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Mönchengladbach
Herr Wiemann und die Ballistik der Bienen

Mönchengladbach: Herr Wiemann und die Ballistik der Bienen
Oben: Daniel Dautzenberg, Peter Wiemann, Volker Herold und Siegfried Lehmann (v.l.) zeigen die Anlage, für die es den Innovationspreis gab. Unten: Wiemann bei der Verleihung mit Kristina Koster (Marketing) und Mentor Ranga Yogeshwar. FOTO: Isabella Raupold, LWT
Mönchengladbach. LWT Luftwandtechnik zählt zu den 100 innovativsten Mittelständlern Deutschlands. Die Firma entwickelt unsichtbare Tore, die vor Gerüchen, Staub und Luftaustausch schützen. Gesucht wird noch ein Kooperationspartner im Regiopark. Von Jan Schnettler

Mit Insekten werfen? Wenn von der "Erschließung neuer Geschäftsbereiche" die Rede ist, dürfte die Ballistik von Bienen in den allermeisten Fällen eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Nicht so bei der Firma LWT Luftwandtechnik GmbH, die Tore aus Luft entwickelt, konstruiert und vertreibt. Diese maßangefertigten Tore bestehen aus einem System aus Ventilatoren und Düsen und schützen vor Staub und unangenehmen Gerüchen, aber auch vor Keimen, Viren und Pollen, außerdem kalte Räume vor warmer Luft (etwa in Kühl-Lastwagen) oder umgekehrt. Und wenn Geschäftsführer Peter Wiemann erzählt, wie es dazu kam, dass sein Unternehmen mittlerweile auch Schutzvorrichtungen gegen Insekten erstellt, kommt man unweigerlich ins Schmunzeln.

Die Geschichte geht so: Ein renommierter Folienhersteller hatte das Problem, dass durch das Freisetzen von Weichmachern Fliegen aus bis zu vier Kilometern Entfernung angelockt wurden. Da konnte das Werk noch so sehr mit Schutzgittern ausgerüstet sein, sobald jemand ein Tor oder eine Tür öffnete, drang ein ganzer Schwarm ein. Um auszuprobieren, ob eine Luftwand der Firma LWT Abhilfe schaffen könnte, kamen ein Parasitologe und ein Imker ins Spiel. "Der Imker griff in ein Gefäß voller Bienen und warf sie mit Schmackes auf unsere Luftwand", sagt Wiemann. "Und siehe da, keine einzige durchdrang sie." Insektenproblem gelöst - Geschäftsbereich gegründet.

So oder so ähnlich geht es zu, wenn LWT mit Sitz an der Waldnieler Straße sich an die Arbeit begibt. Für seine Entwicklungsfreude ist es ganz aktuell unter die 100 innovativsten Mittelständler Deutschlands gewählt worden, Mentor des Wettbewerbs war Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar. Zehn Mitarbeiter ist das 1999 gegründete Unternehmen mittlerweile stark, die Hälfte seines Umsatzes erzielt es mit Marktneuheiten - die andere mit innovativen Verbesserungen. Renommierte Unternehmen von Daimler bis Miele, von Henkel bis Dr. Oetker, von Aldi bis Vaillant und Tommy Hilfiger bis zur Deutschen Bank setzen auf LWT-Technik, in Gladbach beispielsweise SMS und Effertz Tore. Auch an markanten Gebäuden wie dem Düsseldorfer Flughafen, dem Kölner Museum Ludwig und der Neusser Skihalle kommt diese zum Einsatz. "Mittlerweile sind mehr als 4000 Anlagen von uns im Einsatz", sagt Wiemann. Oft dienen sie dabei sogar als 1:1-Ersatz für bauliche Schleusen.

FOTO: LWT

Schon die Ausgangsidee für die Firmengründung war eine ungewöhnliche: Als die Metro-Handelskette einst versuchte, den intensiven Geruch der Frischfischtheke vom Rest-Markt fernzuhalten, entwickelte Ingenieur Wiemann eine Luftwand. Nur wenige Millimeter dick ist so ein unsichtbares Tor, das sinnigerweise etwa an Eingängen von Kaufhäusern, an Toren von übelriechenden Abfallbetrieben oder eben bei empfindlichen Folienherstellern Anwendung findet. Also überall dort, wo entweder PVC-Streifenvorhänge oder herkömmliche Torluftschleier zum Einsatz kommen. Doch während Erstere schnell lästig, von Mitarbeitern oft beiseitegeschoben und dadurch ineffizient würden und Letztere viel Wärme und Energie verbrauchten, seien die ventilatorbetriebenen Luftwände bis zu 80 Prozent leistungsstärker und damit deutlich umweltfreundlicher, sagt Wiemann. "Bei Torluftschleiern ist das Strömungsverhalten turbulent", erläutert der Ingenieur. "Wir aber durchschneiden mit einem schmalen Luftprofil die Luft, anstatt sie zu durchmischen - das ist laminares Strömungsverhalten." Aufgrund der eingesetzten Technik sind die LWT-Systeme damit auch teurer - die Kosten amortisierten sich jedoch schon nach wenigen Jahren.

Aktuell tüftelt LWT mit der Technischen Universität Dresden an Hybridbussen herum - denn so umweltschonend diese auch sein mögen, die Abwärme der kleineren Motoren reicht oft nicht mehr aus, so dass im Winter durch Ein- und Aussteigen der Innenraum auskühlt. Stattdessen kommen dann Standheizungen zum Einsatz, die ihrerseits Energiefresser sind. "Wir haben vor Kurzem Versuche mit Luftwänden an den Türen gemacht, die jetzt ausgewertet werden", so Wiemann. Und: "Zuletzt haben wir für einen Logistik-Kunden, der an zahlreichen Toren unsere Luftwände einsetzen will, eine Steuerung entwickelt, mit der ein einziger Ventilator gleichzeitig vier Tore versorgen kann", erklärt Wiemann die derzeit wichtigste Neuerung seines Hauses. Für diese gab es nun auch die "Top 100"-Auszeichnung für Innovationsfreude. Einziges Problem: Die Anlage konnte bisher noch nicht im Feld getestet werden. "Dafür suchen wir noch einen Kooperationspartner, idealerweise im Regiopark", sagt Wiemann. "Jemanden, der viele Tore hat und Lust hat, sich mit einem kleinen Tüftlerlabor ausprobieren. Und nicht zuletzt würde er dadurch ja auch etwas sparen."

Quelle: RP
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