus dem geförderten Markt fallen und nur wenige neue hinzukommen, ging der Bestand an sozialem Wohnraum etwa für Familien mit Wohnberechtigungsschein von 2010 bis 2015 um rund neun Prozent zurück. Die Verwaltung soll den Bedarf in jedem Jahr aufs Neue ermitteln und der Politik vorlegen - notfalls soll der eben auch durch Kooperationen oder "Eigenengagement" behoben werden - sprich: durch das künftig nur noch eine städtische Wohnungsbauunternehmen, das durch die Zusammenlegung aus Kreisbau und GWSG entsteht.

Beide Anträge werden am 20. Juni erstmals im Planungs- und Bauausschuss beraten. Eine Entscheidung darüber ist bereits für den 5. Juli vorgesehen.

Quelle: RP
 
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