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Mönchengladbach
Demenzkranke im Textil-Technikum

Mönchengladbach: Demenzkranke im Textil-Technikum
Susanne Wallrafen von der Sozial-Holding mit zwei Senioren im Textil-Technikum. FOTO: Sozial-Holding
Mönchengladbach. Das Museum als Erlebnisraum: Das Projekt "Demenz Inklusive" soll betroffenen Menschen die Chance bieten, sich zu erinnern. Ab Anfang Oktober werden für sie spezielle Führungen angeboten. Von Inge Schnettler

Wenn Menschen an Demenz erkranken, entfernen sie sich nach und nach aus der Gegenwart. Die Erinnerungen an Vergangenes kann allerdings noch längere Zeit wach bleiben. Oder erweckt werden, wenn der Erkrankte behutsam mit seiner eigenen Geschichte konfrontiert wird. Das ist der Ansatz für die Führungen, die ab dem 1. Oktober im Textil-Technikum im Monforts-Quartier angeboten werden. "Das ist wegweisend", sagt Karlheinz Wiegmann. Seit fünf Jahren werden in seinem Museum Führungen für Demenzkranke angeboten - mit großem Erfolg. "In diesem speziellen Fall vermitteln wir nicht, wie es sonst im Museum üblich ist, wir begleiten die Menschen und vertrauen dabei auf die Erfahrung ihre Pfleger." Die Führungen im Textil-Technikum, das Bestandteil des Museums Schloss Rheydt ist, findet er besonders sinnvoll. "Hier werden die Senioren mit der textilen Geschichte der Stadt und mit ihrer eigenen Vergangenheit zusammengebracht."

Zur Vorbereitung hat es bereits einen ersten Rundgang mit Demenzkranken im Textil-Technikum gegeben. "Das war für uns eine tolle Erfahrung", sagt die Fachbereichsleiterin der städtischen Bildungs-GmbH, Belinda Schmitt. Alle Altenheime der Stadt und in der Umgebung werden eingeladen, das Angebot zu nutzen. "Und in einem zweiten Schritt sollen alle Senioren mit privater Begleitung die Möglichkeit bekommen, das Textil-Technikum als Erlebnisraum zu erkunden." Es wird nicht im üblichen Sinn durch die Ausstellung geführt. "Die Menschen sollen einfach verweilen, sie dürfen Dinge anfassen, und sie können beim Weben zuschauen", sagt die Projektleiterin.

Das neue Projekt "Demenz Inklusive" ist auf 33 Monate befristet. Es wird mit 170.000 Euro gefördert. Daran sind zu gleichen Teilen das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter und die Pflegekassen beteiligt. Mit den bereitgestellten Mitteln werden Personal- und Schulungskosten sowie die wissenschaftliche Begleitung durch die Hochschule Niederrhein finanziert. Zudem ist bereits seit dem 1. Juni ein erfahrener Textilpädagoge beschäftigt, außerdem wird es einen Workshop für sogenannte Erinnerungsbegleiter geben. Sie sollen die Besucher begleiten und mit ihnen im Anschluss die Erlebnisse im Textil-Technikum aufarbeiten. Sie werden über die textile Vergangenheit Mönchengladbachs vertraut gemacht, und sie erfahren, wie sehr diese das Leben der Menschen geprägt hat.

"Immer wieder kommt es vor, dass Menschen mit Demenz während einer Führung durch das Museum Schloss Rheydt nach einem Gegenstand greifen, um ihn mitzunehmen", erzählt Karlheinz Wiegmann. "Darüber freue ich mich, denn es zeigt, dass sich die Menschen tatsächlich geöffnet haben." Er fände es daher auch gar nicht schlimm, wenn nach einer Führung durch das Textil-Technikum die eine oder andere Garnrolle verschwunden wäre.

Quelle: RP
 
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