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Buchtipp
Arnold Küsters: Gute, blutige Unterhaltung

Mönchengladbach. Wer das Werk des Mönchengladbachers Arnold Küsters kennt, der weiß: Der Mann hat einen Hang zu skurrilen Tatortszenarien und besonders blutigen Tötungen. Zumindest, was seine Kriminalstücke angeht. Wer das noch nicht weiß, erliest es spätestens ab Seite 11 seines neuen Romans, den er "Täter haben Macht" genannt hat. Den Küsters-Erstlesern wird es beim Kopfkino, das bei der Beschreibung des Tatortes entsteht, vielleicht so gehen, wie der jungen Kriminalkommissarin Johanna Gail. "Johanna starrt auf die Leiche. Sie begreift nicht, was sie da sieht. Sie will nicht begreifen", berichtet Küsters vom Seelenzustand seiner Protagonistin bei der Sichtung ihrer ersten Leiche. Im Verlauf der Geschichte wird klar, dass die Frau, nach Göttingen, wo die Geschichte spielt, versetzt, Grund hat, verstört zu sein: Der Kopf, der im Gießener Schloss anstelle des Hauptes Georg Büchners auf dem Steinsockel thront, gehört dem Mann, mit dem sie tags zuvor noch im Bett war. In diesem Fall war es aber nicht die Liebe, die das Opfer kopflos machte, sondern ein scharfe Klinge.

Küsters hat das Universitätsmilieu der Studentenstadt für seinen Fall ausgewählt. Der Uni-Campus hat schon oft einen passenden Rahmen hergegeben für Mördergeschichten, insbesondere in amerikanischen Slasher-Filmen ("Scream, etc.). Herausgegeben hat das Buch (ISBN 978-3-00-052086-0, 5 Euro) die Technische Hochschule Mittelhessen, ansässig ebenfalls unter anderem in Gießen. Ein Hauch von Selbstreferenz ist es also, auch wenn alle "Figuren und Handlungen ausdrücklich frei erfunden sind und Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen damit rein zufällig wären". Deuten wir es als eine gewisse (Selbst)Ironie, und die findet sich gewöhnlich auch zu Hauf in Küsters' Werken und Figuren.

Mord ist zunächst mal eine ernste Angelegenheit, doch Küsters knüpft reichlich kuriose Verstrickungen, um den Leser damit auf die falsche Fährte zu locken. Auf die schickt er auch Nachwuchskommissarin Gail und ihren knorrigen Chef Stummel. Es wird auch ein bisschen psychologisiert, als es um die Entmummung des Mörders geht, das setzt der Titel des Buches nahezu voraus - und welcher Killer ist nicht nebenbei auch ein Psychopath? Doch geschieht das nur im nötigen Maß.

Dass am Ende aus der Jagenden die Gejagte wird, dass die Heldin dem Tod ins Auge schaut, ist nicht neu in Geschichten dieser Art, aber in ein spannendes Szenario gebettet. Und wem zwischenzeitlich zu wenig Blut geflossen ist, der wird beim Finale zufrieden feststellen: Hier geht noch was!

Typisch Küsters, wird der Kenner sagen. Gute, blutige Unterhaltung.

KARSTEN KELLERMANN

Quelle: RP
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